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»Man muss die Latte hochlegen«

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Im Hotel »Edelweiß« stand der neue chinesische Bobtrainer Manuel Machata Rede und Antwort über seine Arbeit im »Reich der Mitte«. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Der 31-jährige gebürtige Ramsauer Manuel Machata vom BC Solitude Stuttgart ist seit Kurzem Trainer der chinesischen Bob-Nationalmannschaft. Machata hat von der chinesischen Sportführung den Auftrag bekommen, ein schlagkräftiges Bobteam aufzubauen, das 2022 bei den XXIV. Olympischen Winterspielen in Peking um eine Medaille fahren soll. Der Ex-Weltmeister, der bei Weltcuprennen 20-mal auf dem Siegerpodest stand, plant nach Rekrutierung von Bobpiloten und Anschiebern aus dem Leichtathletikbereich zunächst in Nordamerika zu trainieren, weil die Bahnen dort für die Chinesen näher sind, als die in Europa.


Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit Manuel Machata über seine neue Aufgabe.

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Wie wird man Bobtrainer für China?

Manuel Machata: China hat im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking geeignete Personen gesucht. Es fand zunächst in Yanking nahe von Peking ein Informationsgespräch über das gesamte Spektrum Bobsport in China statt, das recht vielversprechend verlaufen ist. Ich werde jetzt einfach anfangen, ein Team aufzubauen.

Asiaten haben eine andere Mentalität, wie sind die Gespräche verlaufen?

Machata: Im Sport gibt es eine gemeinsame Sprache, die jeder versteht. Ich bin mit dem Verlauf der Gespräche und mit den Vorgaben sehr zufrieden und freue mich auf die sicher sehr interessante Aufgabe.

Auch mit dem finanziellen Rahmen?

Machata: Der bewegt sich in einem Bereich, der international üblich ist. Aber es geht bei so einer Aufgabe nicht nur ums Finanzielle, da steckt mehr dahinter. Bisher lässt sich meine Aufgabe sehr interessant an.

Rennrodeln wird auf der gleichen Bahn betrieben. Gibt es da Symbiosen mit dem chinesischen Rodelsport?

Machata: Nachdem ja der Liechtensteiner Wolfgang Schädler seit dem Sommer für die Chinesen als Sportkoordinator arbeitet, werde ich natürlich die Zusammenarbeit mit ihm suchen. Schließlich war Schädler 20 Jahre lang Cheftrainer in den USA und zuletzt in Russland tätig.

Du hast sechs Jahre Zeit, eine schlagkräftige Mannschaft aufzubauen.

Machata: Das hört sich länger an, als es ist, denn die Probleme stecken im Detail. Wir bewegen uns ja in einer Sportart, in der es um winzige Sekundenbruchteile geht. Und da muss alles stimmen zwischen Mensch und Material.

Wie sehen die ersten Schritte mit den Mannschaften aus und wann sehen wir chinesische Bobs im Europacup?

Machata: Wir werden Bobschulen veranstalten und aus diesen Talente sichten. Natürlich sollen schon bald chinesische Bobs am Start sein.

Was hast du dir auf dem Materialsektor überlegt?

Machata: Das wird erst einmal hintanstehen. Zunächst einmal geht es um die Menschen, die einen Bob mit schnellen Anschubzeiten und guten Fahrten zu Tal bringen sollen. Dazu müssen wir an der Athletik und am fahrerischen Potenzial arbeiten. Wir werden am Anfang mit älteren Geräten aus der Bobschule fahren und erst später in den Materialsektor investieren.

Denkst du daran, mit den Chinesen auf deiner Heimbahn am Königssee zu trainieren?

Machata: Später sicher einmal. Aber zunächst werden wir schon von der Logistik her in Nordamerika beginnen, das ist für die Chinesen näher. Ich plane aber schon für die Saison 2016/17 Lehrgänge am Königssee ein.

Die Chinesen werden sich ja etwas gedacht haben, einen Ex-Weltmeister zu engagieren. Was kannst du den Chinesen von deiner Erfahrung mitgeben?

Machata: Zunächst einmal werden wir an der Kommunikation arbeiten müssen, um die gleiche Sprache zu sprechen. Das beginnt damit, dass alle Athleten englisch sprechen sollten. Ich muss mir aber nichts vormachen, um zu wissen, dass die Zeit bis zu den Spielen 2022 knapp wird. Um die letzten paar Hundertstelsekunden wird es erst in ein paar Jahren gehen.

Liegt die Latte, eine Medaille im Bobsport zu holen, nicht etwas hoch?

Machata: Man muss die Latte hochlegen, um etwas zu erreichen. Das ist die Intension der chinesischen Sportführung und auch meine. Christian Wechslinger