weather-image
25°

Leckerbissen klassischer Klaviermusik

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Ardita Statovci tauchte im Traunreuter k1-Studio hingebungsvoll in anspruchsvolle Werke großer Klavierkomponisten ein. (Foto: Benekam)

Die mit vielen Preisen und Stipendien ausgezeichnete kosovarische Pianistin Ardita Statovci vereinte in ihrem exquisiten Klavierkonzert im Traunreuter k1-Studio Werke aus drei unterschiedlichen Epochen der klassischen Musik. In der sehr abwechslungsreichen Auswahl der gespielten Werke von Mozart, Ravel, Tschaikowsky, Albeniz und Dutilleux wurde deutlich, dass die klassische Musik als ernste und anspruchsvolle Musik nicht ausschließlich der Unterhaltung dient.


Mit dem »Menuet« aus dem im Jahr 1914 komponierten Klavierwerk »Le Tombeau de Couperin« von Maurice Ravel eröffnete Ardita Statovci das Konzert mit einer »Trauermusik«. Ravel hatte dieses Trauerstück nicht nur in Erinnerung an den größten französischen Barockkomponisten Francois Couperin geschrieben, sondern auch für seine im selben Jahr verstorbene Mutter sowie in Gedenken an seine im Ersten Weltkrieg gefallenen Freunde. Trauer, Melancholie aber doch auch lichte und zarte Töne der Erinnerung an die geliebten, verlorenen Menschen durchziehen das Werk des französischen Impressionisten.

Anzeige

Stimmungsaufheller aus der Epoche der Wiener Klassik

Mozarts Sonate in C-Dur KV 330 im Anschluss war ein willkommener Stimmungsaufheller aus der Epoche der Wiener Klassik. Die dreisätzige C-Dur-Sonate aus Mozarts Wiener Zeit, komponiert im Jahre 1783, ist die erste einer Sonaten-Trias und besticht mit galanten, kantabel-geschmeidigen Läufen. Im Vergleich zu Ravels düster-traurigem »Menuet« vertrieb Mozart im Anschluss die dunklen Wolken am Stimmungshorizont und machte Platz für Licht und Lebensfreude.

Mit »November« und »Dezember« aus dem zwölfteiligen Zyklus »Die Jahreszeiten«, 1876 von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky komponiert, kam dann wieder ein Werk aus der Romantik zu Gehör. Tschaikowsky, der weniger als Klavierkomponist, sondern vielmehr als Autor von Opern, Ballettmusiken und Orchestermusik in Erscheinung getreten war, vertonte in diesem Werk den jahreszeitlichen Charakter der zwölf Monate. »November« erhielt den Zusatztitel »Troikafahrt« (»Schlittenfahrt«) und ruft in seiner Vertonung eine solche vor das innere Auge des Zuhörers: stürmische Winde, die Blätter oder erste Schneeflocken aufwirbeln, aber auch immer wieder aufkeimende Schwermut der dunklen Tage, dann wieder ein aufhellendes »Glöckchengeläut«. Statovcis grandioses Klavierspiel ließ diese Bilder, auch durch ihre außerordentliche Emotionalität, mit der sie die Werke interpretierte und ohne Noten wie aus sich herausfließen ließ, im Zuhörer lebendig werden.

Auch das Werk des Katalanen Isaac Albeniz wurde aus tiefer Sehnsucht und Liebe zu einem Naturereignis heraus komponiert: »El Albaicin« aus »Iberia« entstand fern der geliebten Heimat in Nizza in den Jahren 1905 bis 1908 und beschreibt mit südspanischem Temperament die Sehnsucht nach den heimatlichen Landschaften Spaniens. Hier waren Einflüsse der andalusischen Volksmusik hörbar, denn das Klavier imitierte spanische Gitarrenmusik und erzeugte sonnige spanische Impressionen.

Mit einem Werk von Henri Dutilleux, einem der bedeutendsten französischen Komponisten des 20. Jahrhunderts, war dann die dritte Musik-Epoche im Konzert vertreten – die Neue Musik. Die hochvirtuose dreisätzige »Sonate pour Piano«, 1948 uraufgeführt und seiner Frau gewidmet, ist geprägt vom französischen Impressionismus und gilt als das anspruchsvollste und bedeutendste Klavierkonzert dieser Zeit.

Ardita Statovci meistert die »Tour de Force«

Einflüsse aus der belastenden und beängstigenden Zeit des Zweiten Weltkriegs schwangen immer wieder aus dieser – auch für den Hörer – sehr anspruchsvollen Komposition heraus. Im ersten Satz, »Allegro con moto«, waren Einflüsse des Jazz zu erahnen: variationsreich, dissonant, unruhig-getrieben. Der zweite Satz, »Lied«, stellt mit den schwierigsten Anschlagsarten eine wahre »Tour de Force« an den Pianisten, die aber Statovci mit Bravour meisterte.

Der Schlusssatz hat seine ganz eigene Ausformung als ein »verrückter« Choral mit vier Variationen und nutzt den gesamten Klangumfang des Klaviers aus – ein spannendes, wenn auch nicht leicht zu verdauendes Klangerlebnis, das die Aussage, dass klassische Musik eben nicht nur der Unterhaltung dient, untermauerte. Das Ende des Werkes klang fast triumphal und ließ auf ein gutes Ende hoffen. Die Konzertbesucher belohnten die fantastische Leistung der jungen Pianistin mit euphorischem Applaus und erklatschten sich so noch zwei kurze Zugaben. Kirsten Benekam