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Manche Freibäder öffnen, andere bleiben zu: »Kommunen müssen große Klimmzüge machen«

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Traunstein: Freibäder der Region öffnen im Juni, aber manche bleiben zu | Chiemgau
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Das Freibad in Traunstein (unser Bild) öffnet am 8. Juni. Andere Bäder in der Region erst später oder vorerst gar nicht. »Alle Bäder müssen sehr große Klimmzüge machen, um eine Öffnung anzubieten«, sagt Freilassings Bürgermeister Markus Hiebl. (Foto: Bauer)

Die Freibäder in Bayern dürfen in der zweiten Pfingstferienwoche öffnen. Wer sich jetzt auf ein entspanntes Badevergnügen mit den Kindern einstellt, der wird aber enttäuscht. Was in der Theorie einfach klingt, ist in der Praxis für die meisten Bäder in der Region schwer umzusetzen – angesichts der Hygieneauflagen. Freilassings Bürgermeister Markus Hiebl sieht gar »massive Schwierigkeiten auf uns als Betreiber zukommen«. Es ist ein Spagat zwischen dem Infektionsschutz auf der einen Seite und dem politischen Druck zum Öffnen der Bäder auf der anderen Seite.


Überblick über die Eröffnungstermine im Landkreis:

Stadt / Ort Geplante Öffnung
Traunstein (Freibad) 8. Juni
Trostberg (Freibad) 8. Juni
Siegsdorf (Familienbad) bleibt geschlossen
Teisendorf (Waldschwimmbad) bleibt geschlossen
Neukirchen 15. Juni
Traunreut (Franz-Haberlander-Freibad) frühestens 27. Juni
Freilassing frühestens 1. Juli

Traunstein und Trostberg machen noch in den Pfingstferien auf

Nur die Freibäder in Traunstein und Trostberg öffnen am 8. Juni ihre Pforten, wie eine Umfrage des Traunsteiner Tagblatts ergab. Das Familienbad in Siegsdorf bleibt noch zu, außerdem das Freibad in Teisendorf. Das Schwimmbad in Neukirchen plant einen Start am 15. Juni, das Franz-Haberlander-Freibad in Traunreut frühestens am 27. Juni und in Freilassing entscheidet der Stadtrat am heutigen Dienstag über eine Öffnung – frühestens zum 1. Juli.

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Zunächst müssen alle Bäder ein Konzept erarbeiten, das sich an dem Pandemieplan der Deutschen Gesellschaft für Bäderwesen orientiert. Und den gibt es jetzt schon in der dritten Version, denn ständig kommen Änderungen.

In Traunstein stehen die Mitarbeiter in den Startlöchern, die Becken sind gefüllt, der Rasen ist gemäht. »Wir wollen unseren Bürgern die Gelegenheit geben, ihre Zeit zuhause so schön und unterhaltsam wie möglich zu erleben«, ließ Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer mitteilen. Die Stadt sei bemüht, die Einschränkungen so verträglich wie möglich umzusetzen. Es werde jedoch Änderungen geben: Der Einlass ist begrenzt, es gibt keine Saisonkarte und keine Bäderweltkarte, außerdem werden keine Saisonschränke vermietet. Weitere Regelungen, die sich an den Vorgaben der Bayerischen Staatsregierung orientieren, werden in den nächsten Tagen erarbeitet.

Das ist auch in Trostberg der Fall. Bürgermeister Karl Schleid gab im Stadtrat bekannt, dass das Freibad zum 8. Juni öffnen wird. Eine normale Badesaison werde es aber nicht, vielmehr gebe es strenge Einlass- und Hygieneauflagen, mit Sicherheit eine begrenzte Besucherzahl und eine eingeschränkte Betriebszeit.

Das Freibad der Gemeinde Siegsdorf bleibt geschlossen. »Wir haben ein Familienbad und kein Sportbad«, erläutert Geschäftsleiter Hermann Haslinger diese Entscheidung. Nach den derzeitigen Vorgaben müssten der Spielplatz und der Beachplatz geschlossen bleiben, ins Nichtschwimmerbecken dürften nur 36 Kinder gleichzeitig, die Rutsche bliebe gesperrt, für das Babybecken bräuchte man eine zusätzliche Aufsicht und auch im Schwimmerbereich müssten Bahnen gebildet werden. All das lasse sich kaum umsetzen.

Auch die Parkplatzsituation mit dem Zugang über die Traunbrücke sei ein Problem in Siegsdorf, ergänzte Bademeisterin Christine Schmidt. Dazu kommen noch technische Schwierigkeiten in dem sanierungsbedürftigen Bad. Haslinger und Schmidt bleiben aber vorsichtig optimistisch und schließen eine Öffnung zu einem späteren Zeitpunkt nicht aus, »wenn sich an den Vorgaben aus München nochmal etwas ändert«.

Das Wasserbecken im Waldschwimmbad in Teisendorf bleibt heuer leer. Allerdings soll der Außenbereich geöffnet werden, sobald das Sinn macht. Wie Marianna Baumgartner vom Bauamt weiter mitteilte, wird aber für das frisch sanierte Schwimmbad in Neukirchen ein Konzept entwickelt mit dem Ziel, das Bad Mitte Juni zu öffnen. Näheres könne man erst nach einem Testlauf sagen.

In Traunreut wird das Franz-Haberlander-Freibad derzeit noch saniert. Coronabedingt hatte es dort Verzögerungen gegeben. Der früheste Zeitpunkt zum Saisonstart sei der 27. Juni, wie Stadtmanager Christian Ehinger mittelte. Dafür erstellt die Stadt gerade ein Hygienekonzept, wartet aber noch auf genauere Vorgaben der Behörden.

Die Stadt Freilassing hatte im April beschlossen, das Freibad nicht aufzumachen. Am Dienstag wird im Stadtrat noch einmal darüber diskutiert. Bürgermeister Markus Hiebl sieht zwar einerseits massive Schwierigkeiten auf die Betreiber zukommen, all die Hygienevorgaben maßvoll umzusetzen, spürt andererseits aber den politischen Druck, die Bäder zu öffnen. Schon jetzt würden Familien zum Baden an die Saalach ausweichen, spricht er einen konkreten Gefahrenpunkt an. Deshalb gebe es den Vorschlag, das Bad zum 1. Juli doch zu öffnen.

Zum Hygienekonzept zählen hier ein Online-Ticketsystem, mehr Personal, das die Abstandsregeln kontrolliert, einen Badebetrieb in drei Schichten für Schwimmer und Familien mit Zeit zum Reinigen dazwischen und verbilligten Tarifen wegen der kürzeren Badezeiten. »Gleichzeitig müssen wir auf die Vernunft der Badegäste pochen und uns Vorbehalten, ansonsten das Bad wieder zu schließen«, wird Bürgermeister Markus Hiebl deutlich. Finanziell wird das für die Kommunen ein Wahnsinn. Hiebl formuliert es so: »Alle Kommunen müssen sehr große Klimmzüge machen, um eine Öffnung anzubieten.« ka