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Lieder, Dramen und Blasmusik

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Wer kennt sie nicht, die Münchner Schauspieler Johanna Bittenbinder und Heinz Josef Braun? In einer Vielzahl von Rollen in Film und Fernsehen haben sie bislang ihr Publikum begeistert, aber auch mit diversen Theaterauftritten und szenischen Lesungen wie »Tannöd«. Jetzt waren die zwei, komplettiert durch den international erfolgreichen Posaunisten Sebi Tramontana und den Musiker, Komponisten und Kulturwissenschaftler Andreas Koll, mit ihrem Programm »Um a Fünferl a Durchanand« im Innenhof von Schloss Amerang zu Gast.


Geboten wurde dabei eine höchst unterhaltsame Mischung aus Blasmusik, Liedern, Sketchen und Klamauk, die garantiert jedes bajuwarische Herz höherschlagen ließ; auch wenn Andreas Koll, der als Moderator und Grantler vom Dienst durch den Abend führte, dies alles als »sakrischen Schmarrn« abtat. Womit er natürlich Recht hatte. Aber wenn schon Schmarrn, dann bitte so und nicht anders! Es war einfach köstlich, wenn uns etwa die Bittenbinder mit einer Geschichte in die »guate alte Zeit« entführte, genauer gesagt: unter einen »Herzkirschenbaum«, und die Herren mit Pfeiferln so munter wie wetteifrig Vogelgezwitscher anstimmten. Oder wenn sie als gschamige Jungfrau singend die Männer in ihren (tödlichen) Bann zog, bevor sie mit einem bekannten Lied über eine ebenso bekannte »Schönheitskönigin« Erinnerungen an die Volkssängerin Bally Prell wachrief. Herrlich war auch ihre Neuausgabe der »Münchnerin im Himmel«, der Aloisia, einer »gschnappigen« Sanitäterin vom Ostbahnhof, die sofort mit der himmlischen Hausordnung über Kreuz liegt bzw. nicht »in sich gehen mag«, so wie Petrus sich dies wünscht. Und wie man eine Geschichte aufpeppen kann, vorausgesetzt, man hat das Personal dazu, bewies Johanna Bittenbinder noch als Wildmoser-Bäuerin, die sich von ihrem grantigen Ehemann scheiden lassen will, letztendlich die Kosten des Verfahrens aber scheut.

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Da schlüpften Heinz Josef Braun, Sebi Tramontana und Andreas Koll stumm in die Rollen der anderen Beteiligten, sprich: Gatte, Advokat und Hausdirn, und lösten allein durch ihre Mimik Lachsalven aus. In Bestform zeigte sich auch Heinz Josef Braun, der nicht nur als Trompetenspieler und Gitarrist brillierte, sondern auch als genialischer Erzähler den unterschiedlichsten Charakteren Stimme und Ausdruck verlieh: etwa bei der mit schwärzestem Humor angereicherten Geschichte vom in der Würm ertrunkenen Großvater, der von seinen Aal-fischenden Angehörigen im Wasser liegen gelassen wird, um als Köder die Viecher anzulocken.

Das fügte sich wunderbar mit der jazzig angehauchten Blasmusik und den hinreißenden Posaunensoli von Sebi Tramontana, der mit seinem Instrument auch als nonverbaler Geschichtenerzähler überraschte. Nicht zu vergessen Andreas Koll, der nebenbei die Tuba bediente und zwischendurch den Sprachakrobaten gab, der z. B. infolge eines »Zungenschlaganfalls« das »R« nur noch sehr verwässert aussprechen konnte.

Zum Abschluss stimmte Sebi Tramontana noch den italienischen Ohrwurm »Ciao, ciao, Bambina« an, und als Zugabe klagte Johanna Bittenbinder noch »… mit dem Bandelwurm im Leib, da macht des Leben koa Freid«. Wolfgang Schweiger