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Kunstmeile erfüllt den hohen Anspruch

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Im Atrium bekommt Kunst Raum zum Wirken – bis zum 5. Juni bringt die Kunstmeile Trostberg noch Kunst und Menschen in der Stadt zusammen. (Foto: Falkinger)

So wie sich der Künstler dem öffentlichen Diskurs stellt, so stellt sich auch die Kunstmeile Trostberg dem Urteil der Öffentlichkeit. Das Organisationsteam besetzt die prominentesten Plätze in der Stadt mit Kunst und konfrontiert somit auch Menschen mit Kunst, in deren Lebenswirklichkeit beispielsweise Werner Pinks 2,20 Meter langer und 1,30 Meter hoher Zentaur aus Metall oder Andreas Sagmeisters zwei Meter hohe Klangplastik aus Stahl eine eher nachgeordnete Rolle spielen.


Mit Nachdruck bringt das Team Kunst ins Leben der Stadt. Mit Nachdruck und mit ganz viel Gefühl, fürs Stadtbild und für die einzelnen Werke. Denn das ist dem Kunstmeilen-Team tatsächlich gelungen: Die Werke sind keine Fremdkörper. Sie fügen sich ein, ohne sich assimilieren zu lassen. Sie bieten Chancen für Dialoge. Die vornehmste Aufgabe der Kunst wird erfüllt – nicht zuletzt, weil das Kunstmeilen-Team erneut nicht nur einen hohen Anspruch an die künstlerische Qualität der Arbeiten gesetzt hat, sondern weil dieser Anspruch auch erfüllt wird.

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Die Kunstmeile Trostberg hechelt nicht hinterher, sie ist auf der Höhe der Zeit. Das Prädikat »Südbayerns größte Schau zeitgenössischer Kunst« klingt vollmundig. Es ist so zutreffend wie angemessen.

Die große Leistung der Kunstmeile Trostberg '17 ist es, Vielfalt in einem komprimierten Rahmen abzubilden. Die spezielle Atmosphäre der einzelnen Ausstellungssektionen bringt den Betrachter in immer neue Ausgangssituationen, die ihn immer wieder zu neuen Ansätzen anregen.

Die Kunstmeile hält den Geist wach: hier die pralle Fülle mit all den Gemälden, Grafiken, Installationen und Skulpturen im Postsaal, wo es bei jedem Schritt Neues zu entdecken gibt. Dort die dezente, pointierte Präsentation im Atrium des Stadtmuseums, wo Kunst Raum zum Atmen bekommt und dem Betrachter Raum zum Atmen lässt. Der Skulpturenpark auf dem Begegnungsplatz zwischen Alz und Kanal, wo sich Kunst und Natur harmonisch zu einem Ganzen vereinen und der Betrachter zur Ruhe kommt. Das Foyer der Mittelschule, wo die Schülerarbeiten inmitten des nüchternen Schulcharmes rühren und die Bilder der Geflüchteten ergreifen. Das Foyer des Stadtkinos, wo Kunst und Geschäft zusammenkommen – sogar das Einwickelpapier der Schokoladentäfelchen ist von einer Künstlerin gestaltet worden.

Den Künstlern wurde erneut kein Thema vorgegeben. Das ist erfrischend, weil daraus zwangsläufig Vielschichtigkeit resultiert. Kunst kann und darf bei der Kunstmeile alles sein: politisch, gesellschaftskritisch, anregend, aufregend, ansprechend, abweisend, dekorativ. Natürlich kann nicht jedem alles gefallen. Das ist nicht der Anspruch. Und wenn etwas tatsächlich missfällt, dann darf sich der Betrachter durchaus auch einmal die Frage stellen, ob der Künstler eventuell genau das erreichen wollte.

Die Ausstellungsräume Atrium, Postsaal und Mittelschule sind bis 5. Juni täglich von 15 bis 18 Uhr geöffnet, an den Wochenenden von 10 bis 18 Uhr. Öffentliche Führungen sind für Freitag, 26. Mai, und Freitag, 2. Juni, jeweils ab 17 Uhr geplant, Treffpunkt ist der Postsaal; Anmeldung unter kultur@trostberg.de, Tel. 08621/801-39. Finissage ist am Pfingstmontag um 18 Uhr im Atrium am Stadtmuseum. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.kunstmeile-trostberg.de. Andreas Falkinger