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Manege frei für die Liebe

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Unser Bild zeigt Franz-Josef Fuchs als Clown August. (Foto: M. Heel)

Der Clown August, gespielt von Franz-Josef Fuchs, ist ein trauriger Clown. Verlassen von seiner Freundin Marie, sitzt er einsam in seinem Wohnwagen und hadert mit seinem Schicksal. Nichts macht ihm mehr Freude, seit Marie weg ist. Aber was soll er machen? Marie wollte unbedingt eine »Zukunft«, und das ausgerechnet an der Seite eines »Versicherungsfritzen aus Norddeutschland«. Nein, Marie braucht ihn nicht mehr, »braucht ihn so wenig wie ein Fisch einen Regenschirm«. Dabei waren sie doch so glücklich, so überaus glücklich.


August versteht die Welt nicht mehr. Fragt sich, ob es den Schmerz lindern würde, wenn er Marie dafür hassen könnte. Doch nein, er will sie nicht hassen, er will sie zurückgewinnen. Aber wie? Was kann er ihr noch bieten? Was müsste er bewerkstelligen, damit sie erkennt, dass ihre Zukunft bei ihm liegt, und nicht bei diesem albernen Versicherungsfritzen? Was ganz Großes müsste es sein, klar. Etwas, das die Welt noch nicht gesehen hat …

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Geschrieben und inszeniert von Barbara Mende, die auch eine kleine Rolle übernommen hat, ist das Stück die tiefsinnige Betrachtung einer berührenden Liebesgeschichte im Zirkusmilieu. Eine Geschichte, die umso mehr greift, als Franz-Josef Fuchs es glänzend versteht, alle Facetten seiner Figur sicht- und spürbar werden zu lassen, Augusts fiebrigem Schwebezustand zwischen bitterer Realität und süßer Illusion Gestalt und Gewicht zu geben. So legt er mit seinem differenzierten Spiel überzeugend die Wunden frei, die Maries Weggang in August geschlagen haben, und drückt so intensiv wie spannungsgeladen das Gefühlschaos aus, von dem August nun beherrscht wird: Wut, Angst, Hoffnung. Und er verleiht August mit kontrollierter Energie den nötigen Furor, wenn der sich gegen Ende des Stücks buchstäblich in seinen Phantastereien versteigt.

Weitere Aufführungen sind am morgigen Donnerstag, am Freitag, am Samstag und am Sonntag. Beginn ist jeweils um 20 Uhr.

Mit der gelungenen, mit heftigem Applaus bedachten Premiere des Stücks »Die Träume eines Clowns« feierte auch der Förderverein »Fabriktheater e. V.« sein 15-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hielt Josef Häusler, der 1. Vorsitzende des Vereins, eine kurze Rede, in der er die Arbeit des Vereins, dem momentan 125 Mitglieder angehören, erläuterte und würdigte.

Wie Häusler dabei ausführte, sei der Verein ein wichtiger Baustein zur Förderung der Kulturstätte NUTS, ohne die das Kulturleben in Traunstein um vieles ärmer wäre. So habe man in den vergangenen 15 Jahren über 30 hochkarätige Aufführungen unterstützt, wovon gut 20 als Uraufführungen zu verzeichnen waren, darunter viele historische Stücke wie Albert Roseneggers »Sterndeandl«, aber auch Stücke von Thomas Bernhard, Jasmina Reza, Felix Mitterer und anderen. Diese Arbeit wolle man fortsetzen, in der Hoffnung, dass die Familie Fuchs dieses Kulturkleinod weiterhin in diesem vollen Umfang weiterführen kann, denn ohne sie gäbe es kein NUTS. Wolfgang Schweiger