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Kunstakademie Bad Reichenhall freut sich auf 20-Jahr-Feier

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Akademie-Direktorin Brigitte Hausmann präsentiert das Jahresprogramm 2016. (Foto: Mergenthal)

Zum Überschreiten von Grenzen wolle das Jahresprogramm 2016 der Kunstakademie Bad Reichenhall einladen, erklärt Akademie-Direktorin Dr. Brigitte Hausmann. Im Gespräch mit unserer Zeitung stellte sie Grundzüge des Programms im Jubiläumsjahr »20 Jahre Kunstakademie« vor. Neben einigen neuen seien darin natürlich auch die bewährten Dozenten zu finden. Zum 20-jährigen Bestehen gibt es am Samstag, 18. Juni, ein großes Kunst-Fest.


Ein Beispiel für das Überwinden von Grenzen seien Kombi-Seminare, die zeichnerische und malerische Verfahren verbinden. »Damit soll die Bedeutung der Zeichnung als Grundlage für die figurative Malerei ins Bewusstsein gerückt werden«, betont Brigitte Hausmann. Hier gibt es zum Beispiel den Kurs des gebürtigen Grazers Peter Mairinger »Von der Zeichnung zur Malerei« oder das Seminar »Ölmalerei und Zeichnung« von Johannes Hüppi, das zugleich der bisher etwas kurz gekommenen Ölmalerei Platz einräumt. Der Baden-Württemberger Hüppi, der Sohn eines Künstlerpaares, kann hier laut Hausmann ganz viel handwerkliches Können vermitteln. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die weibliche Figur.

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Ein Neuzugang ist auch der stilistisch und vom Material her vielseitige Berliner Anton Hennig, der in der Kunstgeschichte des 19. bis 21. Jahrhunderts sehr bewandert ist. Seine Ausstellungen, wie die letztjährige im Zeppelin-Museum am Bodensee, sind Gesamtkunstwerke, bei denen auch Wände, Möbel und zum Teil auch musikalische Beschallung gestaltet ist. Grenzen in der Ästhetik überschreitet Frido Hoberger, Universitäts-Zeichenlehrer in Tübingen: Er kreiert mit Gedichten von Eva Christina Zeller und Friedrich Hölderlin mehr als Textillustration, bezieht grafische Kunst, Ornamentik, gegenständliche und ungegenständliche Elemente ein. Am Ende entsteht eine Collage aus Einzelbildern, die für Hausmann etwas Prozesshaftes hat.

Kreationen aus Pappe

Besonders freut sich die Direktorin darüber, mit Stephan Obermayer einen Traunsteiner gewonnen zu haben, der mit einem einfachen, überall verfügbaren Material, Pappe, freie Plastiken und Rauminstallationen kreiert – ein Material, das erst in der Gegenwartskunst vereinzelt, etwa bei Manfred Pernice, künstlerische Weihen erhält. Damit werde an der Akademie auch der Bereich der Plastik gestärkt, erläutert die Leiterin. Mit dem Wiener Erik Aspöck können die Kunstschaffenden fließende Übergänge zwischen Zeichnung und Malerei entdecken .

Mehr Gewicht legt die Akademie 2016 auf die Zeichnung als Grundlage für jede Kunst, auch Bildhauerei. »Ich finde es wichtig, dass sich jemand, der mit einer gewissen Ambition an die Sache herangeht, mit dem Zeichnen auseinandersetzt«, bringt es die Direktorin auf den Punkt. Die Zeichnung, die in den Galerien, Museen und der Gegenwartskunst aktuell eine große Rolle spiele, sei auch wichtig für die Entwicklung des Ungegenständlichen. Sie helfe, Gespür für Proportion, Komposition und Raum zu entwickeln, und schärfe die Wahrnehmung. Ganz unterschiedlichen Stilen können die Akademie-Besucher in Michael Kalmbachs fragil-versonnenen Traumwelten oder Katja Davars architektonisch inspirierten, fantastischen Zeichnungen begegnen.

Einen neuen Studiengang bietet die Akademie mit der weltweit renommierten japanisch-schweizerischen Künstlerin Prof. Leiko Ikemura an, von der bis Ende Januar eine Werkschau in Köln im Museum für ostasiatische Kunst zu sehen ist. »Sie verbindet europäische Kunstgeschichte und japanische Einflüsse, etwa in ihren keramischen Plastiken.« Ihre Bilder seien wie ein eigener Kosmos, höben Grenzen auf, wirkten zurückgenommen und verhalten, sagt Hausmann. »Ich finde es schön, wenn man über das Bild eine ganz andere Philosophie vermittelt bekommt.«

Eine Hommage an die bergbegeisterte Region hingegen ist im Kursbuch das Thema Berge mit dem expressiven Münchner Maler Ernst Heckelmann, für das Hausmann auch Einheimische zu gewinnen hofft. Einen großen Bogen von der Frage, wie man sich in eine Verfassung bringen kann, dass die Ideen sprudeln, bis zum Tun spannt das erstmals angebotene, interdisziplinäre »Ideenseminar« mit Harald Hoppe. Es fällt auf, dass viele ostdeutsche Dozenten dazu gekommen sind, wie Franziska Klotz aus Dresden oder Rayk Goetze aus Stralsund. »Die sind vom Handwerk her oft besser ausgebildet«, so Hausmanns Erfahrung.

Einen Kinderkurs mit Marcus Sendlinger gibt es auch wieder – diesmal soll auch »en plein air« gemalt werden, weil das Material-Sammeln den Kindern bei der Premiere so viel Spaß machte.

Um Tiefe, existentielle Fragen und die Überwindung von Ängsten bei der Umsetzung in die Kunst geht es bei Prof. Christa Näher. Mit ihrer langen Lehrerfahrung ist sie ein Gegenpol zu sehr jungen Künstlern wie Jens Schubert, 1983 im Erzgebirge geboren. Seine farbigen Linolschnitte erinnern zum Teil an Sciene Fiction, zum Teil an esoterische Themen. Mit der ungewöhnlichen Kombination von Fotos und Textilien erzeugt das Künstlerduo »Haptic« haptische Effekte.

Mit Blick auf Berufstätige oder Neuinteressierte gibt es 2016 mehr Wochenend- und Kurzkurse. Eine Art »Crashkurs für Einsteiger« ist das fünftägige Grundlagenseminar mit Mick Starke. Nützlich für bereits Kunstschaffende dürfte der Kurs »Künstler in der Selbstvermarktung« sein. Veronika Mergenthal