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»Leben mit dem Isarpreiß«

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Harry G bei seinem Auftritt im Grassauer Hefterstadel. (Foto: T. Eder)

Ein echter Münchner hat es nicht einfach, sich seine Sprache, seine Heimat, sein Gewand zu bewahren, vor allem dann nicht, wenn der »Isarpreiß« an allen Orten präsent ist. Der Kabarettist Harry G alias Markus Stoll meckert in feinster Fonsi- und Polt-Manier über die zuagroasten Münchner SUV-Mamas, geölten Manager-Papas und verschont auch nicht die Billiglederhosenträger. Im Grassauer Hefterstadel grantelte der 35-jährige Wahl-Münchner und warnte letztlich, dass der »Isarpreiß« dabei sei, Grassau als neue Heimat zu entdecken.


Das Zwerchfell der Besucher wurde beim Auftritt des Kabarettisten Harry G ordentlich strapaziert. Auch das Publikum wurde in sein 90-minütiges Programm über das »Leben mit dem Isarpreiß« einbezogen. Wer da zu laut oder etwas lustig lachte, wurde gleich mit alten Automotoren verglichen. Überspitzt meckerte er über den Münchner Schickaria-Zuzug aus dem hohen Norden und stellte diesen einige bayrische Originale gegenüber. Mit rauchiger, tiefer Stimme erweckte er den Fluchtwagenfahrer Alfons, der mit hohem Alkoholspiegel das Fluchtauto in ein Schaufenster setzte, zum Leben. Auf seine Verhaftung reagierte dieser Alfons nur mit »jetzt zwigan´s ma den Führerschein«. Bayern sei sicher und sauber, aber nicht für Freundlichkeit bekannt. So kann es passieren, dass auf ein höfliches preußisches »Grüß di« ein feindliches »Schleich di« folgt.

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Nach seinen Bemerkungen zu Billiglederhosen aus China und zu kurzen Dirndlkleidern meinte Harry G, in Miesbach passe der türkische Kulturverein auf den Maibaum auf und verköstige sich mit Schweinebraten. Diese Mitglieder seien wesentlich besser integriert als der »Isarpreiß«. Zustimmung fand der Kabarettist, als er über die Wohnungssuche in München lamentierte. Auf eine inserierte Wohnung kommen da 276 Bewerber. Der »Isarpreiß« bekomme aber keine Wohnung, weil er in München keinen natürlichen Lebensraum habe. Ein »Spezl« von Harry G, der Günter, sehe die Misere von der Vermieterseite und fordert für ein 18 Quadratmeter Kellerverlies 700 Euro kalt.

Besonders hart ging Harry G mit den »Yoga-Mamas« ins Gericht. Diese »SUV« lenkenden Esoterik-Mütter fahren mit ihren Benzinfressern zum Biomarkt und suchen in 800 Yogastudios oder im veganen Teehaus nach innerer Balance, während ihre Kinder völlig aus der Balance geraten. Übrigens gebe es in München bald ebenso viele Yogazentren wie Kindertagesstätten. Nur mehr eines von 200 Kindern spreche bayrisch, monierte Harry G. Schließlich gebe es auch »kleine Isarpreißen«. Er outete sich außerdem als Hundehasser, denn die mittlerweile knapp 33 000 Hunde in München würden so ein Nest wie Grassau in wenigen Stunden vollständig »zuschei…« Solche »Preißen-Viecher würden »Celina« und »Finn« heißen, wohingegen ein bayrischer Hund auf den Namen »Harras« höre. Aber nicht nur der schlecht integrierbare »Isarpreiß« kam bei Harry G nicht gut weg, auch die bayrischen Widersacher wurden nicht als Gutmenschen dargestellt. Vielmehr sind seine Protagonisten alkoholabhängig, »derb«, »geschert« und »ausgschamt«, wie Günter, der Immobilienhai, oder Alfons, der trinkende Fluchtwagenfahrer.

Das Grassauer Publikum quittierte die Nachhilfe in Sachen Lebensart mit lautem Applaus. Obwohl doch die Angst, der »Isarpreiß« könnte zum »Achenpreiß« mutieren, etwas mitschwang. Tamara Eder