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Kabarettist »Luis aus Südtirol« begeistert Kongresshaus-Publikum mit gelungenem neuen Programm

Lustige »Oschpele«-Momente auf der Pirsch

Berchtesgaden – Luis und das weibliche Geschlecht. Er hatte es genau studiert und wusste auch sonst alles besser. In seiner Heimat, dem Ultental in Südtirol, war das Angebot aber rar. So machte er sich auf den Weg in die große weite Welt, um dort seine Traumfrau zu finden. Leider lief auch in der Ferne nicht alles nach Plan. Manfred Zöschg, alias Luis aus Südtirol, wusste viele schlaue Ratschläge zu geben und bot am Freitagabend im Kongresshaus beste Komödiantenkunst.

Der Luis: komödiantische Würze mit Hut und Schürze (Foto: Tessnow)

Aus der Dämmerung des Saallichtes schlich sich Frauenjäger Luis mit seiner Flinte an das Publikum heran. Er war mal wieder auf der Pirsch. Zuvor hatte der verzweifelte Bauer intensiv den ganzen Globus bereist, um ein passendes Pendant zu finden. Mit einem großen Rucksack voller Ratschläge und Anekdoten kam er zurück und fabulierte in seinem zwei-stündigen Soloprogramm darüber, wie man mit den Frauen und der Welt umzugehen hat. Luis aus Südtirol bescherte dem fast ausverkauften Großen Saal eine Mordsgaudi. Bereits zum zweiten Mal versuchte es der Ultentaler schon, in der Berchtesgadener Frauenwelt fündig zu werden.

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»Zu Hause im Ultental finde ich keine. Denn da ist immer was Verwandtes drunter«, beklagte er resultierend. Auch die Proportionen der heimischen Geschöpfe sagten ihm nicht zu. Entweder war die eine dick wie ein Braunbär und warf ihren Schatten voraus, oder die andere viel zu mager. »Da hascht mit einer Hand gleich alles im Griff«, monierte der Frauenkenner. In seinem aktuellen Bühnenprogramm »Auf der Pirsch« wusste der Reisende heitere Geschichten zu erzählen. Nur leider kamen ihm bei seiner Weiberjagd viele fremde Kulturen in die Quere.

Dennoch fühlte sich der Komödiant sauwohl in seiner Paraderolle. Der Südtiroler begeisterte als vielseitiger und wandlungsfähiger Künstler. Ein Entertainer mit dem richtigen Riecher und massenkompatibler Themenauswahl. Die Frau, der Mann, die Balz. Das zog schon immer. Auch mit seinem Vorgängerprogramm »Weibernarrisch« war der Ultentaler themenähnlich unterwegs und sicherte sich so eine anhaltende und große Publikumsresonanz. Ein gewieftes Konzept des Künstlers.

»Oschpele«, säufzte er des Öfteren. Was so viel bedeutet wie: ja, mei. Der fruchtlosen Frauensuche in der Heimat den Rücken gekehrt, stieg der Luis zuerst in den Flieger Richtung USA. Doch bereits die Anreise bescherte ihm unverhoffte Probleme mit seiner Verdauung. Nun hieß es die Flatulenz durch die Aircondition so geschickt entweichen zu lassen, dass diese sich zwar später wieder großräumig verteilte, der Verursacher aber nicht mehr zugeordnet werden konnte.

Auch in Dubai und Indien gefiel es ihm nicht. »Da sind die Frauen zu eingepackt, fast vakuumisiert«, wie der Experte bedauerlich erfuhr. Und auch die wenigen öffentlichen Toiletten samt unhygienischem Standard bemängelte der Experte. Notdürftige Freiluftentsorgung im Fluss. »Ohne Ganges gang es nicht. Daher heißt es auch: Die Toiletten befinden sch am Ende des Ganges«, bilanzierte der Globetrotter. Typische und treffsichere Pointen des Südtirolers.

Heiteres Berufetanzen

»Tanzen ist Balzverhalten. Es ist wie bei den Vögeln«, erklärte der selbst ernannte Ornithologe. Luis aus Südtirol kennt viele Lachgaranten. Der Ratgeber überzeugte dabei mit authentischen und komischen Pantomimen. Gleichwertig glänzte der Südtiroler mit großer Sprach- und Dialektvariabilität. Gekonnt imitierte er die afrikanische Klicksprache Khoisan. »Gemma. Gemma. Gemma weit weg. Huh.« Mit minimaler technischer Unterstützung gelang ein x-facher Chor. »Ja, ja. In Schottland klingt das ähnlich. Aber da machen sie die Musi nur mit dem Sack.«

Luis aus Südtirol verkörperte den multitalentierten Gaudiburschen. Ein weiteres Highlight gelang mit der bösen und chaotischen Persiflage auf den Dreigesang. Oder wie er es nannte: »Das Oberknottner Dreigschroa.« Billige Küchenkittel genügten als Dirndln. Der dreifache Luis zappelte schrullig auf der Bühne herum und verpatzte bewusst sein disharmonisches Playback. Als Selbstläufer wurden programmgerecht Themen wie »Bauer sucht Frau« und Hämorrhoidensalbe statt Botox aufgegriffen. Er wusste, dass auch hier die Lacher nicht ausbleiben werden. Wie beim Speeddating. Luis auf Brautschau. Die quietschrot glänzenden Lackschuhe einer attraktiven Blondine in der ersten Reihe hatte er längst seinem Revier zugeteilt. Mit ihr als Probandin demonstrierte der Wandlungskünstler ein lustiges Dialekt-Intermezzo inklusive Kostümvariationen. Schräge Typen warben um das Damenherz. Ein Innsbrucker Proll, der nur ein »krch krch krch« hervorbrachte. Oder das Wiener Muttersöhnchen, der auf viel Frauenerfahrung zurückblicken kann. Denn er wohnte ja bei seiner Mutter. Auch ein italienischer Casanova, der sie kniend schon einmal mit einer heißen »Pizza Amore« verglühen wollte, spielte er mit großer Authentizität. Luis der Sprachjongleur mit Charme.

Hut ab, Gebiss raus

Plötzlich stand da ein ganz anderer Mann. Vom Luis zum Manfred. So heißt er nämlich im wahren Leben. Es war schon bemerkenswert, wie zwei spartanische Bühnenutensilien eine so starke Verwandlung erzeugen konnten. Mit einem »Donkschian«, verabschiedete sich der Südtiroler Komödiant aus Berchtesgaden, um woanders auf die Pirsch zu gehen. Hier hatte er zwar keine Frau, zumindest aber ein Publikum gefunden. Das forderte natürlich Zugaben. Sympathisch gewährte Manfred Zöschg noch im Finale einen kurzen Blick hinter die Kulissen seiner Doppelidentität. »In Wirklichkeit hab' ich vier Kinder«, gestand er. »Von derselben Frau, versteht sich.« Jörg Tessnow