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Männer unter sich

Männer unter sich (v. l.): Alfons Haider, Sascha Oskar Weis und Gabriel Barylli. (Foto: Heel)

»Ich bin frei. Ich bin wieder ein freier Mann«, jubelt der Schuhhändler Peter, kaum, dass er die Wohnung seiner zwei Freunde Stefan und Martin betreten hat. Die verstehen erstmal nur Bahnhof, sind sie doch gerade damit beschäftigt, für Peter, der heute Geburtstag hat, und dessen Frau Lilli eine kleine Feier vorzubereiten. Doch Lilli kommt nicht, Lilli ist für Peter gestorben, nachdem er von einem Seitensprung seiner Frau erfahren hat. Dass er selbst seine Frau seit langem betrügt, spielt dabei für ihn keine Rolle. Aber egal, jedenfalls ist er jetzt wieder Single und schwört, sich nie wieder zu verlieben, weil das mit der Liebe ja doch nie funktionieren würde. Und wer ist schuld daran? Natürlich die Frauen, die in ihrer Entwicklung die Stufe des Menschen noch nicht erreicht hätten und z. B. nur so tun, als könnten sie denken.


Eine »Erkenntnis«, die Stefan und Martin längst in die Tat umgesetzt haben. Sie teilen sich nach gescheiterten Beziehungen eine Wohnung und halten Frauen aus ihrem Leben fern. Zumindest solange, bis sie glauben, die einzig Richtige gefunden zu haben. Und natürlich nehmen sie Peter, der nicht allein sein kann, bei sich auf und bestätigen ihm, wie toll es sei, ohne nervige Frauen auszukommen. Allerdings dauert es nicht lange, bis Peters Freude dem Katzenjammer weicht und er Lilli geradezu anfleht, ihn wieder aufzunehmen. Doch vergebens. Mehr noch: Lilli drängt auf Scheidung, was für Peter bedeuten könnte, dass ihm vom gemeinsamen Vermögen nicht viel mehr bliebe als ein Butterbrot. Und dann bröckelt auch noch die Wohngemeinschaft, denn Martin lernt eine Frau kennen, die neue Hoffnung in ihm weckt.

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»Butterbrot« zählt seit seiner Erstaufführung im Jahr 1988 zu den meistgespielten Stücken im deutschsprachigen Raum und wurde in der Filmversion 1991 mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Am Salzburger Landestheater inszenierte Autor Gabriel Barylli vor kurzem die 150. Neuproduktion seines Stücks, mit der er jetzt im Traunreuter k1 zu Gast war. Wobei er selbst den Macho Martin (der in Wirklichkeit ein echtes Weichei ist) spielte und, wie könnte es anders sein, eine glänzende Figur abgab. Höchst überzeugend agierte auch der Entertainer, Opernball- und »Dancing Star«-Moderator Alfons Haider als frustrierter Schauspieler Stefan, der lieber ein Dichter wäre, und auch der soeben für den Nestroy-Publikumspreis nominierte Sascha Oskar Weis als verliebter Architekt Martin verlieh seiner Figur gefühlsstark die nötige Glaubwürdigkeit.

Eine Top-Besetzung also, die keine Wünsche offen ließ und für über zwei Stunden allerbester Unterhaltung im voll besetzten Saal des k1 sorgte. Nicht zu vergessen das von Gabriel Barylli für diese Inszenierung entworfene, so schlichte wie suggestive Bühnenbild, bei dem alles in Rot gehalten ist, Wände, Tisch, Sessel, Teller, ja sogar die Servietten. Ein perfekter Kontrast zu den unterdrückten Leidenschaften der Protagonisten. Wolfgang Schweiger