weather-image
14°

Lyrische Sommernächte und poetische Wortmalerei

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Der Tenor Benjamin Bernheim wurde von Carrie-Ann Matheson am Flügel begleitet. (Foto: Festspiele/Borelli)

Mit seiner hell glänzenden Stimme persönlicher Prägung hat sich der 35-jährige französisch-schweizerische Tenor Benjamin Bernheim einen Namen gemacht auf den großen Opernbühnen und Konzertpodien.


Nach seiner Ausbildung in Lausanne und Anfängen im Opernstudio des Züricher Opernhauses nahm seine Karriere rasch Fahrt auf und inzwischen ist er international gefragter Gast. In Frankreich wurde er 2020 zum Opernsänger des Jahres gekürt. Beim Liederabend im Rahmen der Salzburger Festspiele präsentierte er eine Auswahl überwiegend französischer Gesänge und dazwischen eine Gruppe spätromantischer deutscher Lieder von Richard Strauss.

Anzeige

»Les Nuits d'été« (Sommernächte) von Hector Berlioz, sechs zyklisch vereinte, lyrische Stimmungsbilder, sind vorrangig in der Orchesterfassung bekannt. Bernheim gibt hier die ursprüngliche Version für Klavier und Singstimme. Die unterschiedlichen Stimmungen spannen einen Bogen von lebendiger Lebensfreude über melancholische Liebe und Todesklage hin zu Sehnsucht und Neubeginn. Besonders eindrucksvoll vermittelt der Tenor dabei »La spectre de la rose«, »L'Absence« oder »L'Ile inconnue«. Als feine Stilblüten schmeicheln auch drei Lieder von Henri Duparc das Ohr. Emotionaler Überschwang prägt Richard Strauss' »Heimliche Aufforderung«, nachdenkliche Zartsinnigkeit »Die Nacht« und »Morgen«.

Bernheim gestaltet ganz vom Wortgehalt aus und modelliert mit stimmlichem Nuancenreichtum die poetischen Formulierungen und ihren Sinngehalt. Dabei verfügt er auch über eine große Bandbreite an dynamischer Differenzierung. Seine exzellente Stimmführung ist feinster elegischer Zartheit ebenso fähig wie kraftvoller Forteaufschwünge mit aufleuchtender Intensität in den metallisch flirrenden Höhenspitzen. Mit seiner seriösen und ernsthaften Gestaltungsvielfalt macht er eine Einheit aus Wort und Ton. Eleganz und fein ausgelotete Poesie besticht im französischen Melos, so auch bei Reynaldo Hahns »L'Heure exquise«, Charles Gounods »L'Absent« oder Francis Poulencs »Voyage á Paris«.

Seine Begleiterin am Klavier, Carrie-Ann Matheson, ist dem Sänger eine sicher führende Stütze, differenziert mit fülligen oder filigranen Anschlägen und sekundiert dem sängerischen Anspruch. In den beiden Zugaben beeindruckt Bernheim mit der Arie des Des Grieux aus Jules Massenets »Manon«, in einer erlesenen Wiedergabe mit stimmlichem Feinschliff, und zuletzt mit strahlendem Glänzen im Lehár-Hit »Dein ist mein ganzes Herz«.

Damit hat er sein Publikum gänzlich um den Finger gewickelt und mit lautstarkem Jubel und zahlreichen Bravi endete der geschmackvolle Liederreigen.

Elisabeth Aumiller