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Musiksommerkonzert mit dem Wasserburger Bach-Chor in memoriam Christian Günther

Lichtvolle »Schöpfung« in Fridolfing

Kraftvoll, klar und kontrastreich war die mitreißende Interpretation von Joseph Haydns Oratorium »Die Schöpfung« durch den Wasserburger Bach-Chor in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Fridolfing. Bei diesem Konzert, das Christian Günther, dem verstorbenen Musikbeirat der Reihe »Musiksommer zwischen Inn und Salzach« gewidmet war, hinterließen Sänger und Musiker unter der Leitung von Angelica Heder-Loosli einen bleibenden Eindruck.

Der Wasserburger Bach-Chor und das Bach-Collegium Wasserburg mit seiner Dirigentin Angelica Heder-Loosli  beim  Konzert  im  »Dom des Salzachtals«,  der  Pfarrkirche  Mariä  Himmelfahrt in Fridolfing. (Foto: Heidi Schmidinger, Wasserburg)

Die höchst erfolgreiche Aufführung von Haydns Schöpfung im letzten Jahr in der Stiftskirche Baumburg veranlasste Christian Günther dazu, den Wasserburger-Bach-Chor, das Bach-Collegium Wasserburg und die Solisten für eine Aufführung anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Musiksommers in seinen Heimatort Fridolfing einzuladen. Als ein Geschenk zu seinem 30. Geburtstag nahm der Wasserburger Bach-Chor diese Einladung gerne an. Und so war es für den Veranstalter, den Musiksommer, und für den Wasserburger Bach-Chor gleichermaßen ein Herzensanliegen, dieses Werk im Lichte des Andenkens an Christian Günther aufzuführen. In einer geglückten Einheit von Chor, Profi-Orchester und Solisten gelang dies den Wasserburgern mit Freude und Leichtigkeit.

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Die Einleitung zelebrierte Angelica Heder-Loosli mit theatralischer Dramatik, starken Kontrasten und großer Spannung. Man sah vor sich das wabernde Chaos der noch formlosen, dunklen, leeren Erde und den Kampf der Elemente, der zu einer explosionsartigen Entladung führte, um wieder in der Stille zu versinken und den Weg für den sanft über dem Wasser schwebenden Geist Gottes zu bereiten. »Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht!« sang der Chor und zeigte beim Fortissimo der letzten vier Worte erstmals seine Stimmgewalt und rhythmische Präzision.

Machtvolle Akzente setzte der große Gesangs-Körper in den festlichen Chören, die jeden der sechs Schöpfungstage und den siebten Tag als Ruhetag Gottes als Höhepunkte krönten. Es war spürbar, dass der Gründerin und Leiterin die Pflege der Laienstimmen, klare und saubere Intonation, die Präsenz jedes Sängers und eine facettenreiche Dynamik am Herzen liegen. Zugleich spürte man, dass die Sänger mit Körpersprache und Mimik die Musik voller Freude und Anteilnahme durchlebten und an den Lippen ihrer Dirigentin hingen. Wie ein Block standen die choralähnlichen Elemente da, und Souveränität zeigten die Stimmgruppen in den Fugen. Beim vorletzten Chor berührte beim Schlusssatz »Dich beten Erd’ und Himmel an, wir preisen dich in Ewigkeit« besonders der Kontrast zwischen dem Pianissimo des innigen, zarten Gebets und das Fortissimo des überschwänglichen, jubelnden Lobpreises.

In den Rollen des Erzengels Gabriel und der Eva zog Anja Zügner in den Bann – mit einem weichen, geschmeidigen Sopran voller Ausdrucksstärke, sinnlicher Präsenz und sympathischer Erscheinung. Thomas Hambergers wohlklingender, voller und runder Bass überzeugte als Erzengel Raphael und später als Adam. Die strahlende Stimme des lyrischen Tenors von Christian Zenker als Erzengel Uriel kostete die tragende Akustik des großen Kirchenraumes aus. Ihre Leidenschaft für das Werk übertrug die energiegeladene Dirigentin auch auf die Musiker, die, ob Streicher, Pauke oder Blasinstrumente, darunter Barocktrompeten und -posaunen, höchste Präzision, Leichtigkeit, Homogenität und virtuose Brillanz zeigten. Das Bach-Collegium Wasserburg ließ ein farbenreiches, überquellendes Gemälde der Schöpfungspracht entstehen, das die Herzen berührte.

Langer Applaus belohnte die Interpreten. Und wie der Vorsitzende des Musiksommers, Herr Altlandrat Steinmaßl, schon zu Anfang in seiner Gedenkrede vermutete, wird Christian Günther, von dort, wo er sich jetzt befindet, beim Zuhören seine himmlische Freude erlebt haben. fb