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Lebens- und Tastenstürme

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Diana Ketler und Konstantin Lifschitz verbreiteten Klangzauber zu vier Händen im Festsaal des Klosters Seeon. (Foto: Benekam)

Unter dem Titel Lebensstürme feierte der »Chiemgauer Musikfrühling« im Festsaal des Kloster Seeon bei einer Matinee seinen letzten glanzvollen Höhepunkt, bevor die beliebte Veranstaltungsreihe klassischer Musik im Vereinshaus Traunstein mit einem Abschlusskonzert endete.


Mit vier Werken von Ludwig van Beethoven und zwei Werken von Franz Schubert durften sich die Konzertbesucher im voll besetzten Festsaal auf anspruchsvolle Klaviermusik freuen. Das Motto »Lebensstürme« hätte ebenso gut durch die Wortschöpfung »Tastenstürme« ersetzt werden können. Jedenfalls war das hoch virtuose Spiel der Pianisten Diana Ketler und Konstantin Lifschitz mit genau dieser Beschreibung auf den Punkt gebracht.

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Stürme sind ja bekanntlich in ihrer Intensität und Wirkung sehr variabel. Manchmal mit heftiger Wucht im Frontalangriff, dann in leiser Böe aushauchend oder in turbulenter Verwirbelung aufbrausend, um im nächsten Augenblick ihr soghaftes Tempo abrupt zu drosseln. Mal laut, mal leise. Mal intensiv, mal sacht. Unvorhersehbar und spannungsvoll, so wie Beethovens Kompositionen, die mit ungebrochener Anziehungskraft für den Zuhörer ein facettenreiches Hörerlebnis sind.

So genossen die Konzertbesucher gleich vier Werke in grandioser Interpretation des fantastischen ukrainischen Pianisten Konstantin Lifschitz: Die Sechs Variationen für Klavier in D-Dur, op. 76, die Fantasie für Klavier in g-Moll, op. 77, die Klaviersonate in Fis-Dur, op. 78 sowie die dreisätzige Klaviersonate in G-Dur, op. 79. Beeindruckend an Lifschitz' Klavierspiel war – neben seiner Virtuosität und seiner kraftvollen Frische an den Tasten – der sich dem Hörer vermittelnde Eindruck, dass Beethovens Kompositionen nicht etwa technisch »bewältigt« werden müssten, sondern aus ihm herausströmten.

Im zweiten Konzertteil wehte dann Schuberts Geist durch den Festsaal. Aus seiner seelenvollen Arpeggione-Sonate für Cello und Klavier in a-Moll, D. 821, die Justus Grimm am Violoncello zusammen mit Diana Ketler am Klavier zu Gehör brachte, spricht eine ernst-melancholische Grundstimmung: Die Auseinandersetzung mit elementaren Lebensinhalten wie Liebe, sinnliches Verlangen, aber auch Abschied und Tod. Die beiden Musiker destillierten in ihrem Spiel aus Schuberts Werk genau diese bewegenden Themen – großartig!

Das letzte Werk, dem das Konzert sein Motto verdankte, »Lebensstürme« in a -Moll für Klavier zu vier Händen, D. 947, setze einen klangvollen Schlussakkord. Zwei Klaviervirtuosen, Diana Ketler und Konstantin Lifschitz, die sich gegenseitig im gemeinsamen Spiel ergänzten und beflügelten und mit ihren vier Händen Klangzauber verbreiteten. So soll es sein. Großer Beifall und Bravorufe des Pubikums. Kirsten Benekam