weather-image
26°

Mängelexemplar

0.0
0.0
Mängelexemplar
Bildtext einblenden
Karo (Claudia Eisinger) und Klein-Karo (Emelie Harbrecht) beim Kinderfest. Foto: Orlindo Frick/rbb/UFA FICTION/ARD Foto: dpa

Karo, Ende 20, findet keinen Halt im Leben. Ein Film nach einer Vorlage von Sarah Kuttner erzählt davon, wie eine junge Berlinerin versucht, ihre Ängste los zu werden.


Berlin (dpa) - Bei der traditionsreichen ARD-Reihe »Filmdebüt im Ersten« stehen in den nächsten Wochen vor allem Frauen im Mittelpunkt. Sie alle stecken in nahezu ausweglosen Situationen und müssen ihren Weg suchen. Zum Start ist an diesem Dienstag (22.45 Uhr) die Tragikomödie »Mängelexemplar« im Ersten zu sehen.

Anzeige

Karo (Claudia Eisinger) ist Ende 20, lebt in Berlin, ist ziemlich egozentrisch und superanstrengend. Erst verliert sie ihren Job in einer Werbeagentur, dann ihre beste Freundin Anna (Laura Tonke) und schließlich auch noch ihren Freund Philipp (Christoph Letkowski). Den konnte sie aber ohnehin nicht leiden, wie sie selbst sagt.

Ihr Vater (Detlef Buck) hat sie mehrfach bedrängt und begrapscht, bis ihre überforderte Mutter (Katja Riemann) sich von ihm scheiden ließ. Ihr geliebter Opa ist viel zu früh gestorben, aber zu ihrer Oma (Barbara Schöne) hat sie eine enge Bindung. Schließlich kommen Karo und ihr Ex-Kollege Max (Maximilian Meyer-Bretschneider) sich näher.

Da die junge Frau unter Depressionen leidet, beginnt sie eine Gesprächstherapie. Die Therapeutin (großartig: Maren Kroymann) erklärt ihr: »Wenn Eltern es nicht schaffen, ihr Kind zu erziehen oder ihm Grenzen zu setzen, dann trägt man dieses innere Kind als Erwachsener mit sich herum und weiß nicht, wie mit ihm umzugehen ist«.

So fehlt es Karo - ohne jegliche Basis - an einem Grundvertrauen, sich selbst und anderen gegenüber, da sie keine Distanz zu ihrem Selbst hat, ständig nur mit sich beschäftigt ist und andere lediglich zum Ausheulen braucht. Thematisiert werden auch mütterliches Fehlverhalten (sie hat ihre Tochter mehrfach geschlagen) und der Umstand, warum Karo nicht glücklich und traurig sein kann, wo es sich angeblich doch irgendwie gehört, beides zu sein.

Regisseurin Laura Lackmann (39) - ihre Folgen der Familienserie »Das Wichtigste im Leben« laufen gerade auf Vox - sagt zu ihrem Film: »Karos stärkster Gegner ist sie selbst. Den Konflikt, den sie mit sich austrägt, habe ich versucht durch die Figur des 'inneren Kindes' für uns sichtbar zu machen. Denn wenn man genau hinsieht, ist dieser Gegner, den wir alle in uns haben, wahrscheinlich zart, ziemlich klein und eher beschützenswert als gefährlich.«

Die Buchvorlage stammt von Sarah Kuttner, doch ist der Film glücklicherweise bildlich und sprachlich ganz anders angelegt. So haben sämtlichen Figuren viel mehr Tiefe - was natürlich auch an den guten Schauspielern liegt. Lackmann findet eine fantasievolle Bildsprache, mit bunten Klamotten und ebensolchen Wohnungen, dazu kommt viel Musik. Sie verwendet Rückblenden und lässt Karo oft völlig unvermittelt als Kind agieren und sprechen.

Ob die labile Frau, die gerne Selbstgespräche führt, schließlich einfach nur hysterisch oder aber ernsthaft krank ist - dafür findet auch Lackmann keine Erklärung. Das kann der Zuschauer ganz für sich allein entscheiden.

Mängelexemplar