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Liebeslieder beim Chiemgauer Musikfrühling

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Applaus für den Münchner Bachchor und seinen Leiter Hansjörg Albrecht (rechts) sowie für die Pianisten Diana Ketler und Konstantin Lifschitz

Der Chiemgauer Musikfrühling feiert heuer sein 10-jähriges Bestehen und hat seitdem einen klingenden Namen in Traunstein. Intendant Razvan Popovici und die künstlerische Leiterin Diana Ketler sind Spezialisten im Gestalten niveauvoller Programme abseits gängiger Repertoire-Gepflogenheiten. So brachte auch der Eröffnungsabend ein künstlerisches Highlight mit besonderer Note.


Der renommierte Münchner Bach-Chor unter Hansjörg Albrecht sang Quartettlieder für Chor und Klavier von Johannes Brahms und die Liebeslieder-Walzer op. 52, die Brahms meist vierstimmig für Sopran, Alt, Tenor und Bass mit vierhändigem Klavier konzipiert hat. Gerne werden sie auch nur als vierhändige Klavierstücke gespielt oder aber das Gesangsquartett wird mit Solisten besetzt. Hier nun hat sich der Chor der Lieder angenommen mit Diana Ketler und Konstantin Lifschitz am Klavier. Mit intensivem Einsatz führte Albrecht den Chor zu einer klanglichen Vielfalt feinster Prägung, dynamisch austariert und nuanciert im Ausdruck mit deutlicher Diktion.

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Die Liebeslieder schwelgen im Walzertakt, bewegen sich in wechselnden Stimmungen zwischen verträumten Reizen, graziler Zartheit, musikantischer Tanzlust und fröhlichem Überschwang. In den Texten werden überwiegend die Natur und die Liebesgefühle besungen. Nachtigallen und Vöglein tirilieren, Quellen und Bächlein rauschen, Liebesfreud und Liebesleid finden romantischen Ausdruck. Dennoch sind die Texte hier die Untertanen der Musik und Brahms schenkt einen Melodienreichtum, den der Chor mit Raffinement, exquisiten Klangfarben und Lust am Singen zu Gehör brachte.

Die Pianisten standen nicht nach, fächerten ihrerseits die breit angelegte Tonpalette mitgestaltend und fantasievoll auf. Und mit der Waldesruhe und vier Slawischen Tänzen für Klavier vierhändig von Antonin Dvorák zogen sie die Register der pianistischen Möglichkeiten als wollten sie den Orchestersatz auf dem Klavier nachvollziehen. Die Charakteristik der Tänze in ihrem folkloristischen Kolorit brachten sie brillant zum Ausdruck und ließen die slawischen Weisen zum stimmigen Hörgenuss werden.

Brahms’ Affinität zum Lied war stets groß, aber er liebte die musikantische Ursprünglichkeit, die bisweilen volksliedhafte Züge aufwies. Seine Liedkompositionen waren oft Gelegenheitswerke, das heißt sie waren für bestimmte Anlässe geschrieben, zum Teil für den Hausgebrauch oder für Chorgemeinschaften im Sinne von erweiterter Hausmusik, wie sie damals viel gepflegter Brauch war.

Bei den nachfolgenden Brahms-Chorquartetten aus op. 64, op. 92 und op. 112 wechselten sich die Pianisten als einzelne Begleiter ab. Albrecht wusste auch hier wieder den Chor zu einerseits ausgewogenem und gleichzeitig energisch aufgeladenem Klingen zu animieren. Ungarisches Kolorit mischte sich ein bei den Zigeunerliedern und wieder waren es Naturstimmungen die farbenreich tonmalerisch und musikantisch aufblühten. Einziger kleiner Wermutstropfen des vom Publikum begeistert aufgenommenen Konzertereignisses waren die Ansagen von Razvan Popovici zu Beginn und am Ende, die ohne Mikrofon in unverständlichem Gemurmel versackten. Schade, es war nicht auszumachen, was sie mitteilen wollten, zumindest nicht im Seitenteil des Saales. Ungeachtet dessen war es ein schöner Eröffnungsabend auf hohem musikalischen Niveau. Elisabeth Aumiller