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Lustig, listig, launig

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Diesen Sündenbock erkennt man sofort: Alfred Mittermeier im NUTS. (Foto: Kewitsch)

»Es werde Licht« sprach er und fing sogleich zu »plappern« an, unverbindlich, unverkrampft, ja auch unschuldig, als wäre das Programm noch gar nicht in Gang, also die Schuldfrage weder gestellt geschweige denn geklärt. Weil, wenn Alfred Mittermeier ausholt und loslegt, wird im Programm »Sünderbockerei« stets auch selbiger gesucht und nicht selten auch gefunden: »die Anderen« sind es. Immer.


Alfred Mittermeier, Jahrgang unbekannt, Sternzeichen jedoch Waage, plaudert sich warm im NUTS und verfängt sich bei der Frage nach der Herkunft der Zitate sogleich bei unserem Loddar, der seine Frau doch nicht hätte heiraten, sondern besser adoptieren sollen. Auch bei der Feststellung, dass bei so manchem der Gehirnschlag ins Leere geht, »weil da nix is«, zeigt von Anbeginn: Man muss schon aufpassen, mitdenken und sich möglichst nicht erwischen lassen, denn als Sündenbock ist man schnell entlarvt. So beispielsweise der Mann, der sich beim Heiratsantrag noch hinkniet, dann aber nie mehr aufsteht. Jener Mann, der zu Beginn der Ehe noch ausgefallenen Sex hat und im Laufe der Jahre dann ausgefallenen Sex beklagen darf, weil er doch mit einer Migränin verheiratet ist. Ja, leicht ist all das nicht, aber der Vortrag von dem licht behaarten Alfred Mittermeier beschönigt nichts. Sehr souverän steht er da einsam auf der schwarz umfassten Bühne des NUTS, Mimik und Gestik unterfüttern jeden seiner geschliffenen Sätze, und wer in dieser vertrauten Runde auf einen Fehler wartete, der wartete vergebens.

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Frankreich-Fans kommen weniger auf ihre Kosten, das Land bekommt sein Fett weg. Wer eine solche Sprache zelebriert, in der auch nach mehrfacher Wiederholung aus einem stimmlosen »Allahndelhon« beim besten Willen kein Alain Delon wird, der wird sich auch nicht wundern, dass die Begrifflichkeiten Pariser und Berliner nichts miteinander zu tun haben. Frägt die Frau nach einem Pariser, hat sie Lust, frägt sie nach einem Berliner, hat sie Hunger. So einfach ist das. Und überhaupt ist Frankreich ein Land wie kein anderes. Nirgendwo auf der Welt kann man so teuer verhungern wie in Frankreich, verrät augenzwinkernd der Mann aus Landshut. Während man dort Froschschenkel als Vorspeise verköstigt, gelten in diesem Zusammenhang Chicken Wings schon als Schweinshaxe.

Das Programm ist rund, der Fortgang der Ereignisse schwerelos, meist unpolitisch, sieht man einmal von der Praktikantin im Weißen Haus ab, die als Gebläse für Mr. Clinton einen guten Job vollzog, während Angela Merkel mit Bläser (oder war es Blazer) eine gute Figur macht. Alfred Mittermeier setzt seine Pointen treffsicher, launig, listig, er verschweigt nichts, beschönigt auch nichts, im Gegenteil er sagt es uns direkt: Das Programm hat nicht unser Niveau – es ist zu hoch. Religiöses, Menschliches und Gesellschaftskritisches kommt ebenso zur Sprache, wie die 10 Gebote, um die sich alles rankt. Wenn er den Faden verliert, holt er sich Unterstützung beim Publikum. Die (Über)Eltern unter uns bekommen Ratschläge auf dem Weg von Mathe 6, Deutsch 5 und Hartz4, und anderswo geht es um viersprachig aufwachsende golfende Geigenwunderkinder, die nur pfeifen müssen und Mutti springt.

Der Abend ist kurzweilig, lustig und regt dennoch zum Denken an. So fordert Herr Mittermeier unumwunden eine Novellierung der 10 Gebote: aus »Du sollst nicht begehren deines nächsten Weib« sollte längst »Du sollst nicht begehren Deines nächsten Ministranten« werden. So jagt eine Spitzfindigkeit die nächste und der Schmunzelfaktor bleibt angenehm hoch. Alfred Mittermeier hat den Ton getroffen, ein neues Programm ist in Arbeit, und so wird es bloß eine Frage der Zeit sein, bis er – steter Kalauer höhlt den Promi-Stein – das stete Rampenlicht nicht mehr herbeizitieren muss.

Udo Kewitsch