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Leise durch die Krise: Skripniks stille erste Einheit

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Neues Trainerteam
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Viktor Skripnik (r) und Co-Trainer Torsten Frings leiteten erstmals das Training in Bremen. Foto: Carmen Jaspersen Foto: dpa

Bremen (dpa) - Torsten Frings schleppte gerade die Trainingsleibchen, als der neue Chef das erste und fast einzige Mal deutlich wurde. Extrem ruhig und mit ausdrucksloser Miene verfolgte Viktor Skripnik seine erste Profi-Einheit mit Werder Bremen - klare Ansagen gab es nur vor und nach dem Training.


»Natürlich kommt noch die Zeit, in der ich auch korrigieren muss. Aber ich muss ja erstmal die Leute kennenlernen«, sagte der neue Chefcoach.

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Manager Thomas Eichin und der neue Aufsichtsratsboss Marco Bode hatten sich für den Ukrainer stark gemacht. Während Bode schon wieder aus dem Tagesgeschäft verschwand, registrierte Eichin am Spielfeldrand, wie sein Neuer den Trainingskick die meiste Zeit mit Händen in den Hüften beobachtete. Die bedrohliche Lage, in der sich der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga nach dem schlechtesten Start der Vereinshistorie befindet, schien den Ukrainer zumindest äußerlich nicht zu berühren.

»Wir haben nicht die Zeit für Experimente. Wir achten jetzt nur darauf, was wir für Dienstag brauchen. Das wird ein schwieriges Spiel für uns«, sagte der entspannt wirkende 44-Jährige mit Blick auf das DFB-Pokalspiel beim Chemnitzer FC. Negative Stimmung verbreiteten auch die über 500 Fans nicht, die die erste Einheit der Werder-Urgesteine hinter dem Absperrzaun verfolgten. Mannschaft und Trainerteam wurden vor und nach der Einheit mit Applaus bedacht.

»Ich glaube, nur 2004 waren schon mal so viele Leute hier, als wir das Double gewonnen haben«, sagte Skripnik mit grinsender Miene. »Fünf Jahre vorher haben wir auch den Abstieg verhindert. Ich bin überzeugt, dass wir das wieder schaffen.« Der Familienvater hat kaum Zeit, sich im rauen Profi-Geschäft zu akklimatisieren. Schon am Montag macht sich der norddeutsche Traditionsclub auf den Weg nach Sachsen. Samstagnacht hatte der Ex-Profi von seiner Beförderung erfahren.

»Er hat gezeigt, dass er Spieler besser machen kann. Er bringt alles mit - außer Bundesliga-Erfahrung«, sagte Bode. Skripnik und sein Hospitant Frings, die bisher die U23 coachten, sind eine gewagte - und günstige Lösung für die klammen Hanseaten. »Das hat nichts mit finanziellen Gründen zu tun. Wir hatten mehrere Kandidaten im Kopf, aber Viktor war ganz klar die Nummer eins«, behauptete Eichin.

Nach dem Aufstieg von Josef Zinnbauer beim HSV ist Skripnik in dieser Saison bereits der zweite Amateurtrainer, dem der Sprung in den Profibereich zugetraut wird. Thomas Schaaf machte 1999 vor, wie es gehen kann. Auch der ehemalige Bremer Erfolgscoach wurde in der sportlichen Krise aus der zweiten Mannschaft berufen, verhinderte den Bundesliga-Abstieg und leitete eine erfolgreiche Ära an der Weser ein.

Die Ära Robin Dutt fand dagegen am Samstagnachmittag nach weniger als eineinhalb Jahren ihr Ende. Der schlechteste Saisonstart in Werders Geschichte und die schwache Trainerbilanz des 49-Jährigen hatten die Clubführung des Tabellenletzten in Alarmstimmung versetzt. Seit seinem Amtsantritt im Sommer 2013 holte Dutt in 43 Erstliga-Partien als Bremer Coach im Schnitt lediglich einen Punkt pro Spiel.

Die bittere 0:1-Heimpleite gegen den 1.FC Köln am Freitagabend besiegelte das Aus. Noch nie startete der viermalige Deutsche Meister mit neun sieglosen Spielen in eine Erstliga-Saison. »So ist das Fußball-Leben. Das kann nicht immer Zucker sein«, sagte Skripnik.

Auf Skripnik und Frings, denen Florian Kohfeldt und Torwarttrainer Christian Vander assistieren werden, wartet nun jede Menge Arbeit. Ein Weiterkommen am Dienstag in Chemnitz ist Pflicht. »Das ist ein Spiel, wo du zeigen kannst, dass die Saison neu losgeht - und natürlich ist das auch ein finanzieller Aspekt«, sagte Eichin.

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