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Lebendige barocke Klassik für jung und alt

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Unser Bild zeigt Roswitha und Michaela Eichinger beim Konzert in der Teisendorfer Schulaula. (Foto: Hogger)

Michael und Roswitha Eichinger präsentierten beim letzten Gesprächskonzert des Teisendorfer Kulturvereins in diesem Jahr die »barocke Geige«.


Eine wichtige Funktion von Gesprächskonzerten ist die, dass einem kulturinteressierten Publikum »vor Ort« unkomplizierte Teilhabe an »Klassik live« geboten wird. Es ist spannend, wenn in den Erläuterungen zur vorgetragenen Musik die längst vergangene Epoche näher gebracht wird. Umfassend erläuterte Roswitha Eichinger die musikalischen Zeitläufe um 1600, als der damalige, neue Geigenbau für die vielen neugebauten Konzertsäle des emporgekommenen Bürgertums mit den klanglichen Herausforderungen der neuen Kompositionen fertig zu werden hatte. Ziel des Geigenbaus mit und nach Stradivari war, den Anforderungen der neuen Zeit gerechter zu werden, weshalb ältere Geigen oft umgebaut wurden. Mit dem aufkommenden, kapitalstarken Bürgertum in Europa, besonders in London, Venedig, der Lombardei und Holland, kamen kulturelle Bedürfnisse dieser neuen Schicht auf.

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Kommerziell betriebene Konzert- und Opernaufführungen brachten es mit sich, dass diese in großen Sälen und Bühnenhäusern für eine große Anzahl von zahlenden Liebhabern stattfanden. Dieser Entwicklung trug die neue Instrumentengruppe der Violinen Rechnung. Mit dem verlängerten Korpus verlängerten sich auch die Saiten, damit vergrößerte sich der Tonumfang, insbesondere auch in höchste Höhen. Damit ergab sich eine durchdringende Tonqualität durch zusätzliche Vibration der linken Hand. Mit der Einbettung des folgenden, virtuosen Konzert-Programms in erläuternde Vorträge zu Komponisten, Instrumenten und gesellschaftlicher Entwicklung kam zum Ausdruck, dass hier das bürgerliche Konzertwesen als Geschäftszweig für Verleger, Konzertveranstalter, Komponisten und Musiker seinen Anfang nahm und bis heute im westlichen Kulturleben eine dominierende Rolle spielt.

Mit virtuosem, volltönendem Geigenklang, mit Spannweiten von dramatischem Fortissimo bis zu innig-zärtlichem Pianissimo führte Michael Eichinger auf seiner Geige der Mittenwalder (barocken!) Geigenschule des Jacob Stainer das Publikum vom Venezianer Antonio Vivaldi zum Florentiner Francesco Maria Veracini, über den Hallenser, vier Jahre in Italien ausgebildeten, in England lebenden Opernimpresario Georg Friedrich Händel zum Bologneser Tommaso Antonio Vitali, der lebenslang am Herzogshof von Modena tätig war. Das Publikum – eine gute Mischung aus »alt und jung« – ließ sich verzaubern von der Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten. Michael Eichingers Begleiterin am Klavier hatte dabei »alle Hände voll« zu tun, denn der ursprüngliche einfache Generalbaß hatte sich in dieser hochbarocken Phase zu einem veritablen Orchester-Ersatz hin entwickelt und entsprach in Anschlags- und Phrasierungskultur allen Varianten dieses reichhaltigen Programms. Damit zeigte dieses Konzert gerade auch in der gesamtmusikalischen Ausführung überzeugend auf, wie sehr in der Zeit um 1650 bis 1750 bereits in den damals neuartigen Kompositionen die Übermittlung verschiedenster individueller Gefühlsregungen an Bedeutung gewonnen hatte und wie sehr sich hier bereits die Frühklassik ankündigte.

Das Publikum spendete viel Applaus und Kulturvereinsvorsitzender Bernhard Glück bedachte die beiden Künstler mit einem kleinen Geschenk. Johannes Hogger