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Manfred Müller und Dr. Josef Fenninger präsentieren im Rahmen eines Konzerts die Bandbreite der Orgel und der einschlägigen Literatur

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Dekanatskirchenmusiker Manfred Müller (rechts) und Dr. Josef Fenninger präsentierten bei ihrem Konzert auf der neuen St. Leonharder Orgel die große Bandbreite der Orgelliteratur. (Foto: Eder)

Zwei wahre Meister an der Orgel, Dekanatskirchenmusiker Manfred Müller und Dr. Josef Fenninger, haben bei ihrem gemeinsamen Konzert auf der neuen St. Leonharder Orgel sowohl die Klangfülle dieses Instruments als auch die große Bandbreite der Orgelliteratur präsentiert.


Von einem Werk des Komponisten Johann Jakob Froberger (Partita »Auff die Mayerin«) aus dem 17. Jahrhundert reichte die Palette bis hin zu dem 2005 verstorbenen Jenö Takacs (»Variationen über ein Thema von Zoltan Kodaly«). Die Kirche war bei dem Konzert der beiden Organisten gut gefüllt – nicht zuletzt haben ja beide enge Bindungen an die Kuratie: Fenninger, der Bruder der Leonharder Organistin Wally Hasenknopf, ist in Plattenberg aufgewachsen, Manfred Müller wohnt im Gebiet der Kuratie.

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Das Programm des Konzerts gestaltete sich in chronologischer Zeitfolge. Es erstreckte sich von Bachs bestens ausgeloteten und durchkomponierten Stücken (drei Choral-Vorspiele) bis hin zu Leon Boellmann (aus der »Suite Gothique«), der zwar schon der Moderne angehört, inzwischen aber auch bereits ein Klassiker ist, und erreichte zum Schluss mit dem ungarnstämmigen Österreicher Takacs reichlich ungewohnte Töne. So zeigten die Virtuosen an der Orgel deren Farben in vielen Variationen auf – vom Barock bis in die Moderne. Von weichen Holzflötenklängen – dabei handelt es sich sogar noch um Pfeifen der alten Orgel – zu wunderbar klaren Prinzipalen, von den schaurig düsteren Stimmungen der letzten beiden Stücke bis zu den leichten und festlichen Orgelklängen von Wolfgang Amadeus Mozarts »Sonate in C KV 335«. Eindrucksvoll war der Blick auf die beiden Organisten – schließlich mussten sie ihre Finger behände und in oft unglaublicher Geschwindigkeit nicht nur, wie beim Klavier, auf einer Ebene hin und her flitzen lassen, sondern sich sogar auf zwei Manualen bewegen. Als ob das nicht schon Herausforderung genug wäre, müssen »auf der unteren Ebene« auch noch die Beine das Pedal bedienen.

Müller und Fenninger bewiesen – jeder auf seine Weise – dass sie die Orgel zum Klingen bringen können. Während Fenninger konzentriert und zurückhaltend wirkte und mit angespanntem Gesichtsausdruck seine Stücke spielte, vermittelte Müller den Eindruck, dass er sich geradezu aggressiv, mit grimmiger Miene auf seine Noten stürzte und diese mit Schwung und kaum gezügeltem Temperament in Musik umsetzte. An den Registern unterstützt wurde Müller von seiner Frau Margret, ihres Zeichens Organistin der Pfarrei Otting, und Fenninger von seiner Schwester Wally – ein hoch qualifiziertes, musikalisches Quartett, das da auf der Orgelempore zusammenwirkte.

Pfarrer Andreas Ager meinte in seiner Begrüßung, zu einer Orgeleinweihung gehöre selbstverständlich auch ein Orgelkonzert. Mit seiner Aufforderung »Orgel frei« begann dann das etwa einstündige Konzert, dem die Besucher andächtig zuhörten.

Beim letzten Stück allerdings fingen manche Zuhörer zu lachen an, denn so etwas hatten sie an der Leonharder Orgel noch nie gehört. Für viele waren die Töne aus Takacs »Variationen« vermutlich eher lustig, weil sie sich »falsch« oder bestenfalls »hypermodern« anhörten, sehr ungewohnt für Ohren, die sonst nur feierliche Kirchenmusik gewohnt sind. Aber auch das »kann« die Orgel. Hans Eder