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Maler aus Unterfranken mit Spuren im Achental

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Adolf Vogel stammte aus Unterfranken.
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Landschaften und die dort wohnenden Menschen waren die bevorzugten Motive von Adolf Vogel.

Ältere Bewohner des Achentals und besonders Marquartsteins dürften sich noch an die Fotografin und langjährige Marquartsteiner Lokalberichterstatterin Marlo Mieritz-Vogel erinnern.


Sie starb hochbetagt in den 1980er Jahren. Seit 1941 war sie zusammen mit ihrem Mann Adolf Vogel in Marquartstein mit Wohnsitz am Prügelweg 19, heute Burgstraße 19, unmittelbar unterhalb der historischen Burganlage gemeldet. 1943 heirateten die beiden. Adolf Vogel (1895 bis 1959) war ein bedeutender Maler, dem seine Heimatstadt Ebern im Landkreis Haßberge in Unterfranken seit Pfingsten eine bis zum August dauernde Ausstellung widmet. Nachfahren von Vogel schenkten der Stadt 2015 eine größere Anzahl von Skizzen, Aquarellen und Ölbildern sowie zeitgenössische Dokumente und Fotografien des Künstlers Adolf Vogel. Die Bilder wurden von zwei Kunsthistorikerinnen inzwischen inventarisiert, und sie beschäftigten sich eingehend mit Leben und Werk des Künstlers, so dass nun bis Anfang August die Präsentation in Ebern gezeigt werden kann.

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Adolf Vogel war ein moderner, dem expressiven Realismus zuzuordnender Künstler. Er studierte ab 1914 an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Ludwig von Herterich, Johann Becker-Gundahl und Peter Halm. Nach seiner Kriegszeit als einfacher Soldat nahm er sein Studium wieder auf und schloss es 1921 ab. Viele der Studierenden bei den genannten Professoren wie Franz Sales Gebhardt Westerbuchberg, ebenfalls später im Achental ansässig, übernahmen nur wenige Elemente der konservativen Richtung der Malerei der Münchner Schule, sondern wandten sich dem später so genannten expressiven Realismus zu.

Ab 1925 lebte Vogel zehn Jahre in Berlin, wo er sich an zahlreichen Ausstellungen, zum Beispiel der renom-mierten Galerie Gurlitt, beteiligte. 1939 war Adolf Vogel auf verschiedenen Reisen nach Südfrankreich und Italien unterwegs, wo er seine zweite Frau, die Halbjüdin Marlo Mieritz, kennen-lernte. Ende der 1930er Jahre belegten die Nationalsozialisten Vogel mit einem Berufsverbot. Er zog mit Marlo nach Wagrin in Österreich, dann nach Marquartstein. Viele seiner Gemälde zeigen Motive aus der hiesigen Gegend, denn seine bevorzugten Bildthemen waren Landschaften, Porträts und Stillleben in der Tradition des Expressionismus mit kräftigen, teils düsteren Farben mit dynamischer Pinselführung, Da die Ehe mit Marlo Mieritz in die Brüche ging, zog Vogel 1949 nach Hannover, wo er bis zu seinem Tod lebte. Hier heiratete er eine seiner Schüle-rinnen der Werkkunstschule Hannover, an der er lehrte.

Anfang März 2020 haben Adolf Vogels in Hannover lebende, dritte Ehefrau und sein Sohn entschieden, dem Heimatmuseum Ebern 46 teils großformatige Bilder aus ihrem Besitz zu überlassen. Diese werden zum Teil in der Ausstellung zu sehen sein. Einige der Bilder bedürfen noch einer grundlegenden Restaurierung. Die Ausstellung in Adolf Vogels Heimatstadt Ebern, in der Galerie des Bürgervereins, Ritter-von-Schmitt-Straße 1, läuft bis 2. August und ist sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr geöffnet sowie jederzeit nach Absprache unter Telefon 09531/4756.

Christiane Giesen