London Grammar: Lyrische Kritik an Machtstrukturen

London Grammar
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Hannah Reid (Gesang), Dan Rothman (Gitarre) und Dot Major (Drums, Electronics) sind London Grammar. Foto: Alexandra Waespi/Universal Music/dpa Foto: dpa

Hannah Reid ist die unverkennbare Stimme von London Grammar. Mit dem neuen Album »Californian Soil« stellt das Trio die Frontfrau noch stärker in den Fokus.


Berlin (dpa) - Was wäre London Grammar ohne Frontsängerin Hannah Reid? Vermutlich nicht annähernd so erfolgreich, denn Reids einzigartige Stimme ist das Aushängeschild der Band.

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Mal erwachsen und tief, mal glockenhell und klar, mal kraftvoll und dann wieder säuselnd - immer wieder zieht Reid die Fans in ihren Bann. Mit dem neuen Album »Californian Soil« rückt Hannah Reid (31) noch mehr in den Vordergrund.

Schon das Debütalbum des Trios »If You Wait« erreichte 2013 Platz zwei der UK-Charts. Mit ihrem zweiten Album »Truth Is A Beautiful Thing« im Jahr 2017 schafften sie es in ihrer Heimat sogar auf Platz eins, in Deutschland immerhin in die Top Ten.

In den vergangenen Jahren musste die Sängerin nach eigener Darstellung immer wieder spüren, was es bedeutet, eine Frau in der immer noch von Männern dominierten Musikindustrie zu sein. Diese Erfahrungen haben das neue Album stark beeinflusst.

Der Song »Lord It's a Feeling« startet etwa mit der Zeile »I saw the way you made her feel like she should be somebody else«, zu Deutsch: »Ich habe gesehen, wie du ihr das Gefühl gegeben hast, sie sollte jemand anderes sein.« Es ist vor allem eine Kritik an der Musikindustrie, die Reid mit ihrer sanften Stimme hervorbringt.

Die Branche sei zwar auf dem Weg in eine neue Generation, sagte Reid vor Veröffentlichung des Albums. Aber die alte Generation sei immer noch mächtig. »Wenn du eine Sängerin mit einer zarten Stimme bist, geht diese alte Schule immer noch davon aus, dass die Jungs sich um alles andere kümmern müssen.« Mit diesem Album gehe es ihr darum, selber die Macht über ihr Leben zu bekommen, so Reid.

Mit dem dritten Album »Californian Soil« ist dem Trio jetzt ein rundes, stimmiges Werk gelungen. Der klassische Synthesizer-Sound steht zwar noch immer im Mittelpunkt, die Band wollte allerdings stärker experimentieren. Damit enttäuschen sie nicht. Herausgekommen sind zwölf Songs (plus ein sphärisches Intro), die mal stark an die Vorgängeralben erinnern, mal ungewohnt poppig daherkommen.

© dpa-infocom, dpa:210413-99-183041/3

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