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Lisicki wie einst Steffi Graf? - Del Potro vs. Djokovic

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Siegesserie
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Laut ihrem Coach kann Sabine Lisicki das Wimbledon-Turnier gewinnen. Foto: Kerim Okten Foto: dpa
Ansetzung
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Sabine Lisicki spielt im zweiten Halbfinale. Foto: Andy Rain Foto: dpa
Halbfinale
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Novak Djokovic erreichte zum 13. Mal nacheinander das Semifinale eines Grand Slams. Foto: Gerry Penny Foto: dpa
Besser
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Jerzy Janowicz setzte sich gegen seinen neun Jahre älteren Landsmann Lukasz Kubot durch. Foto: Tom Hevezi Foto: dpa
Tausch
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Jerzy Janowicz (r) tauscht mit seinem Landsmann Lukasz Kubot das Trikot. Foto: Tom Hevezi Foto: dpa

London (dpa) - Plötzlich ist Sabine Lisicki bei den englischen Buchmachern die Favoritin auf den Titel, in den Zeitungen verdrängt sie mit ganzseitigen Fotos sogar den lokalen Helden Andy Murray in die Randspalten.


Die Experten der BBC rühmen ihre Nerven und ihre Aufschläge, die Fans lieben ihr Dauerlächeln. Die Berlinerin lebt in diesen verrückten Tennistagen 2013 ihren ganz persönlichen Wimbledon-Traum - und die wundersame Reise über die Rasenplätze im Südwesten Londons soll erst am Samstagnachmittag zu Ende gehen.

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»Ich glaube, sie hat eine gute Chance, ins Endspiel einzuziehen«, schrieb Steffi Graf nach dem Halbfinal-Einzug der 23 Jahre alten Berlinerin auf Facebook. Aus der Ferne verfolgt die bislang letzte deutsche Wimbledon-Siegerin das turbulente Geschehen im All England Lawn Tennis Club. Natürlich fällt nun ständig der berühmteste Name in der Geschichte des deutschen Damen-Tennis. Natürlich muss auch Sabine Lisicki Fragen beantworten wie zuletzt die eines englischen Journalisten: Ob sie die Tatsache, dass nun ständig an Steffi Graf erinnert werde, beflügle oder doch eher emotionale Last sei.

»Weder noch«, sagte Lisicki, lächelte und meinte: »Ich schaue auf mich. Ich möchte alles geben, nur darum kümmere ich mich.« Das gelang der letzten im Feld verbliebenen deutschen Spielerin bislang so imponierend, dass sie spätestens seit ihrem Sieg gegen die bis dato übermächtige Serena Williams von der kessen Außenseiterin zur ernsthaften Anwärterin auf den Siegerpokal aufstieg.

Bei den Herren kommt es am Freitag zu den Halbfinal-Duellen zwischen dem Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic (Serbien) und dem früheren US-Open-Champion Juan Martin del Potro sowie zwischen dem großen britischen Hoffnungsträger Andy Murray und dem aufstrebenden Jerzy Janowicz. Der 22-Jährige steht als erster polnischer Tennisspieler bei einem der vier wichtigsten Turniere in der Vorschlussrunde.

Das Match von Murray (4:6, 3:6, 6:1, 6:4, 7:5 gegen den Spanier Fernando Verdasco) hatte gerade begonnen, als Lisicki sich bei ihrem Training so gelöst und locker wie schon in den vergangenen Tagen präsentierte. Von Anspannung oder Nervosität war nichts zu spüren, als sie im angrenzenden Aorangi Park eine Übungseinheit mit ihrem neuen Trainer Wim Fissette und Vater Richard absolvierte. Bundestrainerin Barbara Rittner saß auf der Bank neben Mutter Elisabeth und gab auch auf dem Platz ein paar Tipps. »Jetzt noch ein paar Rückhand-Volleys«, rief Lisicki ihrem Vater zu. Die 23-Jährige wirkt bereit für die schwere Aufgabe, die nun auf sie zukommt.

»Klar wird es jetzt gegen Radwanska sehr schwer werden. Aber alles ist möglich. Ich wäre nicht erstaunt, wenn Sabine am Ende die Trophäe hochhalten würde«, sagte Fissette dem »Tennismagazin« (Online). Vor zwei Jahren stand Lisicki schon einmal in der Runde der besten Vier bei ihrem Lieblingsturnier. Damals unterlag sie der Russin Maria Scharapowa. Die Engländer tauften sie in Anlehnung an einen Heroen der Vergangenheit »Bum Bum Bine«. Jetzt sagt sie: »Ich fühle mich besser als vor zwei Jahren. Aber es ist wichtig, nicht so weit vorauszuschauen. Mal schauen, was noch möglich ist.«

Gut möglich, dass diese Sabine Lisicki also die erste deutsche Tennisspielerin seit Steffi Graf 1999 in Wimbledon im Endspiel eines Grand-Slam-Turniers wird. Wenn sie an diesem Donnerstag im zweiten Match des Tages (nicht vor 15.30 Uhr MESZ/Sky) die nächste Prüfung auf dem Centre Court besteht. Die Polin Agnieszka Radwanska stand vor einem Jahr hier im Endspiel, ist die Nummer vier der Welt und derzeit auf dem grünen Spielbelag genauso stark wie Lisicki. Die beiden kennen sich von gemeinsamen Juniorinnenturnieren in Polen.

»Sie ist ein schlauer Fuchs«, schrieb Trainer-Legende Nick Bollettieri in seiner Kolumne für den »Independent«. Doch auch er traut seiner früheren Schülerin Lisicki einen weiteren Sturz einer höher gesetzten Spielerin zu. »Das Selbstvertrauen aus dem Sieg gegen Serena wird sie weiter beflügeln«, glaubt Bollettieri.

Und selbst der Fußball-Kaiser drückt der neuen deutschen Tennis-Queen die Daumen. »Sabine muss jetzt erst einmal das Halbfinale bestreiten. Da wünsche ich ihr, dass sie das gewinnt«, sagte Franz Beckenbauer dem TV-Sender Sky und betonte: »Und ja, wenn man dann im Finale ist, dann ist alles möglich. Die großen Favoriten sind alle draußen. Ich wünsche ihr den Sieg.«

Ob es wirklich zur Krönung auf dem Heiligen Rasen reicht? Als erste deutsche Wimbledon-Championesse seit 1996? Als erste deutsche Siegerin bei einem der vier großen Turniere, seit Steffi Graf 1999 bei den French Open triumphierte? »Sie kann unglaublich gut Tennis spielen. Und in Wimbledon weiß sie, dass sie alle schlagen kann«, sagte Lisicks Coach Fissette. Er hat als Trainer schon einmal eine Spielerin zu Grand-Slam-Weihen geführt: Kim Clijsters.