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Lisickis Wimbledon-Traum erfüllte sich nicht

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Zweite
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Sabine Lisicki lächelt tapfer mit ihrer Trophäe für die Verliererin des Finales. Foto: Andy Rain Foto: dpa
Finalistinnen
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Sabine Lisicki (r) posiert nach dem Finale mit Siegerin Marion Bartoli. Foto: Pool Foto: dpa
Punkte
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Nach einem Punktgewinn ballt Sabine Lisicki ihre Faust. Foto: Andy Rain Foto: dpa
Harter Schlag
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Sabine Lisicki returniert einen Ball ihrer Gegnerin beidhändig. Foto: Friso Gentsch Foto: dpa
Frustration
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Sabine Lisicki ist im Gesicht ihr Gefühlszustand abzulesen. Foto: Andy Rain Foto: dpa
Kniefall
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Marion Bartoli lässt sich nach ihrem Sieg auf die Knie fallen. Foto: Kerim Okten Foto: dpa
Gratulation
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Sabine Lisicki (r) gratuliert nach dem Finale Siegerin Marion Bartoli. Foto: Friso Gentsch Foto: dpa

London (dpa) - Aus der Traum vom ersten deutschen Wimbledon-Sieg seit Steffi Graf! Sabine Lisicki hat den Titel beim wichtigsten Tennisturnier der Welt klar verpasst. Sie musste sich im Endspiel Marion Bartoli aus Frankreich nach einer ungewohnt schwachen Leistung 1:6, 4:6 geschlagen geben.


Als sich Sabine Lisicki zwei Stunden nach ihrer tränenreichen Ansprache auf dem Centre Court den Fragen der Journalisten stellte, kehrte sogar das gewinnbringende Lachen allmählich wieder in ihr Gesicht zurück. »Es war enttäuschend, wirklich enttäuschend«, sagte sie auf die Frage, warum sie ausgerechnet im Endspiel von Wimbledon, ausgerechnet in ihrem ersten Grand-Slam-Finale mit der Aussicht auf historischen Tennis-Ruhm, derart verkrampfte und vor Nervosität wie gelähmt schien.

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»Der ganze Weg dahin hat mehr Kraft gekostet als ich dachte, auch mental«, sagte die 23 Jahre alte Berlinerin nach der deutlichen Niederlage gegen Marion Bartoli aus Frankreich. »Aber es war trotzdem ein unglaubliches Turnier. Ich hoffe, dass mir die Erfahrungen der letzten zwei Wochen und auch die Erfahrung von heute helfen werden, es das nächste Mal besser zu machen.« Als sie gefragt wurde, ob sie sich nach dem schlimmen ersten Satz in der Kabine im Spiegel selber angeschrien habe, sagte sie: »Nein, das habe ich nicht gemacht. Ich schreie mich nicht an.« Und musste lachen.

Mit welcher Souveränität und mit welchem Charme die gerade im Finale ihres Lieblingsturniers so sportlich Gedemütigte das anschließende Prozedere meisterte, verdiente an diesem Samstagabend im All England Lawn Tennis and Croquet Club fast ebenso viel Respekt wie ihre vorherige wundersame Reise durch das Turniergeschehen.

Schon auf dem Platz hatte sie Bartoli erst lange an sich gedrückt und dann unter dem Beifall des sichtlich ergriffenen Publikums erklärt: »Marion war zu gut. Sie hat es verdient.« Später sagte Lisicki: »Ich freue mich für sie. Ich hoffe, dass ich noch einmal die Chance bekommen werde, hier im Endspiel zu stehen.«

Zuvor hatte sie auf dem Platz mitansehen müssen, wie Marion Bartoli in einer waghalsigen Kletteraktion zu ihrer Spielerbox emporstieg und die Glückwünsche, Umarmungen und Küsse für die neue Wimbledon-Championesse empfing. Es hätte eigentlich ihr Moment werden sollen. Der Moment von Sabine Katharina Lisicki.

