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Lehár-Operette »Der Zarewitsch« zum Start der Strauss-Tage gewinnt Publikumsgunst

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Das Buffopaar Christine Holzwarth und Harald Wurmsdobler war beim Eröffnungsabend der Strauss-Tage in »Der Zarewitsch« für die Komiknummern zuständig. (Foto: Aumiller)

Ein trauriger junger Mann klagt über Einsamkeit und Verlassenheit. Sein Herz ist schwer und trüb sein Sinn und er fragt: »Hast Du dort oben vergessen auf mich? Es sehnt doch mein Herz auch nach Liebe sich.« Es ist der koreanische Tenor Wongjong Lee auf der Bühne des Bad Reichenhaller Theaters, der den Zarewitsch in Franz Lehárs gleichnamiger Operette mimt und dem russischen Zarensprössling stimmlichen Glanz verleiht. Er singt mit emotionaler Hingabe das melancholische »Wolgalied«, das Lehár für Richard Tauber geschrieben hat, der es bei der Uraufführung 1927 in Berlin zum Hit machte. Bis heute ist es einer der berühmtesten Operettenschlager und ebenso forderndes wie dankbares Tenorfutter.


Zum Sehnsuchtslied spielt die Bad Reichenhaller Philharmonie unter Christian Simonis das bittersüße Melos im russischen Kolorit mit Balaleikaklängen untermischt. »Du hast im Himmel viel Engel bei Dir! Schick doch einen davon auch zu mir«, bittet der vereinsamte Zarensohn. Und der Engel kommt in Gestalt des Ballettmädchens Sonja zu ihm.

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Zunächst als tscherkessischer Soldat verkleidet, wird Sonja vom Oheim und Großfürsten »eingeschleust«, um den eigenbrötlerischen Zarewitsch auf die Ehe mit einer standesgemäßen Braut vorzubereiten. Aber der Zarewitsch und Sonja entbrennen in Liebe zueinander, fliehen nach Italien, um ihre Gefühle leben zu können – ein Happy End kann es jedoch nicht geben. Die Nachricht vom Tode seines Vaters bestimmt den Zarewitsch zur Nachfolge auf den Thron. Das bedeutet, dass die unstandesgemäße Liebe der Staatsräson geopfert werden muss.

Der Wiener Sänger und Regisseur Wolfgang Dosch hat die konzertante Aufführung sehr geschickt halbszenisch eingerichtet und den Möglichkeiten gemäß zurechtgestutzt. Seine Darsteller führt er in einer ausgewogenen Mischung aus Ernsthaftigkeit und Komödiantik, aus Konzertgesang und spielerischer Beweglichkeit. Dosch selbst ist als der streng gebieterische Großfürst der Drahtzieher des Geschehens, der die beiden Paare an seinen imaginären Marionettenfäden tanzen lässt.

Wongjong Lee ist ein stattlicher Zarewitsch, der sich vom tränenreich Vereinsamten und etwas rüpelhaften Menschenfeind glaubhaft zum Liebenden verwandelt, bevor er sich resigniert in sein unabwendbares Schicksal fügt. Stimmlich kann er mit glänzenden Spitzentönen aufwarten und singt insgesamt mit Kultur und angenehmem Timbre.

Christina Fercher ist eine gewandte Darstellerin als liebende und am Ende verzweifelte Sonja. Ihr Sopran hat vor allem in der Höhe Leucht- und Durchschlagskraft. Ihr Lied »Einer wird kommen« singt sie mit Inbrunst und lässt in liebenswertem Überschwang ihre Gefühle tanzen, wenn sie im Scheinglück jubelt »Bin ein glückseliges Menschenkind«. Fercher und Lee vereinen ihre Stimmen in der sehnsüchtigen Frage »Warum hat jeder Frühling, ach, nur einen Mai« und schwelgen unter italienischem Himmel im befreienden Freudentaumel »Die ganze Welt sollst Du mir sein«.

Christine Holzwarth und Harald Wurmsdobler sind das nette Buffopaar Mascha und Iwan. Sie sind der komödiantische Teil der Handlung und zeigen sich als pfiffige Singschauspieler. Hochstimmung signalisieren beide Paare beim flotten Walzertanz. Das Orchester zeigt sich von seiner besten Seite.

Simonis bringt die verschiedenen Farben der Partitur mit ihrem Wechselspiel aus russisch-italienisch-deutschem Kolorit zum oszillierenden Schillern. Das ätherische Harfensolo und die gefühlig singenden Streicher unterbauen die Gefühle der Liebenden. Die slawisch melancholische Tönung bringt die russische Seele zum Klingen. Wiener Walzermelos und Tanzrhythmen der damaligen Moderne wie etwa flotter Fox sind für die gehobene Stimmung zuständig.

Franz Lehár wird auch gern der österreichische Puccini genannt und die opernhafte Partitur des Zarewitsch ist dafür überzeugendes Beispiel. Die Strauss-Tage gehören zu den Höhepunkten im Jahresangebot der Bad Reichenhaller Philharmonie und dieser Eröffnungsabend gewinnt die Publikumsgunst. Elisabeth Aumiller