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Leasing statt Heiraten

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Der Luis aus Südtirol lieferte zündendes alpenländisches Kabarett mit Schlagobers. (Foto: Benekam)

»Er is ja ned da Gscheidaste, der Luis« – Wenn das schon die eigene Mutter sagt! Das wundert einen nicht, denn von seiner pränatalen Existenz will die Mutter, als sie während der Stallarbeit spontan ins Heu entbindet, nichts gewusst haben. So plumpst der kleine Luis im elterlichen Stall im schönen Ultental in Südtirol zwischen Ochs und Esel auf die Welt.


Oft sind es ja gerade die unangekündigten Gäste, die eine Gesellschaft oder ein Fest auf so besondere Weise aufmischen. »Oschpele«, da bin ich! So ähnlich rumpelte Luis alias Manfred Zöschg dann auch, immer schön im Zwiegespräch mit der all überwachenden Frau Mama, auf die Bühne im Traunreuter k1. Die Gäste im gut besuchten Saal schienen nach der Sommerpause mehr als bereit zu sein für eine gut gewürzte Portion Kabarett, sodass Luis mit seinem neuen Programm »Oschpele« genau dort landen konnte, wo er hinzielte – im Land des Lachens.

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Die Übersetzung von »Oschpele« ins Bairische schickte der sympathische Bühnenmensch eingangs voraus: Der Bayer rufe entsprechend seinem aktuellen Gefühlsbarometer »Öha« aus und untermauere so Emotionen wie Wut, Freude, Erschrecken oder Trauer. Wenn auch der erste Teil des Abends in seinen Gags und Geschichten den gewünschten Tiefgang vermissen ließ, so glich der zweite Programmteil dieses Manko voll aus: Wandlungsfähigkeit, pointensicherer Aufbau urkomischer alpenländischer Geschichten, bravouröse Stimmimitationen sowie gekonnt choreografierte Tanzeinlagen lösten die gewollten explosionsartigen Lachsalven im Publikum aus.

»Oschpele!«, rutschte dem südtiroler Original heraus, als sein Arzt nach einer Untersuchung behauptete, seine Leber sehe gar nicht gut aus. »Macht nichts, sieht eh keiner, sie liegt doch im Bauch gut versteckt«, gab Luis mit naiv-provokativem Lächeln zurück. Apropos Ernährung: Luis hat, wohl um von seinem Fleisch- und Wurst-betonten Ernährungsstil abzulenken, überhaupt kein Verständnis für Vegetarier oder gar Veganer. Letztere gingen mit ihren »tofu-blassen« Gesichtern seiner Ansicht nach in direkte Nahrungskonkurrenz zur Berggoas.

Zum Thema Schnelllebigkeit in unserer Gesellschaft gibt er einen extra scharfen kabarettistischen Senf ab: Heiraten sei heute, gerade in Hinblick auf die hohen Scheidungsraten, völlig überholt. Statt Heirat empfiehlt Luis Leasing. Bei Vertragsablauf könnte man die Vertragspartner getrost mit Restwert auf den Markt zurückstellen. Zu allen neuzeitlichen Mysterien spinnt sich Luis seine eigenen Erklärungen zurecht und die scheinen den immer lauter prustenden k1-Gästen zwar abenteuerlich, aber dafür höchst amüsant. Socken fressende Waschmaschinen (und die fressen immer nur einzelne Socken – nie Paare) würden nach Garantieablauf in ihr Herkunftsland (China) zurückgeschickt, wo man die Singlesocken herausnimmt, wieder zu Paaren macht, die Maschine repariert, um sie samt gut gewaschener Socken wieder zurück nach Deutschland zu verkaufen.

Nachdem sich bei Luis in Sachen »Bauer sucht Frau«, und das trotz intensiver Mithilfe der Frau Mama, bisher noch nicht der gewünschte Erfolg einstellen wollte, hat der ausgefuchste Südtiroler auch in dieser Angelegenheit eine Behelfslösung gefunden: Siri. Das Weib aus dem Computer übernimmt so manch praktischen Dienst, ist Gedächtnisstütze, Gesprächspartnerin, managt in vielen Belangen seinen Alltag. Wenn diese Dame aus seinem Smartphone nur nicht so übergriffig würde und ein höchst unangenehmes Eigenleben entwickeln würde! Aber wenigstens lässt sie sich jederzeit einfach abschalten.

»Oschpele«, der erste Kabarett-Abend im k1, war kurzweilig und appetitanregend. Die Vorfreude auf ein abwechslungsreiches neues Programm im Traunreuter Kulturtempel war, gemessen am euphorischen Applaus, erfolgreich geweckt. Kirsten Benekam