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Diskussion im Zweckverband Berchtesgaden-Königssee – Drei Gegenstimmen

Kurbeitragserhöhung ist beschlossen

Als »Luftnummer« bezeichnet Verbandsratmitglied Bartl Wimmer die Argumentation für die Kurbeitragserhöhung. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Der Kurbeitrag im Zweckverband der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee wird zum 1. Januar 2018 erhöht.


Das beschlossen die Verbandratsmitglieder mit drei Gegenstimmen. Von aktuell 2,30 Euro pro Erwachsenen steigt dieser auf 2,60 Euro am Tag. Verbandsvorsitzender Franz Rasp rechtfertigt die Erhöhung mit gestiegenen Kosten für das Gratis-Busfahren sowie der »Entwicklung des Verbraucherpreisindex« – zum Unverständnis so manches Verbandsmitglieds.

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Aktuell zahlt ein Erwachsener pro Tag 2,30 Euro, ein Kind 1,10 Euro. Zuletzt war der Kurbeitrag Anfang 2015 um 20 Cent erhöht worden, der Beitrag bei Kindern ist seit mehreren Jahren gleich hoch geblieben. Eine Kurbeitragserhöhung um 10 Cent bedeutet etwa 200 000 Euro Mehreinnahmen für den Zweckverband.

Rasp erklärte im Folgenden die Gründe für die erneute Anhebung zum Januar 2018. So habe sich der Verbraucherpreisindex von Januar 2013 (104,5) bis Dezember 2016 (108,8) deutlich erhöht. Rechnet man dies um, kommt man auf einen Betrag von 9 Cent, der in den Kurbeitrag hineingerechnet wird. Weitere 4 Cent ergeben sich wegen erhöhter Kosten beim Gratisbusfahren sowie der Einführung des Gästekarten-Scans. Und selbst die Watzmann Therme wird zum ausschlaggebenden Grund für die erneute Kostensteigerung. Das in der Therme geschätzte Betriebskostendefizit hat eine 8-Cent-Erhöhung zur Folge. Des Weiteren kommen 9 Cent oben drauf, weil man in »unsicheren Zeiten« mit der Kehlsteinstraße und der Familientherme eine Rückstellung bilden wolle, so Rasp.

Kostspielige Investitionen stehen an

Er erwartet, dass in die Kehlsteinstraße in den nächsten Jahren Millionensummen investiert werden müssen. Und auch die Watzmann Therme dürfte, sofern sie langfristig nicht geschlossen wird, immer wieder Schauplatz für kostspielige Ad-hoc-Investitionen sein. Erst kürzlich musste die Steuerungstechnik für die Chlorüberwachung erneuert werden. Kostenpunkt: 35 000 Euro, so Rasp. Im oberbayerischen Vergleich der Tourismusregionen liegt man mit dann 2,60 Euro pro Kopf etwas über dem derzeitigen bayernweiten Durchschnitt (2,48 Euro). Der Geschäftsleiter der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee, Michael Wendl, informierte darüber, dass in mehreren Regionen bereits Kurbeitragserhöhungen beschlossen seien und sich die Regionen dadurch anpassten.

Für Kinder ab vollendetem siebten Lebensjahr wird der Kurbeitrag ebenfalls angehoben, von 1,10 Euro auf 1,30 Euro. Ein Grund, den Verbandsmitglied Dr. Bartl Wimmer aber so nicht gelten lassen wollte, war folgender: »Die Anpassung des Kurbeitrags für Kinder erfolgt, weil dieser bei der letzten Erhöhung nicht berücksichtigt wurde.« Wenig nachvollziehbar sei diese Begründung, eine »absolute Luftnummer«, so Wimmer.

