Kunst-Gegenwart »outdoor« mit Joseph Beuys in der Region

Bildtext einblenden
Auf dem Gelände des Museums DASMAXIMUM in Traunreut lagern noch Stelen, die zusammen mit Bäumen errichtet bzw. gepflanzt werden sollen.
Bildtext einblenden
Schüler des Traunreuter Johannes-Heidenhain-Gymnasiums bei einer Eichenpflanzung im Rahmen des Beuys-Kunstprojekts. (Foto: Franz Kimmel)

Zum 100. Geburtstag des Ausnahmekünstlers Joseph Beuys im Jahr 2021 gibt es bundesweit zahlreiche Ausstellungen, Tagungen und Aufführungen.

Anzeige

Gerade heute sind die Anliegen des Bildhauers, Malers und Aktionskünstlers, der am 23. Januar 1986 an seinem Lebensmittelpunkt in Düsseldorf mit nur 64 Jahren gestorben ist, aktueller denn je. Heiner Friedrich, Stifter des Museums DASMAXIMUM in Traunreut, entdeckte Beuys' zukunftsweisende Arbeit schon früh. In den 1960er Jahren erwarb er zusammen mit Franz Dahlen den »Block Beuys« – heute der weltweit größte Beuys-Komplex und Herzstück im Hessischen Landesmuseum Darmstadt.

1982 ermöglichte er durch die von ihm in New York mitgegründete Dia Art Foundation die Spende der 7000 Basaltstelen für die Beuys Aktion »7000 Eichen« in Kassel und damit den Start des bis heute größten Kunstprojekts im öffentlichen Raum. Friedrich war es auch, der »7000 Eichen« zwischen 1988 und 1996 in New York City fortsetzte und 2012 die »Eichenpflanzung zu Ehren von Joseph Beuys« in und um Traunreut mit den letzten verfügbaren Stelen aus dem heute geschützten Steinbruch bei Landsburg in Hessen anregte.

Kunst im Museum ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gegenwart – für Friedrich wie für Beuys. Aber schon vor 50 Jahren hatte Beuys entschieden: Die Kreativität jedes Einzelnen muss aktiviert werden, um für Gemeinschaft und Umwelt zum Einsatz kommen. Was lag da näher, als verständliche, alltägliche Materialien und Zeichen zu wählen und auch außerhalb des Museums daran zu arbeiten? Was zum Beispiel wäre vertrauter als ein Baum und ein Stein, die über alle Kulturgrenzen hinweg einen Dorfmittelpunkt oder ein Wegzeichen markieren? Und was könnte verbindender sein, als diese Zeichen gemeinsam zu setzen und damit eine weltweite Pflanzung zugunsten des Klimas anzustoßen?

Handeln zum Wohl der Gesellschaft

Während der junge Baum in die Zukunft wächst, erinnert der Basalt an die Urzeit, in der er vor Millionen Jahren als Lava im Vulkanschlund erstarrt ist. Das Bewusstsein für diese Zeiträume, für den Zusammenhang von Natur und Kunst, das Reagieren auf die Herausforderungen der Zeit und das Weiterführen der Ideen über den Moment und die eigene Person hinaus gehören zu den wegweisendsten Merkmalen bei Beuys. Wer mitpflanzt, hat Anteil an jenem gemeinsamen Handeln zum Wohl der Gesellschaft, das Beuys als »Soziale Plastik« so wichtig war. Beuys erweiterte damit den herkömmlichen Kunstbegriff und brachte die Kunst aus dem Museum zu den Menschen.

Aufbauend auf diesen Ideen wurden seit 2015 erste Eichenpflanzungen zu Ehren von Joseph Beuys in Traunreut realisiert. Seitdem haben die Stadt Traunreut und Einrichtungen wie Jugendsiedlung, Lebenshilfe und Schulen sowie außerhalb unter anderen die Stadt Burghausen und das Hessische Landesmuseum in Darmstadt unter Beteiligung der Bevölkerung in einem feierlichen Akt Eichen gepflanzt und Basaltstelen gesetzt. Die Ausführung erfolgte in engem Austausch mit Eva Beuys, der Witwe des Künstlers, der Stiftung »7000 Eichen« sowie mit Norbert Scholz (Projektkoordinator der Kasseler »7000 Eichen«) und dem Beuys-Meisterschüler und Wegbegleiter Johannes Stüttgen.

Der 100. Geburtstag von Joseph Beuys ist für DASMAXIMUM nun Anlass, die Pflanzung auch landkreis- und bayernweit zu verwirklichen. Zusammen mit dem Freundes- und Förderkreis des Museums wurde die Idee entwickelt, die bisher vorhandenen 23 Basaltsteine auf 64 – und damit auf die Zahl der Lebensjahre des Künstlers – zu erhöhen.

Traunsteins Landrat Siegfried Walch übernahm die Schirmherrschaft: »Kunst und Umwelt aktiv mitgestalten und erhalten – das lag Joseph Beuys sehr am Herzen. Die Eichenpflanzungen entsprechen genau seiner Vorstellung, wie man Kunst näher an den Menschen heranbringen kann und ehren ihn deshalb besonders. In dieser Zeit wird uns einmal mehr vor Augen geführt, welch große Bedeutung das DASMAXIMUM für unsere Region hat. Die Unterstützung ist für mich eine Herzensangelegenheit, denn Kunst und Kultur bereichern unsere Heimat ungemein«, so der Landrat.

Die Pflanzungen beginnen, so bald es die Pandemie zulässt. Bayernweit beteiligt sich auch das »STADTKULTUR Netzwerk Bayerischer Städte« in einigen Mitgliedsstädten, darunter Traunstein. Als offizieller Startschuss ging zum Todestag des Künstlers am 23. Januar auf der Website des Museums »dasmaximum.com« die Dokumentation der bisherigen Eichenpflanzungen online. Jede einzelne Setzung wird hier mit Detailinformationen in ein Pflanzarchiv und eine interaktive Pflanzkarte aufgenommen.

Pflanzpartnern, Familien und Schulklassen stehen bereits jetzt die aufwändig gestalteten Aktivbögen des Museums DASMAXIMUM zum Thema Eichenpflanzungen zur Verfügung, die das Projekt auf anschauliche Weise verständlich machen. Interessierte Institutionen oder Privatpersonen, die noch mit einer Eichenpflanzung oder Baumpatenschaft an der Aktion mitwirken möchten, können sich direkt an das Museum DASMAXIMUM, Dr. Birgit Löffler, Telefon 08669/1203713, oder per E-Mail unter Eichen@dasmaximum.com wenden.

So wird die Idee eines der bedeutendsten, lebendigsten und wegweisendsten Kunstwerke des 20. Jahrhunderts auf nachhaltige Weise lebendig erhalten. fb

Einstellungen