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Lieder und Texte vom Geld

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Herbert Schultes (von links), Maria Bittel, Friederike Duetsch und Manfred Müller sangen und erzählten im Ettendorfer Kircherl vom Thema Geld. (Foto: B. Heigl)

In der musikalisch-literarischen Mai-Matinee, die auch heuer wieder im Ettendorfer Kircherl stattfand, steckt sicher jedes Mal Etliches an Vorarbeit und viel Rechercheaufwand. Das Ergebnis dieser akribischen Sammellust von Texten und passendem Liedgut war vom Feinsten.


Friederike Duetsch (Sopran), Maria Bittel (Klavier), Herbert Schultes und Manfred Müller (Sprecher) präsentierten ihr neues Programm »Lieder und Texte vom Geld« wie gewohnt sehr facettenreich und erfrischend bissig. Dazu trugen nicht zuletzt auch die Texte von Erich Kästner, Mark Twain, Kurt Tucholsky und anderen bei, die, so herrlich maliziös gesprochen, im Publikum großen Anklang fanden.

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Friederike Duetsch, die nicht »nur« singt, sondern die Texte auch darstellerisch so bewundernswert auf den Punkt bringt, sodass jedes Lied zu einem lebendig-pulsierenden Erlebnis wird, unterhielt das Publikum auf hohem Niveau. Dass sie zudem alles auswendig vorträgt und ihre Stimme immer mehr zu einer Schönheit heranreift, war auch in diesem Konzert ein Grund zur freudigen Begeisterung.

Die Lieder »Liebhaber in allen Gestalten« (Franz Schubert), »Selbstgefühl« (Gustav Mahler), »Liebst du um Schönheit« (Clara Schumann), »Der König von Thule« (Carl Friedrich Zelter), »Für Fünfzehn Pfennige« (Richard Strauss) und andere mehr korrespondierten formidabel mit den Textbeiträgen. Ein ganz besonderes und fulminantes Hörerlebnis bereitete Maria Bittel den Zuhörern am Klavier mit dem Stück »die Wuth über den verlorenen Groschen« (Ludwig van Beethoven). Man sah ihn förmlich mit diabolischem Glanz durch die Gassen über das schmutzige Kopfsteinpflaster rollen, sein wütender Besitzer hinterher eilend, der ihn aber nicht zu fassen bekommt.

Die Jagd nach und der Traum vom Geld ist ein Thema, bei dem sich jeder auf irgendeine Weise wiederfindet. Die meisten kennen vielleicht das Gefühl, das Tevje aus »Anatevka« in dem Lied »Wenn ich einmal reich wär« so plastisch formuliert. Manfred Müller besang mit lakonischer Verträumtheit diesen Zustand und seine angenehm tiefe und entspannt klingende Stimme, tröstete über den nicht vorhandenen Reichtum hinweg. Am Ende des Konzerts: Stürmischer, langanhaltender Applaus! Zu Recht! Barbara Heigl