Als erste deutsche Tennisspielerin seit Steffi Graf vor 17 Jahren wollte sie sich in die Siegerlisten eintragen beim ältesten und bedeutungsvollsten Turnier der Welt. »Ich hätte so gern gewonnen und hoffe, dass ich noch eine zweite Chance bekomme«, sagte Lisicki bei der Siegerehrung und brach in Tränen aus. Schon während des zweiten Satzes hatte sie feuchte Augen bekommen. »Ich war traurig, dass ich meine Leistung nicht abrufen konnte«, sagte sie später.

In ihrem ersten Finale bei einem Grand-Slam-Turnier wirkte Lisicki lange Zeit hypernervös und konnte nicht an ihre vorherigen Glanzleistungen auf dem Heiligen Rasen anknüpfen. »Ich war überwältigt von der Situation«, sagte sie. Die 1,78 Meter große Rechtshänderin war die erste Deutsche im Wimbledon-Endspiel seit Steffi Graf 1999.

Graf gratulierte Lisicki später auf ihrer Facebook-Seite »zu einer überragenden Leistung in den vergangenen zwei Wochen, es hat Riesenspaß gemacht zuzuschauen und mitzufiebern!« Der Sieg für Bartoli war »verdient«, befand Graf. »Kein einfacher Tag für Sabine nach ihren Siegen über Williams und Radwanska, verständlicherweise wirkte sie ein bisschen nervös in ihrem ersten Grand-Slam-Finale und hatte Probleme, ihr gewohntes Spiel zu finden.«

Bundestrainerin Barbara Rittner traut ihrem Schützling in der Zukunft noch viel zu: »Wenn sie diesen Weg weitergeht, steht sie hier noch mal im Finale. Ich bin saustolz auf Sabine.« Auch von anderen Seiten gab es sofort aufmunternde Worte für die geknickte Verliererin.

»Kopf hoch Sabine....wahnsinnig toll gekämpft aber Respekt für Bartoli!!!«, twitterte Boris Becker. Fußball-Nationalspieler Lukas Podolski schrieb in dem Kurznachrichtendienst: »Traurig Bine verlieren zu sehen. Aber danke für all die großen Momente in Wimbledon. Du hast Tennis in Deutschland wieder zum Leben erweckt.«

Lisicki wird sich in der Weltrangliste von Platz 24 auf 18 verbessern, mit einem Sieg hätte sie sich als Nummer elf der Welt den Top Ten genähert. »Ich verstehe genau, wie Sabine sich fühlt«, sagte Bartoli, die 2007 das Finale gegen Venus Williams verloren hatte und nun sogar von Frankreichs Staatspräsident François Hollande beglückwünscht wurde: »Dieser Titel macht dem französischen Tennis, dem Frauensport und dem gesamten französischen Sport Ehre.«

Vor den Augen der großen alten Damen des Tennissports wie Martina Navratilova, Martina Hingis, Virginia Wade, Margaret Court, Jana Novotna und Billie Jean King schien ausgerechnet die bislang so nervenstarke Lisicki angesichts der historischen Bedeutung des Moments völlig zu verkrampfen. Einem Turnier voller Emotionen und Tränen, zwei Wochen voller Leidenschaft und aussichtslos erscheinenden Aufholjagden blieb die Vollendung versagt.

Keine andere Spielerin hatte so schwere Gegnerinnen wie sie. Nacheinander schaltete sie die unangenehme Francesca Schiavone, die auf Rasen exzellente Jelena Wesnina, die frühere US-Open-Siegerin Samantha Stosur, die fünfmalige Wimbledon-Siegerin und Weltranglisten-Erste Serena Williams, Kerber-Bezwingerin Kaia Kanepi und die Weltranglisten-Vierte Agnieszka Radwanska aus.

Doch gegen die unorthodox spielende Bartoli mit der beidhändigen Vor- und Rückhand fand die Reise ein jähes Ende. Zwar startete sie im zweiten Satz eine Aufholjagd von 1:5 auf 4:5 und wehrte drei Matchbälle ab. Doch diesmal schaffte sie keine Wende. Steffi Grafs Sieg 1996 bleibt vorerst der letzte deutsche Wimbledon-Triumph.

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