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Erste Gemeinde im Landkreis: Berchtesgaden beteiligt sich an Lärmaktionsplanung – Projekt im Marktgemeinderat vorgestellt

Lautere Absichten

Berchtesgaden – Die Marktgemeinde Berchtesgaden beteiligt sich als erste Kommune im Landkreis an der sogenannten Lärmaktionsplanung. Damit soll die EG-Umgebungslärmrichtlinie umgesetzt werden. Vor vollen Zuschauerrängen stellten Diplom-Ingenieurin Antje Janßen vom beauftragten Büro LK Argus, Marktbürgermeister Franz Rasp und Baudirektor Martin Bambach vom Staatlichen Bauamt Traunstein das Projekt in der jüngsten Gemeinderatssitzung vor.

Die meiste Lärmbelastung in Berchtesgaden weist die Königsseer Straße auf. (Foto: Wechslinger)

Lärm nervt und macht krank. Betroffen von Verkehrskrach sind in der Marktgemeinde in erster Linie Anwohner der B 305 und der B 20, also der Königsseer Straße. Die Aktionsplanung soll mittel- und langfristig für Lösungen sorgen. Grundlage aller Überlegungen dabei ist, wie Antje Janßen erläuterte, eine Lärmkarte.

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Lärmbelastung an Hauptverkehrsstraßen

Darauf sind die Lärmbelastungen der Hauptverkehrsstraßen von Kommunen eingezeichnet. Als Berechnungsbasis dafür dienen Verkehrszählungen. Genereller Handlungsbedarf besteht bei mehr als 67 Dezibel am Tag und 57 in der Nacht. Aber wie kann der Lärmpegel minimiert werden?

Laut Janßen gibt es im Wesentlichen vier Möglichkeiten: lärmmindernder Straßenbelag, sogenannter Flüsterasphalt, Geschwindigkeitsbeschränkungen, straßenbauliche Maßnahmen wie Verkehrsinseln und passiver Schallschutz, zum Beispiel mit Schutzwänden. So schaffe Flüsterasphalt durch die Reduktion des Rollgeräusches eine Absenkung von zwei bis drei Dezibel.

Ein Tempolimit von 30 statt 50 km/h bewirke etwa zweieinhalb Dezibel. Das probateste Mittel schlechthin: weniger Verkehr. Eine Reduzierung um 50 Prozent sorgt laut Expertin für minus drei Dezibel.

Probleme von Schallschutzwänden

Baudirektor Martin Bambach präzisierte die Varianten aus fachlicher Sicht. Unter anderem erläuterte er die Probleme von Schallschutzwänden. Beispielsweise, dass sie den Schall auf die andere Straßenseite reflektierten und bei Lücken ein sogenannter Knalleffekt entstehe, der noch lästiger als konstanter Lärm sei.

Michael Koller (FW) begrüßte die Lärmaktionsplanung. Er forderte deshalb für die Problemzone auf der B 305 am Ortsausgang beim Hotel »Seimler« eine Reduzierung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von derzeit 70 auf 50 km/h. Er wies aber darauf hin, dass hierbei der Sicherheitsaspekt mindestens genauso wichtig wie die Minimierung von Lärm sei. »Da gibt es schließlich mehrere Beherbergungsbetriebe und viele Kinder«, so Koller. Bürgermeister Rasp wies aber darauf hin, dass man diese beiden Aspekte offiziell bei der Lärmaktionsplanung nicht vermischen dürfe. Auch Dr. Bartl Wimmer (Grüne) und Bartl Mittner (SPD) begrüßten die Aktion.

Unterschriftenlisten in Vorbereitung

Vom Lärm Betroffene haben nun einen Monat lang Gelegenheit, ihre Probleme und Vorschläge schriftlich bei der Marktgemeinde einzureichen. Genaue Informationen zum Prozedere sollen laut Rasp ab Montag auf der Homepage der Marktgemeinde unter www.gemeinde.berchtesgaden.de zu finden sein. Um das Ganze zu vereinfachen, empfahl der Bürgermeister, sich zusammenzutun und Unterschriftenlisten zu erstellen.

Wie Hans Kortenacker (BBG) dem »Berchtesgadener Anzeiger« mitteilte, wollen er und Michael Koller (FW) solche Listen erstellen und öffentlich auslegen. Nähere Informationen dazu folgen in einer der nächsten »Anzeiger«-Ausgaben. Christian Fischer