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»Kunst im Fluss«

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Jakob Gnadl zeigt in Marquartstein seine bearbeiteten Fundstücke aus der Tiroler Ache. (Foto: Grabmüller)

Kunst im Fluss zu entdecken ist das Motto des Künstlers Jakob Gnadl. Die Ergebnisse dieses Schaffens, nämlich Skulpturen aus Fundstücken von der Tiroler Ache, sind noch bis zum 21. September im Marquartsteiner Rathaus ausgestellt.


Bei der Eröffnung der Ausstellung würdigte die 2. Bürgermeisterin von Marquartstein, Claudia Kraus, die Arbeit des Künstlers und seine gute Idee, Marquartstein als Ausstellungsort zu wählen, fließt doch die Tiroler Ache mitten durch die Gemeinde. Die »Knopf-Sonaten-Blech-Blos’n«, ein junges und erfolgreiches Ensemble der Musikschule Grassau, Gewinner des Wasserburger Löwen 2018, brachte musikalischen Schwung ins Marquartsteiner Rathaus.

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Gemeinsame Beschäftigung mit der Tiroler Ache

Stefan Kattari vom Museum Salz und Moor in Grassau, Martina Mitterer vom Naturpavillon Übersee, Kathrin Schwarz vom Ökomodell Achental und Dr. Hans J. Grabmüller vom Heimat- und Geschichtsverein Achental hatten sich Anfang des Jahres zu einer gemeinsamen Beschäftigung mit dem Thema »Tiroler Ache« zusammengeschlossen, und auch Jakob Gnadl wurde Teil des Teams.

So gelang es, das Thema nicht nur mit den wissenschaftlichen Methoden der Biologie, Ökologie, Geografie und Geschichte zu untersuchen, sondern auch mit den Augen des Künstlers weitere Facetten des eigenwilligen Gebirgsflusses zu entdecken.

Geboren und aufgewachsen in Übersee und dort auch lange Jahre beruflich tätig, fühlt er sich dem Achental besonders eng verbunden. Schon als Bub hat Jakob Gnadl oft am Ufer der Tiroler Ache gespielt, und später war er in seiner Freizeit häufig mit dem Fahrrad entlang des Flusses unterwegs. Nicht ohne Beute kam er heim. Aber es waren keine Fische, die er fing, sondern er brachte Treibgut heim, das die Ache auf ihrem Weg von den Tiroler Bergen zum Chiemsee mit sich führte. Gnadl las Holzstücke, Äste oder Metallstücke auf Kiesbänken und in den Ufersträuchern auf. Sie dienten ihm als Material für seine künstlerischen Arbeiten. Der 64-jährige Überseer Künstler gestaltet Skulpturen aus den gefundenen Stücken, verändert sie, bearbeitet sie.

Jakob Gnadl, von Beruf Bankbetriebswirt, hat sich vor rund zehn Jahren freien künstlerischen Arbeiten zugewandt. Das handwerkliche Gestalten beschäftigte ihn schon als Kind in der gut ausgestatteten Werkstatt seines Vaters. Im Vorruhestand kam Gnadl wieder auf die früheren Interessen zurück. Als Autodidakt versuchte er sich in der bildhauerischen Gestaltung von Treibgut aus der Ache. Bereits mehrfach zeigte er seine Skulpturen in Ausstellungen. Er ist Mitglied der Künstlergruppe »D’Maler Übersee-Feldwies« und beteiligt sich an deren Jahresausstellungen. Auch Malerei zählt zu seinen Beschäftigungen, hier hat er sich vor allem mit abstrakten Motiven auf Arbeiten in Acryl spezialisiert.

Er gestalte »Skulpturen und Objekte aus angeschwemmten Fundstücken, die ich mehr oder weniger stark mit Farbe, Spachtel oder anderen Materialien ergänze. Dabei kommen durchaus manchmal seltsame Ergebnisse heraus, die einer gewissen Komik nicht entbehren«, erklärt der Künstler. Jakob Gnadl ist fasziniert von der Tiroler Ache: »Zu jeder Jahreszeit, ja täglich präsentiert sich der Fluss anders. Die Farbe des Wassers, der Sonnenstand, Regen, Schnee – immer wieder neue Stimmungen. Der Fluss ist Lebensader, Segen und Fluch des Achentals mit seiner wechselhaften Geschichte.«

Für Jakob Gnadl gibt es »viel zu entdecken«

Die Beschäftigung mit Kunst habe seine Wahrnehmung geschärft, meint Jakob Gnadl. »Bei meinen Wanderungen und Radltouren entlang der Ache gibt es viel zu entdecken. Schwemmholz, Metall, Steine, selbst achtlos weggeworfene Gegenstände wecken mein Interesse. Oft komme ich dann mit einem Relikt nach Hause, das bereits stark von den Elementen bearbeitet und verändert wurde. Diese Dinge bilden dann die Grundlage für meine Arbeiten.«

Die Ausstellung ist bis zum 21. September zu den Geschäftszeiten des Rathauses – Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 7.30 bis 12 Uhr, mittwochs von 9 bis 12 und von 13 bis 17.30 Uhr bei freiem Eintritt zu besichtigen. Uta Grabmüller