Landkreisweite Großübung mit 450 Einsatzkräften

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Eine der Übungsszenarien: Nach einem Starkregen in Kössen/Tirol wird auf der Tiroler Ache ein Ölfilm festgestellt, der in Richtung Chiemsee schwimmt. Die Feuerwehren errichteten daraufhin Ölsperren in der Tiroler Achen sowie im Chiemsee – dort zusammen mit Wasserwacht und THW – und hatten die Aufgabe das Öl zu separieren und abzuschöpfen. (Foto: Gasser)

Was passiert, wenn es im Landkreis Traunstein innerhalb kurzer Zeit an verschiedenen Orten zu Unfällen und Unglücken kommt? Wie können Feuerwehr, Hilfs- und Rettungsdienste eine sogenannte »Flächenlage« – eine Vielzahl von gleichzeitigen Einsätzen in der Fläche und im Gebiet des Landkreises Traunstein bewältigen? Dies wurde bei einer Großübung von Feuerwehren, zusammen mit Hilfs- und Rettungsdienst geübt.


Mehr als 450 Einsatzkräfte, der überwiegende Teil davon von den Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis, aber auch Helfer von Technischem Hilfswerk (THW), Bayerischem Rotem Kreuz (BRK), Deutscher-Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG), Wasserwacht, Bergwacht, Polizei und Vertreter der Bundeswehr übten gemeinsam, überprüften Führungsstrukturen und Einsatzführung, die Zusammenarbeit im Führungsstab und die Kommunikation der Einsatzleitung, die als Führungsstab im Landratsamt Traunstein alle Fäden in der Hand hielt. Getestet wurden auch die Kommunikation und Kooperation mit den vier dezentralen Führungsstellen im Landkreis Traunstein.

Geübt wurde an 17 verschiedenen Einsatzstellen im Landkreis, von Engelsberg bis Übersee sowie vom Chiemsee bis zur Salzach. Jede der einzelnen Einsatzübungen hatte einen anderen.

Bei Engelsberg im Eiglwald wurde ein großflächiger Waldbrand als fingierte Einsatzszene angenommen. Dort wurde die Nutzung von Waldbrandsätzen – spezieller Sondereinsatzmittel zur Bekämpfung von Flächen- und Waldbränden – geübt. Auch die Wasserführung über lange Schlauchstrecken und die Einrichtung eines Pendelverkehrs mit Tanklöschfahrzeugen war Aufgabe der Feuerwehren. Am Sportplatz bereiteten die Feuerwehren die Befüllung von Außenlastbehältern für Hubschrauber vor. Ebenso wurde die Zusammenarbeit mit Flugzeugbesatzungen geübt, die zur Erkundung und Beobachtung aus der Luft eingesetzt waren. Auf dem Flugplatz Schönberg bei Kienberg wurden ein Hubschrauberlandeplatz vorbereitet und eine Flugleitung eingerichtet, die das Löschen aus der Luft koordinierte.

In der Tiroler Achen bei Übersee, kurz vor dem Zufluss zum Chiemsee, ebenso in Chieming am Lohbach, wurde von den Feuerwehren, in Zusammenarbeit mit DLRG und THW, der Einbau von Ölsperren trainiert, ebenso die Separierung der Gewässerverunreinigung mit Spezialgerät. Auch bei dieser Übung ging es vorrangig um die Zusammenarbeit von verschiedenen Feuerwehr-Einheiten, die über eine Ölwehr-Ausrüstung verfügen.

Der Einsatz der beiden Feuerwehr-Messzüge – Sondereinheiten, die bei Chemieunfällen sowie Austritt und Freisetzen von Gefahrstoffen gefordert sind – wurde in Traunstein und Fridolfing geübt. Die Ausgangslage in Fridolfing: Bei Verladearbeiten in einem Industriebetrieb tritt eine undefinierbare Gaswolke aus. Diese zieht über bewohntes Gebiet. Die Mannschaft des Messzuges Süd wurde daraufhin beauftragt festzustellen, um welchen Gefahrstoff es sich handelt und zu bewerten welche Gefahren für die Bevölkerung bestehen. Auch mussten eventuelle Evakuierungsgebiete festgelegt werden. Ein ähnliches Szenario wurde in Traunstein am Bahnhof in Szene gesetzt. Als Übungsvorgabe wurde angenommen, dass ein Güterwaggon in Brand geraten ist und eine Rauchwolke über Traunstorf zieht.

Intensiv geübt wurde der Einsatz von Hochleistungspumpen. Der Landkreis Traunstein hatte die sehr leistungsfähigen Pumpen vor wenigen Monaten für den Katastrophen- und Bevölkerungsschutz beschafft. Um weitere Erfahrung für deren Einsatz bei Hochwasser zu gewinnen, war deren Einsatz bedeutender Teil der Übung. Die vier Spezialpumpen wurden am Obinger See, am Campingplatz Rödlgries bei Übersee, am Surspeicher bei Ringham sowie in Unverzug bei Petting in Stellung gebracht. Eine der vier Spezialpumpen wurde bis zur Leistungsgrenze hochgefahren, um deren maximale Belastung festzustellen.

»Ohne Verpflegung keine Bewegung« – ein altbekannter Spruch, dem die Gesamteinsatzleitung unter Kreisbrandrat Christof Grundner Rechnung trug. Als Extra-Aufgabe wurde die Verpflegung der 450 eingesetzten Ehrenamtlichen in das Übungsszenario integriert. Essen für die Übungsteilnehmer wurde in einer Feldküche der Bundeswehr gekocht und mit Versorgungsfahrzeugen der Feuerwehr zu den verschiedenen Übungsorten gebracht. Am Ende der Großübung, die mehr als zehn Stunden dauerte, zog Kreisbrandrat Christof Grundner ein positives Fazit. »Alle Übungen wurden erfolgreich abgeschlossen.« Man habe wertvolle Erkenntnisse gewonnen, die in Einsatzpläne einfließen werden, kündigte Grundner an.

pv