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Kunstbegegnung in Worte umgewandelt

Wie kann man Kunstbegegnungen in Worte umwandeln? Diese Frage greifen zwei Performance Poetinnen im Rahmen der Aktionsreihe »Wort:Bilder« auf, die das Museum DASMAXIMUM in Traunreut anlässlich der Oberbayerischen Kultur- und Jugendkulturtage in diesen Tagen startete. Ganz unterschiedliche Besuchergruppen mit und ohne Behinderungen werden auf diese Art und Weise an die Kunstwerke herangeführt und können ihre ganz eigene Sichtweise zum Ausdruck bringen.

Pauline Füg und Henrikje Stanze führten mit ihrem Projekt »Wort:Bilder« eine Besuchergruppe der Lebenshilfe an die Kunst heran. Foto: mix)

DASMAXIMUM unterscheidet sich von anderen Museen in dem Sinne, dass es den Betrachtern keine vorgegebene Interpretation der ausgestellten Kunstwerke an die Hand gibt, sondern die Bilder und Skulpturen bei reinem Tageslicht und großzügiger Hängung quasi selber sprechen lässt. Dabei sei es immer wieder faszinierend, wie vielfältig sich die Besucher von den Werken angesprochen fühlen, stellt Museumsleiterin Dr. Birgit Löffler fest. Der Schwerpunkt des Projektes »Wort:Bilder« ist nicht die Wissensvermittlung über Kunst, sondern die individuelle Wahrnehmungserfahrung der unvoreingenommenen Betrachter.

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Diplom-Psychologin Pauline Füg und Diplompädagogin Henrikje Stanze, zwei Performance-Poetinnen, führten die Besucher behutsam an ausgewählte Kunstwerke heran und holten aus ihnen die unterschiedlichsten Betrachtungsweisen heraus, die in Worte gefasst und in Gedichten festgehalten wurden. Die Idee zur Aktion ist abgeleitet von einem im New Yorker Museum of Modern Art entwickelten Konzept der Demenz-Poesie, bei der Menschen mit Demenz mithilfe von Poesie ihre noch vorhandenen Ressourcen nutzen und ein Stück Lebensqualität erfahren können.

»Die Inspiration durch die Kunst soll die Leute Worte finden lassen, mit denen sie ihre Eindrücke schildern können«, betonte Diplom-Berufspädagogin Henrikje Stanze. In enger Zusammenarbeit mit Gary Glazner, der diese Art des Zugangs zur Kunst in den USA etabliert hat, haben Füg und Stanze sie in Deutschland weiter entwickelt und speziell für DASMAXIMUM ein Konzept erstellt. Es wurden gezielt Gruppen eingeladen, die sonst wenig mit der zeitgenössischen Kunst verbindet oder für die der Organisationsaufwand eines Museumsbesuches besonders hoch ist. Anfang dieser Woche testete eine neunte Klasse der Werner-von-Siemens-Mittelschule die Arbeit mit den Poetry-Slammerinnen, und es besuchten die Lebenshilfe Kreisvereinigung Traunstein, das AWO-Seniorenzentrum und die Jugendpsychiatrie des Landkreises das Museum und erlebten eine ganz andere Art der Kunstbetrachtung.

Die beiden Poetinnen trugen zu ausgewählten Kunstwerken passende Gedichte vor und sammelten die Eindrücke der Betrachter, die zum Beispiel bei Imi Knoebels »Fishing Blue« von »Gewitter« über »Buchstabensuppe« und »Mikado« gingen. Bei der Betrachtung des Gemäldes »Zwei vom Foto« von Georg Baselitz, auf dem zwei Personen auf dem Kopf stehend dargestellt sind, wurden die Betrachter beispielsweise an Urlaub und Strand erinnert und zählten Dinge auf, die »einfach nur schön« sind und das Leben angenehm machen. Als besonders intensiv wurde die Verbindung von Wort und Bild bei Uwe Lausen empfunden, dessen eigene Lyrik die Brücke zum Gemälde bildete, und immer wieder gab es spontan Applaus für die ausdrucksvollen Performerinnen.

Pauline Füg und Henrikje Stanze ließen den Besuchern dabei großen Freiraum, verstanden es, aus ihnen die unterschiedlichsten Eindrücke herauszulocken, banden sie immer wieder aktiv mit ein und sorgten durch direkten Augenkontakt mit jedem Einzelnen und auch durch Körperkontakt dafür, dass jeder sich angesprochen und angenommen fühlte. »Es macht wahnsinnig Spaß, so mit den Gruppen zu arbeiten, und es ist immer wieder spannend, was dabei herauskommt«, betonten die beiden, die sehr angetan davon waren, wie eifrig die Besucher mitmachten.

»Es ergaben sich wunderbare Gedanken und oft wurde intuitiv die Stimmung der Werke erfasst«, freute sich Dr. Birgit Löffler über die gelungene Aktion. Ihr ist es wichtig, dass der Zugang zum Traunreuter Museum allen Menschen offen steht und sie völlig unbefangen Kontakt mit der Kunst aufnehmen können: »Unser Ziel ist es darüber hinaus, mit dem Projekt Wort:Bilder den Anstoß zu geben für ein möglichst dauerhaft angelegtes professionelles Angebot für besondere Besuchergruppen.« Ausgewählte Aussagen und Ideen der Betrachter im Rahmen des Projektes werden gesammelt und als Postkartenreihe gedruckt. Während der Kulturtage im Juli werden diese Postkarten vorgestellt und es gibt ein gemeinsames Fest für alle Beteiligten am 17. Juli.

Die Besuchergruppe der Lebenshilfe war so angetan, dass sich spontan einzelne Dichter herauskristallisierten, die ihre Wort:Bilder aufschreiben und dem DASMAXIMUM für die Postkartenaktion zur Verfügung stellen wollen. Auch bei den Teilnehmern aus dem Seniorenzentrum gab es strahlende Augen und Lust auf mehr. Pauline Füg und Henrikje Stanze, die gerne die Zusammenarbeit mit DASMAXIMUM fortsetzen würden, betonten, dass es eine »große Ehre« sei, in einem Museum »mit so tollen Kunstobjekten« arbeiten zu dürfen. mix