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Festliches Konzert mit der Chorgemeinschaft Seeon in der Klosterkirche St. Lambert

»Lobsinget dem Herrn«

Kirchenmusikerin Andrea Wittmann führte mit der Chorgemeinschaft Seeon die 1000-jährige Tradition von Musik in der Klosterkirche St. Lambert im Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon fort und begrüßte die Besucher mit einer ausdrucksstarken Orgelimprovisation zu »Der Geist des Herrn« und »Lobsinget dem Herrn«.

Chorleiterin Andrea Wittmann (rechts) gestaltete mit der Chorgemeinschaft Seeon ein erfüllendes Konzert in der Klosterkirche St. Lambert in Seeon. (Foto: Benekam)

Satte Chorstimmen von der Empore und ein zuweilen ungewohnt zartes Orgelspiel (Andrea Wittmann) mit Vogelgezwitscher durchdrangen die Klosterkirche. Ruhig und melancholisch-sinnlich erklang »Alla Siciliana« von Johann Gottlieb Goldberg mit zwei Klarinetten (Erika Schadner und Viviana Wittmann) und Klavierbegleitung (Andrea Wittmann).

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Unter dem energie- und spannungsvollen Dirigat Andrea Wittmanns erhoben sich im Anschluss die wohlklingenden Stimmen der Chorgemeinschaft Seeon zu Wolfgang Amadeus Mozarts Kyrie KV 90. Mit »Dolce« von Georg Philipp Telemann blieb die Stimmung ruhig und festlich. Friedvoll und harmonisch klang der Chor mit »O sacrum conviviium« von Giovanni Croce, auch und besonders weil sich die Mehrstimmigkeit in konzentriertem und singfreudigem Zusammenwirken zu einer gemeinsamen Klangsprache entwickelte.

Dem Himmel ein Stück näher kamen die Zuhörer auch bei »Romanze« und »Alla Polacca« von Carl Maria von Weber. Die beiden anspruchsvollen Werke für Klarinetten und Klavier ver- und bezauberten die Zuhörer in der Klosterkirche mit rasant-getriebenen Läufen. Mit Sergej Rachmaninows »Ave Maria« op. 31 streichelte der Chor wieder den Hörnerv, bevor dann zwei verjazzte Arrangements für Saxofon und Klavier von Johann Sebastian Bach wieder völlig neue Impulse ins Konzert einbrachten: Die Ausgelassenheit und Improvisationsfreudigkeit mögen zuweilen im Gegensatz zu sakralen Klängen stehen, können aber durchaus Genre übergreifende Brücken schlagen, sodass die Konzertbesucher erstaunt aufhorchten.

Wieder zurück in heimische Musikgefilde holte die Zuhörer ein Arrangement für Saxofon-Duett und Klavier des Traunreuter Komponisten Bastian Pusch mit »Vater unser«. Das in Musik gefasste Vaterunser, vom Chor gesungen und in variationsreicher Klavierbegleitung mit wunderschönem Zwischenspiel, setzte einen ganz besonderen Höhepunkt.

Wieder einen Sprung zurück ins »Land der unbegrenzten Möglichkeiten«, kurzweilig und jazzig, gab es mit »Harlem Nocturne«, bei dem Erika Schadner mit allergrößter Virtuosität am Saxofon überzeugte. Fast wie ein Glockengeläut klangen im Anschluss die Chorstimmen, vierstimmig sauber ineinander ein- und übergreifend, in den beiden Chorälen »Erd und Himmel sollen singen« und »Gott unser Schöpfer« von Zsolt Gardonyi.

Nach einer Komposition von Mendelssohn-Bartholdy, »Herr sei gnädig«, neigte sich das Konzert dem Ende zu. Schön war das Zuhören, aber auch das Mitsingen, zu dem Chorleiterin Andrea Wittmann bei dem Lied »Der Geist des Herrn erfüllt das All« einlud, mit dem das Konzert schließlich ausklang.

Als Dankeschön für die besinnliche Musikstunde spendeten die Konzertbesucher einen lang anhaltenden und kräftigen Applaus, sodass es als Zugabe noch einmal das gesungene Vaterunser gab. Trotz kalter Außentemperaturen war allen beim Verlassen der Klosterkirche St. Lambert warm ums Herz. Kirsten Benekam