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Wollen in Sachen Wiederverwertung zusammenarbeiten (v.l.): Christian Hartenberger vom Landratsamt Berchtesgadener Land, Astrid Steinkirchner vom Landratsamt Traunstein, Andrea Folie, Regionalmanagerin EuRegio, Landrat Bernhard Kern, Werner Fritz, Obmann des Regionalverbands Flachgau Nord, sowie Cathrine Maislinger. (Fotos: Kilian Pfeiffer)

Länderübergreifendes Projekt: Gemeinsam Müll vermeiden

Berchtesgadener Land – Die Landkreise Berchtesgadener Land, Traunstein und der österreichische Regionalverband Flachgau wollen ein gemeinsames Re-Use-Zentrum aufbauen. Landrat Bernhard Kern hat mit Vertretern der Partnerlandkreise eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Zukünftig sollen gebrauchte Objekte wie Elektrokleingeräte aufbereitet werden und über eine Onlineplattform beworben werden.


Landrat Bernhard Kern hat eine Kooperationsvereinbarung in Anwesenheit von Werner Fritz, Obmann des österreichischen Regionalverbands Flachgau Nord, und Andrea Folie, Regionalmanagerin EuRegio, unterzeichnet. Es soll der Auftakt zum Projekt »ReUse: real« sein. Ziel dabei ist es, eine übersichtliche Informationsplattform zu schaffen, die bestehende Reparatur- und Re-Use-Maßnahmen in den drei Projektregionen listet.

Vor drei Jahren hatte Altlandrat Georg Grabner das Thema »Re-Use« auf die Agenda gehievt und im Rahmen eines EuRegio-Projektes eingeleitet. Landrat Kern sagt: »Wir wollen das Verständnis bei den Bürgern wecken. Abfall ist das Ergebnis unseres Lebensstils.« Für Kern steht die Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. »Wir wollen auf kommunaler Ebene verstärkt Einsatz zeigen und etwas unternehmen«, so der Landrat. Der beste Abfall sei zwar der, der erst gar nicht entstehe. Ein gewisser Anteil könnte aber wieder »in den Kreislauf zurückgeführt werden«.

»Zehn bis 20 Prozent des Abfalls hat Potenzial, aufbereitet und wiederverwertet zu werden«, sagt Christian Hartenberger, Fachbereichsleiter Kommunale Abfallwirtschaft im Berchtesgadener Land. Sieben Prozent des Abfalls seien »mit geringem Aufwand wiederverwertbar«. Grundsätzlich gelte all das, was Bürger entsorgen, im Kreislaufwirtschaftsgesetz als Abfall.

Im Frühjahr 2021 hatte eine Euregio-Studie ergeben, dass sich die an den Wertstoffhöfen der Kommunen abgegebenen Gegenstände in drei Kategorien einteilen lassen. Der Fokus war auf Elektrogeräte gelegt worden, da diese am einfachsten weiterzuverwerten sind. Aber auch Altmöbel und Textilien könnten künftig wiederaufbereitet und erneut genutzt werden, sagt Hartenberger.

Bei leicht wiederverwendbaren Objekten bedarf es nur wenig Reparatur und eines geringen Aufwands. Weisen die Gegenstände Mängel auf, ist eine intensivere Vorbereitung für eine Weiterverwendung vonnöten. Bei nicht verwendbaren Gegenständen (unvollständig, verdreckt oder defekt) überschreiten die Maßnahmen das »wirtschaftlich zumutbare Maß«, heißt es in einer Handreichung des Landratsamtes. In solch einem Fall würden die Gegenstände aussortiert werden.

Um das Potenzial auszuloten, laufen bereits einzelne Projekte. So gibt es im Landkreis beispielsweise einen Verschenkmarkt an Wertstoffhöfen und online (https://www.lra-bgl.de/lw/umwelt-natur/abfall/kommunale-abfallwirtschaft/bgl-abfall-app/verschenkmarkt/). Weitere Initiativen existieren in Kommunen. Dort werden Gegenstände repariert oder in karitativen Einrichtungen weitervermarktet. Bislang sind diese Maßnahmen nur lokal angesiedelt, sollen durch den Zusammenschluss aber auch auf Landkreisebene etabliert werden. Von der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit Traunstein und dem österreichischen Flachgau versprechen sich die Beteiligten eine professionalisierte Herangehensweise und eine gebündelte Öffentlichkeitsarbeit. Zudem soll ein Netzwerk aufgebaut werden, um auch auf betrieblicher Ebene Bewusstsein für das Thema zu schaffen.

Alle Re-Use-Angebote sollen künftig online präsentiert werden. Die Onlineplattform stelle dabei keine Verkaufsplattform dar, »sondern soll den Bürgern als einheitliche Informationsplattform dienen«, heißt es aus dem Landratsamt.

Alle umgesetzten Maßnahmen sollen dabei beschrieben werden. Beteiligte wie Repaircafés und karitative Einrichtungen können sich dabei präsentieren und vernetzen. Verständnis geschaffen werden soll für das Thema Abfallvermeidung, die Weiter- und Wiederverwendung. Abfallberater wollen in Schulen und weiteren Bildungseinrichtungen wie den Volkshochschulen Aufklärungsarbeit leisten.

Langfristiges Ziel ist die Schaffung eines gemeinsam geführten Re-Use-Zentrums als gemeinsame Einrichtung zur Aufbereitung und Vermarktung von wiedernutzbaren Gegenständen. »Am Ende wird es wahrscheinlich ein Draufzahlgeschäft werden«, sagt Abfallexperte Christian Hartenberger: »Aber wir müssen versuchen, auf der kleinsten Ebene, der lokalen, Umweltschaden zu vermeiden.« Astrid Steinkirchner, Sachgebietsleiterin Liegenschaften, Immobilien und Abfallwirtschaft im Landratsamt Traunstein, unterstreicht die Absicht, künftig Abfall wiederzuverwerten. Cathrine Maislinger, Geschäftsführerin im Regionalverband Flachgau-Nord, betonte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Im Herbst dieses Jahres soll das »Re-Use: real«-Projekt Fahrt aufnehmen, verrät Christian Hartenberger. Die geschätzten Gesamtkosten des EuRegio-Kleinprojektes belaufen sich auf 35 000 Euro.

Kilian Pfeiffer