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»Lesen für den Frieden«

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Anthologien mag es viele geben. Der Verein Chiemgau-Autoren gibt jedoch eine spezielle Reihe heraus, deren einzelne Bände jeweils ein literarisch handwerkliches Experiment wiedergeben: Es sind Schreibprojekte, die einem wechselnden Motto, einer jeweils anderen Methode folgen und die für die Chiemgauer Kulturtage geschrieben wurden.

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Der erste Band beispielsweise (Trotz. Kollaps. Schreiben, erschienen 2019) stellt eine Geschichtenkette dar, geschrieben von 19 Autoren. Dabei eröffnet der Schlusssatz der einzelnen Texte jeweils den folgenden Beitrag, und so entsteht eine Kette ganz unterschiedlicher Geschichten, die alle sich dem Thema »Kollaps« unterordnen.

Der zweite Band der Anthologie folgte dem Begriff »Salz«, der 2019 in Südostbayern im Mittelpunkt stand (»400 Jahre Traunsteiner Saline und Soleleitung Reichenhall-Traunstein«): 25 Autoren schrieben Texte zu den zahlreichen Facetten des Salzes und den Gedanken, die wir damit verbinden. Jedes literarische Genre ist vertreten. Nun liegt der dritte Band der Anthologie-Reihe vor: Er enthält 33 Texte von 19 Mitgliedern des Ve-reins Chiemgau-Autoren zum Thema »Lesen für den Frieden«.

Wieder fällt die Vielfalt des Geschriebenen auf: experimentelle und konventionelle Lyrik, Reflexionen, Prosaszenen, Tagebuch-Skizzen. Und das handwerklich geschickt und abwechslungsreich. Auch die bairische Sprache kommt zu Wort – das lassen sich Chiemgau-Autoren nicht entgehen. Die Schreibenden hatten folgende methodische Vorgabe zu beachten: Jedem Beitrag war ein philosophischer oder theoretischer Text zu Grunde zu legen, aus dem ein Zitat in den Text einzuflechten war. Das stellt für den Leser ein kleines Rätsel dar: Wo ist das Zitat im Text versteckt? Von wem mag es stammen? Und wie ist es mit dem Thema Frieden verknüpft?

Ideengebende Texte waren u. a. die Bayerische Verfassung, das Grundgesetz, die Bibel, das Deutsche Tierschutzgesetz und Werke von Michael Gorbatschow, Bertha von Suttner, Cicero, Friedrich Nietzsche und Immanuel Kant. So legt der Verein der Chiemgau-Autoren auch heuer wieder ein gemeinsames Produkt als Ergebnis des unterschiedlichen literarischen Schaffens seiner Mitglieder vor. In jedem Einzelband steckt ein apartes Konzept, und die ganze Reihe entwickelt sich zu einer Kette phantasievoll gestalteter Text-Schmuckstücke.

Eigentlich sollte der neue Band ja im November im Heftersaal in Grassau im Rahmen einer musikalisch umrahmten Lesung vorgestellt werden, die aber coronabedingt abgesagt werden musste. So hoffen die Autoren, im Frühjahr auf einer Lesung ihre Texte vorstellen zu können.

Uta Grabmüller

Lesen für den Frieden: Band 3 der Anthologie-Reihe des Vereins Chiemgau-Autoren e. V., BoD 2020, ISBN 978375267817, 135 Seiten.