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Arbeit des Konzeptkünstlers Helmut Mühlbacher – Heute Stadtspaziergang in Traunstein

»Kunst im Park« am Wochinger Spitz

Nach seiner abgeschlossenen Ausbildung zum Landschaftsarchitekten hat der 1968 in Traunstein geborene Helmut Mühlbacher in der Bildhauer- und Konzeptkunstklasse von Professor Fridhelm Klein und Professor Klaus von Bruch an der Akademie der bildenden Künste in München studiert. Sein Brotberuf und seine Arbeit als freier Künstler sind seither nicht voneinander zu trennen: »Mein Interesse gilt insbesondere einer intensiven Auseinandersetzung mit räumlichen Situationen und der Entwicklung von Arbeiten für einen spezifischen Ort, wobei ich mich sehr intensiv mit dem Spannungsfeld des »Natürlichen« und »Künstlichen« auseinandersetze.«

In der Reihe »Kunst im Park« am Wochinger Spitz wird derzeit die Arbeit »natürlich künstlich« des Traunsteiner Konzeptkünstlers Helmut Mühlbacher gezeigt.

Diese Aussage des Künstlers verdeutlicht, wie programmatisch seine für den Wochinger Spitz in Traunstein gewählte Arbeit ist. Besonders passend ist Mühlbachers Arbeit aber auch für die grundsätzliche Zielsetzung der städtischen Projektreihe »Kunst im Park«, die in unregelmäßiger Folge verschiedene Arbeiten von Bildhauern auf eine beschränkte Zeit im Park am Wochinger Spitz präsentiert. Helmut Mühlbacher ist nun bereits der zehnte Künstler, der eingeladen wurde, seine bildnerische Antwort auf die Frage, was Kunst im öffentlichen Raum heutzutage leisten soll, zu formulieren und zur Diskussion zu stellen.

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Gelegenheit dazu gibt es zum Beispiel im Rahmen einer Veranstaltung, die während der Chiemgauer Kulturtage am heutigen Samstag unter dem Motto »Was steht denn da?« stattfindet – Treffpunkt ist um 11 Uhr am Bahnhofsvorplatz – und die zu einem Stadtspaziergang zur Kunst im öffentlichen Raum einlädt. Helmut Mühlbacher ist mit dabei und gibt gerne zu seiner Arbeit »natürlich künstlich« Auskunft.

Im Zentrum der elliptischen Rasenfläche liegt eine Stahlplatte flach auf der Erde, auf der mit ausgefrästen und mittig platzierten Buchstaben die Wörter künstlich und natürlich zu lesen sind. Im Laufe der Zeit hat sich das Gras seinen Weg ans Licht gesucht und bildet nun den Schriftzug. Wenn der Rasen im Park gemäht wird, kann direkt über die Platte gemäht werden und der Wachstumsprozess beginnt von vorne. Nach dem Abbau der Platte im Herbst bleibt zunächst ein braches Stück Erde, das die Grasschriftzüge noch einige Zeit zeigt, bis sich die Natur alles zurückerobert hat und nichts mehr auf die Existenz des Kunstwerks hinweist. Eine vorzeitige »Rekultivierung« der Fläche wird aus diesen Gründen unterbleiben.

Dieses konzeptuell ausgerichtete Werk, das die Natur zum Thema und zum Mitakteur macht, spricht mehrere inhaltliche Ebenen an. Zum einen lässt es den aufmerksamen Spaziergänger – der eilige Passant übersieht das Werk wahrscheinlich – die sprachliche Gegenüberstellung von natürlich und künstlich hinterfragen. Zum anderen kommentiert Mühlbachers Arbeit indirekt auch den Aufstellungsort Park als Bedeutungsort für Werte und Normen einer ihn schaffenden und kultivierenden Gesellschaft.