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Leopold Mozart war nicht nur Vater eines Genies

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Bild der Familie Mozart im Tanzmeistersaal, ein Ölgemälde von Johann Nepomuk della Croce. (Fotos: Mozarteum)

Leopold Mozart war mehr als der Vater des großen Wolfgang Amadé und dessen ebenfalls genialer Schwester Nannerl. In allen Biografien steht er im Schatten des großen Sohnes und es wird ihm wenig mehr als die Vaterschaft zugestanden.


Zum 300. Geburtstag widmet die Stiftung Mozarteum dem Leben und Schaffen Leopold Mozarts (1719 bis 1787) bis 9. Februar 2020 eine umfangreiche Sonderausstellung im Mozart-Wohnhaus in Salzburg. Die Ausstellung zeigt rund 80 Exponate mit einer Fülle von Originalen, darunter Brief-und Musikautographe, Drucke, Dokumente sowie Memorabilia, Gemälde, Grafiken. Die Leihgaben stammen aus Salzburg, Wien, Budapest, München, Augsburg, Dresden, Düsseldorf und den USA. Einige Ausstellungsstücke werden in Zyklen ausgetauscht, da aus konservatorischen Gründen nicht alle Originale während der gesamten Ausstellungsdauer gezeigt werden können.

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Zur Auflockerung der wissenschaftlichen Schau gibt ein Video Einblick in das Leben Leopold Mozarts. Da erfährt man zum Beispiel, dass Leopolds Verlobte eine »Frau ohne Geld und Einfluss« war, der 28-Jährige die Juristentochter Anna Maria Pertl aus St. Gilgen aus Liebe geheiratet hat und beide als »das schönste Paar Eheleute Salzburgs« galten.

Der Rundgang durch die Ausstellung ist thematisch gegliedert und die einzelnen Räume verweisen auf die verschiedenen Sektionen im Leben Leopolds. Da geht es um den Hofmusiker, den Netzwerker und familiären Manager, den Pädagogen und Verfasser seiner Violinschule, den Komponisten und Familienmenschen.

Leopold Mozart war ein hochgebildeter Mensch, er sprach fünf Fremdsprachen und war ein fleißiger Briefschreiber. Seine 500 erhaltenen Briefe belegen sein waches Interesse an allen Belangen der Zeit. »Dass ich einen guten Zeitungsschreiber hätte machen können....nicht schwer für einen Mann, der die Welt gesehen hat, die Welt kennt und solche studiert hat«, schrieb er an seine Tochter. Zudem galt er als tüchtiger Geschäftsmann, der sich immerhin die großzügige Palais-Wohnung im Tanzmeisterhaus leisten konnte.

Er war produktiver Komponist und managte seine Familie, organisierte alle Reisen, war auch für die Beschaffung der Instrumente für die Hofmusik zuständig. Er hatte einen Namen als geschickter Notenstecher und Kopist und war geschätzter Pädagoge mit vielen Klavier-, Violin- und Kompositionsschülern. Als exzellenter Geiger veröffentlichte er im Geburtsjahr seines Sohnes seine »Violinschule«, die noch heute als wegweisendes Unterrichtswerk gilt. Im Videofilm geben namhafte heutige Geiger Auskunft, was sie selbst daraus ableiten und lernen konnten. Für seine beiden Kinder war Leopold nicht nur liebender Vater, sondern auch ehrgeiziger Wunderkind-Dompteur. An den Fürsterzbischof Graf von Spaun beschreibt Leopold seine private Seite als »eine Familie, die nicht als Eltern und Kinder, sondern als Freunde zusammenlebten«. Er galt als geselliger Gastgeber, Kunstsammler und leidenschaftlicher Theater-und Opernbesucher.

Leopold wurde am 14. November 1719 in Augsburg geboren, erhielt eine umfangreiche humanistische Ausbildung, ging mit 18 Jahren nach Salzburg an die Benediktiner Universität zum Studium der Philosophie und Jurisprudenz, musste aber aufgrund mangelnden Vorlesungsbesuchs und seiner Leidenschaft für die Musik die Universität verlassen. Er wurde als Geiger in die Hofkapelle aufgenommen und arbeitete sich zum Kapellmeister empor. Er komponierte rund 250 Kompositionen aller Werkgattungen, wovon aber vieles als verschollen gilt. Er war gläubiger Katholik, Freimaurer und Freigeist.

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen: »Leopold Mozart.Musiker-Manager- Mensch. Er ist in den Museums-Shops und als eBook erhältlich. Die Öffnungszeiten im Mozart-Wohnhaus am Makartplatz 8 sind täglich von 9 bis 17.30 Uhr, im Juli und August von 8.30 bis 19 Uhr. Die Ausstellung ist barrierefrei zugänglich. Elisabeth Aumiller