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Liederabend mit Elisabeth Kulman und Eduard Kutrowatz im Haus für Mozart

Liebesfreud und Liebesleid bis zum Tod

Mit großer Ernsthaftigkeit und Gestaltungskraft zeigte sich Elisabeth Kulman als Liedersängerin par excellence. Ursprünglich war Elína Garanca für den Festspielliederabend im Salzburger Haus für Mozart vorgesehen gewesen, aber schon vor Wochen hatte sie ihren Auftritt aus persönlichen Gründen abgesagt. Kulman erwies sich nicht nur als vollwertiger Ersatz, sondern machte facettenreich auf ihre besonderen Qualitäten als Liedersängerin aufmerksam. Die Zuhörer feierten sie am Ende mit begeisterter Zustimmung.

Hervorragende Liedgestalterin: Elisabeth Kulman überzeugte beim Liederabend im Salzburger Haus für Mozart. (Foto: Aumiller)

Kulman ist unkonventionell in jeder Hinsicht. Das zeigte schon die äußere Form. Sie stand nicht wie üblich vor dem Flügel, sondern im Zentrum der Bühne mit dem Klavier und Pianisten seitlich neben sich. Die Liedauswahl war textbezogen abgestimmt und Sängerin und Pianist ließen die Lieder fast nahtlos ohne Zäsuren ineinander übergehen, was sich auch klanglich fügte und einen Bogen von großer Dichte spannte. Es ging vor allem um die Liebe in ihren vielfältigen Spielarten, vom Hochgefühl sehnsüchtigen und zärtlichen Liebesempfindens in einem großen Decrescendo hin zu Schmerzen, Eifersucht und Tod.

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Sieben ausgewählte Lieder von Franz Liszt formten die erste Programmgruppe. Ungarisches Kolorit blitzte auf zum Auftakt in der Lenau-Vertonung »Die drei Zigeuner«, die das Leben verschlafen, verrauchen, vergeigen und dreimal verachten. Kulman ließ diese Szene mit blühendem Stimmeinsatz zum Minidrama werden. Da war auch die Schauspielerin Kulman mit von der Partie, die überhaupt so manchem Lied mit dezenten Gesten, fein dosiert, szenische Anschaulichkeit verabreichte.

Der Ballade vom König von Thule ebenso wie der Heine-Bitternis »Vergiftet sind meine Lieder« näherte sich Kulman mit dramatischer Attacke. Liszts Klaviersatz ist für Pianisten Herausforderung ebenso wie Chance zum bravourösen Brillieren. Eduard Kutrowatz als Lisztkenner nutzte die Chance, seinem Spiel Profil zu verleihen und gleichzeitig die Sängerin auf ausgeprägtem Klangteppich zu betten. Die Korrespondenz zwischen Pianist und Sängerin wirkte in partnerschaftlichem Miteinander abgestimmt.

Aus Richard Wagners Wesendonck-Liedern folgten »Im Treibhaus«, »Schmerzen« und »Träume«. Die originale Klavierfassung erlaubte einen innigeren Stimmeinsatz als die oft verwendete Orchesterversion. Kulmans subtiler Gefühlsausdruck und ihre tonmalerische Klangpalette machten »Sag, welch wunderbare Träume«, in dem Tristananklänge schillern, zu einem Höhepunkt.

In eine Auswahl aus Schumanns »Frauenliebe und Leben« integrierte sie die Lisztlieder »Es muss ein Wunderbares sein« und »Ich liebe Dich« sowie Franz Schuberts »Wiegenlied«. Damit nahm quasi ihr eigener individueller Zyklus Gestalt an.

Die Nachtseite der Liebe repräsentierte die abschließende Schubertgruppe mit »Nachtstück«, »Der Tod und das Mädchen«, »Der Geistertanz« und »Der Zwerg«. Geradezu makaber ist die Ballade vom eifersüchtigen Zwerg, der der geliebten Königin den Tod gibt und sie tief ins Meer senkt, ihm jedoch »nach ihr das Herz brennt so voll Verlangen«. Als Zugabe antwortete sie auf den Zwerg mit der deutsch gesungenen wehmutsvollen Klage des Orpheus »Ach ich habe sie verloren« und verabschiedete sich schließlich mit Schuberts »Nacht und Träume«, in zauberisch filigraner Transparenz.

Kulman fand mit ihrem warmen Mezzo eine Vielfalt an Schattierungen, dynamischen Abstufungen und Zwischentönen vom hauchzarten Pianissimo, das manchmal fast an die Grenze des Tonlosen ging, bis zum üppigen Vollklang der Stimme in opernhafter Dramatik. Als Liedersängerin ist Kulman ein Juwel, die Darstellerin auf der Opernbühne in ihren repräsentativen Rollen wird man jedoch nach ihrem Entschluss, für Theaterproduktionen nicht mehr zur Verfügung zu stehen, vermissen. Elisabeth Aumiller