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»Lippenbekenntnisse« der Grassauer Blechbläser

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Das Grassauer Blechbläser Ensemble in der Pfarrkirche »Mariä Himmelfahrt«. (Foto: Markus Eisenkolb)

Das zweite Konzert der Reihe »Musiksommer zwischen Inn und Salzach« im Jahr des 40. Jubiläums fand am in der Grassauer Pfarrkirche statt. Es war eines von 37 Konzerten, die heuer zwischen Rosenheim und Salzburg, Altötting und Grassau zu hören sind.


Bürgermeister Rudi Jantke sprach in seiner Begrüßung den doppelten Anlass des Abends an, hatte doch der Grassauer Arzt Dr. Franz Zech gemeinsam mit anderen Musikfreunden, darunter auch der Dirigent Wolfgang Sawallisch – wie Dr. Zech Ehrenbürger der Gemeinde – den Anstoß zur Gründung der Konzertreihe gegeben. Mehr noch: Das Grassauer Blechbläser Ensemble begeht in diesem Jahr seinen 35. Geburtstag, und aus diesem Anlass stellte es ein Programm zusammen, das einen Rückblick auf seine lange Konzerttätigkeit bot: »Lippenbekenntnisse« zu hochwertiger Blechbläserkammermusik. Die Zuhörer in der gut besuchten Kirche mit ihrem farbenfroh geschmückten Maialtar erlebten »Die Grassauer« in ihrer bekannten, vielseitigen Spielfreude.

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Die kraftvollen Interpretationen der Blechbläser ergänzte als Gastsolist der junge Rosenheimer Organist und Cembalist Johannes Berger, seit einigen Jahren auch Kustos der größten Freiluftorgel der Welt in der Kufsteiner Festung. Mit Antonio Vivaldis a-Moll-Konzert in der Bearbeitung von Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn-Bartholdys kurzem Satz »Andante tranquillo« aus op. 65/III ließ er spielerisch gelassen die Kirchenorgel erklingen, die eigens für das Konzert generalüberholt worden war. In Sigfrid Karg-Ehlerts Lied »Lobe den Herren«, komponiert Anfang des 20. Jahrhunderts, trat der Organist in einen lebhaften Dialog mit den Blechbläsern, die sich als Quintett zu ihm auf die Empore gesellt hatten. Gleich zu Beginn erklang die »Große Mozart Fanfare« des 1969 verstorbenen Komponisten Joseph Messner, arrangiert für Orgel und Bläser von Mattias Linke.

Das Ensemble bot im weiteren Programm einen Streifzug durch 500 Jahre Musikgeschichte. Aus der Zeit um 1500 stammen einige vom englischen König Henry VIII komponierte Lieder. Das 3. Brandenburgische Konzert von Johann Sebastian Bach war ein weiterer Höhepunkt des Abends. Eigens für das Grassauer Blechbläser Ensemble hat Matthias Linke Georg Friedrich Händels opulentes »Concerto a due chori« arrangiert. Ludwig van Beethovens drei »Equalen für Posaunenquartett«, Trauerstücken, von denen zwei auch bei der Beerdigung des Komponisten 1827 gespielt worden waren, trugen die Bläser mit ruhigem Ernst gemessen vor.

Zwei unterschiedliche Werke von Johannes Brahms zeigten das Können sowohl dieses Komponisten aus dem 19. Jahrhundert als auch der Interpreten: Die »Fest- und Gedenksprüche« (op. 109) erklangen feierlich getragen; der »Ungarische Tanz Nr. 5« bildete den schwungvollen Abschluss des Programms und bot eine temperamentvolle Überleitung zum anschließenden Jubiläums-Sektempfang des Ensembles im Foyer des Heftersaals.

Vorher gab es noch zwei Zugaben. Organist Johannes Berger spielte ein Danklied von Bach und bei dem Lied »Guten Abend, gute Nacht« von Johannes Brahms gesellte sich der Gründer des Grassauer Blechbläser Ensembles, Hans Josef Crump, mit seiner Posaune zu den Kollegen und spielte mit. Er sei, so sagte er im Anschluss an das Konzert, sehr dankbar, dass seine Arbeit eine gute, lebendige Fortsetzung gefunden habe und dass das Ensemble nun seinen eigenen Weg erfolgreich beschreite. Uta Grabmüller