Wimmer hält »Prozedere für unglücklich«

Generell zeigte sich Wimmer unzufrieden mit der Vorgehensweise des Zweckverbands: »Ich bin mir im Klaren, dass eine Erhöhung zwar unvermeidbar ist, aber ich halte das Prozedere und den Zeitpunkt für unglücklich«, so Wimmer. Weil mit der Watzmann Therme und der Reorganisation der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH (BGLT) zwei wichtige Diskussionen geführt werden müssten, sollte man erst einmal abwarten. Wimmer forderte einen »sauberen Kostenplan.« Notwendig sei eine »Kostenklarheit unter Einbeziehung der BGLT-Reform.« Spätestens im Herbst werde man sich über diese Themen unterhalten müssen. »Zumindest hätten wir dann eine nachvollziehbare und verständliche Grundlage für eine Erhöhung.«

Michael Wendl sagte, dass es im Herbst für eine Anhebung Anfang 2018 zu spät sei. Alle Prospekte seien dann schon gedruckt. Wendl sowie Rasp befürchten eine Umlage der Kosten auf die Gemeinden. Verbandsmitglied Richard Lenz bemängelte die Vorgehensweise des Vorsitzenden: »Ich war von dir immer einen offenen Umgang gewohnt und dieses Mal hast du es nicht gemacht«, so Lenz, der selbst den Campingplatz Mühlleiten führt und von der Beitragserhöhung ebenfalls betroffen ist. »Ihr hättet uns viel eher darüber informieren sollen.«

Er forderte eine transparentere Vorgehensweise, »denn am Ende des Tages müssen die Vermieter die Kurbeitragserhöhung ihren Gästen erklären.« Für Campingplatz-Betreiber sei diese erheblich, da man sowieso nur geringe Stellplatzgebühren habe, der Kurbeitrag aber in vollem Umfang berechnet werde. Er attestierte dem Zweckverband ein teils »konzeptloses Vorgehen«. Lenz Wunsch: Erst einmal auf der Kostenseite einsparen und »genau überlegen, wie man in die Zukunft geht«.

3,6 Millionen Euro fließen jedes Jahr über Gästebeiträge an den Zweckverband. Vorsitzender Rasp relativierte die Kostenerhöhung: »Für eine vierköpfige Familie bedeutet das 1 zusätzlichen Euro am Tag.« Und weil der durchschnittliche Aufenthalt in der Region nurmehr vier Tage dauert, würde ein Urlaub rund 4 Euro teurer. Dass es darum gar nicht gehe, versuchte Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschoßmann klarzustellen: »Der absolute Betrag ist nicht das Problem«, sagte dieser. Wichtiger sei vielmehr eine »bessere Transparenz nach außen hin«.

Es müsse deutlich gemacht werden, dass »alle Anstrengungen unternommen wurden, um eine Kurbeitragserhöhung rechtfertigen zu können.« Das Verständnis bei den Leuten wäre dann ungleich höher. Franz Halmich, Bürgermeister von Marktschellenberg, stimmte Gschoßmann zu. Nicht richtig sei es, über Umlagen den Gemeinden Kosten aufzubürden. Auch, wenn das Gratisbusfahren im Zweckverband gut angenommen werde, könne es nicht angehen, dass einzelne Linien oft überfüllt seien und daher nicht genutzt werden könnten. Halmich forderte vor allem für die Hauptsaison Verstärkerbusse, um die angespannte Situation zu verbessern.

Verbandratsmitglied Bartl Wimmer erwartet für die nächsten Monate eine vollkommen »neue Kostensituation«. Man packe aktuell alle Argumente in einen Topf. In wenigen Monaten schon hätte der jetzige Beschluss der Kurbeitragserhöhungen dann aber keine Grundlage mehr. Zweckverbandsvorsitzender Franz Rasp sagte: »Es war klar, dass Betriebskostendefizite auf uns zukommen werden.« Wenn der Kurbeitrag nicht erhöht werde, würde das eine Umlage auf die Gemeinden zur Folge haben. Mit drei Gegenstimmen (Bartl Wimmer, Birgit Gschoßmann und Richard Lenz) stimmten die Verbandräte für die Erhöhung des Kurbeitrags ab 1. Januar 2018. Kilian Pfeiffer