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»Man sieht nur mit dem Herzen gut«

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Der notgelandete Pilot (Guido Weber) trifft mitten in der Wüste auf den kleinen Prinzen (Moritz Bierbaum). (Foto: Heel)

1943 erschienen, avancierte Antoine de Saint-Exupérys (1900 bis 1944) philosophisches Märchen »Der kleine Prinz« binnen kurzer Zeit zu einem der größten Bucherfolge der Nachkriegszeit und wurde bis heute in über 100 Sprachen übersetzt.


Nicht verwunderlich also, dass diese Geschichte um den Wert wahrer Freundschaft auch als Theaterstück und Film (mit wechselhaftem Erfolg) Verbreitung fand. Nur eine Musicalfassung war bislang nicht darunter, jedenfalls bis vor wenigen Jahren. Da fanden sich die amerikanische Sängerin Deborah Sasson und der ehemalige Balletttänzer Jochen Sautter nach ihrer Zusammenarbeit bei der Neuinszenierung des Musicals »Das Phantom der Oper« erneut zusammen, um die Geschichte des kleinen Prinzen in ein Musical zu verwandeln. Sasson komponierte die Musik, Sautter steuerte nicht nur das Libretto, die Liedtexte und die Choreografie bei, sondern übernahm auch die Regie.

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Das (beachtliche) Ergebnis konnte man jetzt im Saal des Traunreuter k1 besichtigen bzw. miterleben. Musikalisch und szenisch aufwendig gestaltet, entfaltete diese seltsame Geschichte um einen notgelandeten Piloten (Guido Weber), der mitten in der Wüste auf den kleinen Prinzen (Moritz Bierbaum) trifft, nämlich auch auf der Bühne enorme Wirkung. Es beginnt mit der Lebensgeschichte des Piloten, der eigentlich Maler werden wollte, von den Erwachsenen um ihn herum aber gedrängt wurde, etwas »Anständiges« zu lernen. So verzichtete er auf seine künstlerischen Ambitionen und wurde stattdessen Pilot. Von dem kleinen Prinzen, der aus dem Nichts erscheint, erfährt er nach und nach, dass dieser von einem winzigen Planeten kommt, mit drei Vulkanen, Affenbrotbäumen und einer anspruchsvollen, einzigartigen Rose, die seine ganze Aufmerksamkeit forderte und letztendlich dazu brachte, seine Heimat zu verlassen: »Ich bin einfach zu jung, ich weiß noch nicht, wie man liebt.«

Während der Pilot mit der Reparatur seiner Maschine beschäftigt ist, begibt sich der kleine Prinz auf die Suche nach einem Freund. Dabei trifft er auf die unterschiedlichsten Gestalten wie den Geografen, den Geschäftsmann, den Eitlen, den Säufer, den Laternenanzünder und den König. Und er lernt die Schlange kennen, die ihm den »Biss der Erlösung« aus seiner Einsamkeit anbietet. Aber erst die Begegnung mit dem Fuchs, der sich von ihm zähmen lässt, bringt ihm die Erkenntnis, was wahre Freundschaft wirklich bedeutet: »Zähmen, das bedeutet, sich vertraut machen. Du bist zeitlebens verantwortlich für das, was du dir vertraut gemacht hast. Was zählt auf dieser Welt, ist das, was man liebt«. Der Fuchs ist es auch, der den bekanntesten Satz aus dem Buch von sich gibt: »Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.«

Viele Lieder mit eingängigen Melodien, reizvolle Tanzeinlagen und überwältigende Videoprojektionen auf die Rückwand der Bühne, bei denen die Akteure oft scheinbar mitten im Video spielten, sangen oder tanzten, und dies alles begleitet von einem neunköpfigen Musiker-Ensemble, machten die Aufführung so zu einem echten Erlebnis, angesiedelt in der Nähe von Varieté und Zirkus. Wolfgang Schweiger