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Lärmschutz contra Ortsbild?

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Die 3,8 Meter hohen Lärmschutzwände, die sich entlang der Bahnstrecke durch Übersee ziehen würden – hier eine Fotomontage – gefallen den wenigsten Gemeinderäten.

Übersee – Wie soll es in Sachen »Lärmsanierung der Bahn« weitergehen? Nach den kontroversen Meinungen in der Sonderbürgerversammlung, hat sich nun der Überseer Gemeinderat mit einer Entscheidungsfindung beschäftigt. Das Ergebnis: Zunächst sollen die betroffenen Bürger gezielt nach ihrer Interessenslage befragt werden.


Die meisten Gemeinderäte äußerten sich ablehnend gegen die von der Bahn angebotenen Lärmschutzwände, die sich mit einer Höhe von 3,8 Meter zwei Kilometer entlang der Bahnlinie mitten durch den Ort ziehen würden. Das zentrale Ortsbild werde damit für Jahrzehnte auf eine unvorstellbare und katastrophale Weise zerschnitten, so die übereinstimmenden Meinungen.

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Andererseits hatte das Gremium auch Bedenken, gegen die vom Bahnlärm extrem betroffenen, rund 80 Haushalte zu entscheiden. »Immerhin haben bei der Testabstimmung in der Sonderbürgerversammlung ein Drittel der Anwesenden ihren Wunsch nach einer Lärmsanierung bekundet«, erinnerte Herbert Strauch (FBL).

Auch Stefan Haneberg (ADfÜ) bewertete eine mögliche alleinige Entscheidung des Gemeinderats kritisch: »Eigentlich ist der Lärmschutz ein klassisches Thema für alle Bürger.« Wie eine zufriedenstellende Lösung zu erzielen sei, darüber gingen aber die Meinungen auseinander. Sie reichten von einem Bürgerentscheid über eine Anlieger- oder umfassende Bürgerbefragung bis hin zu einer öffentlichen Auslegung aller Informationen im Rathaus mit Abstimmungslisten.

Auch Anton Stefanutti (Die Grünen), einer der schärfsten Gegner der Lärmschutzwände, sah in einer Bürgerbeteiligung einen wichtigen Faktor zum Stimmungsbild für eine Entscheidung. Wolfgang Hofmann (BP) war ebenfalls dieser Meinung, betonte aber gleichzeitig, dass letztlich der Gemeinderat entscheiden müsse.

Schließlich kam das Gremium einstimmig überein, die betroffenen Anlieger persönlich anzuschreiben, um ihre individuelle Interessenslage kennenzulernen. Danach will der Gemeinderat weiter beraten.

Unabhängig von diesem Beschluss plädierte Marco Ehrenleitner (CSU) dafür, noch zwei bis drei Jahre mit einer Entscheidung zu warten, bis die sogenannten »leisen Züge« auf Deutschlands Schienen eingeführt sind und sich dann eine neue Sachlage ergeben könnte. Auch Alois Huber (CSU) hoffte, dass sich dann der Lärmschutz erledigen könnte.

Den Gesundheitsaspekt einer schädlichen Lärmbelästigung brachte Maria Steinert (SPD) mit dem Schlagwort »Gesundheit vor Schönheit« ins Spiel. Ähnliche Bedenken äußerte auch Leo Segin (CSU). In diesem Zusammenhang hielt er eine gezielte Aufklärung der Gemeinde über die sogenannten passiven Maßnahmen wie Lärmschutzfenster und Rollläden an Gebäuden als einen möglichen Kompromiss für extrem wichtig.

Unzufrieden über die einseitigen Informationen der Bahn in der Sonderbürgerversammlung äußerten sich Christian Huber (ADfÜ) und Margarete Winnichner (Die Grünen). Statt des einen Extremvorschlags einer Aluminiumwand von 3,8 Metern Höhe hätten sie sich mehr Alternativmodelle in unterschiedlichen Höhen und optischer Gestaltung gewünscht.

Insgesamt zeigte sich der Gemeinderat vom mangelnden Interesse der Bürger an der öffentlichen Sitzung zu diesem brisanten Thema überrascht. Nur acht der aufgestellten 27 Stühle im Zuhörerbereich waren besetzt. bvd