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Mappe mit Lausen-Siebdrucken für DASMAXIMUM

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Uwe Lausen: Blatt aus »Stoffwechsel«, 1968, Siebdruck auf Astralit, 47,5 x 65 cm, Repro Franz Kimmel.

Wetterfest sollte sie sein, auszustellen ohne Rahmen und am besten draußen – ebenso wie jene Tankstellenwerbung, deren Slogan »Pack den Tiger in den Tank« sich bis heute ins Gedächtnis gebrannt hat. So stellte sich der junge Pop Künstler Uwe Lausen 1968 seine Grafikmappe vor, als ihm der Verleger Gernot von Pape zusammen mit Herausgeber Fred Jahn ein gemeinsames Projekt vorschlug.


Was damals als Material für Kunst undenkbar war, ist bis heute noch immer ungewöhnlich, denn die Astralit-Platten sind zwar regenfest, aber nicht lichtbeständig. Einen umso größeren Schatz konnte der »Freundes- und Förderkreis des Museums DASMAXIMUM Traunreut e.V.« nun erwerben: Gernot von Pape höchstpersönlich brachte mit Nummer 25 von insgesamt 80 Exemplaren der Mappe »Stoffwechsel«, eine lange gehütete, makellose Kassette mit allen elf Siebdrucken ins Museum DASMAXIMUM.

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»Wenn ein Künstler derart lichtempfindliche PVC-Folie als Untergrund für seine Mal- oder Drucktechnik wählt, befindet sich das Kunstwerk meist schon wenige Jahre nach der Entstehung in einem lichtgeschädigten Zustand. Dass der Freundeskreis eine unbelichtete, quasi ‚druckfrische‘ Mappe erwerben konnte, ist ein großer Glücksgriff«, so Diplomrestauratorin Michaela Tischer, die die jeweils 47,5 x 65 cm großen Blätter sichtete und präsentierte. DASMAXIMUM bietet den weltweit größten Ausschnitt aus Uwe Lausens Schaffen und bekommt mit der Mappe »Stoffwechsel« nun eine Serie, die stilistisch und motivisch einen hervorragenden Querschnitt durch die späten Arbeiten bietet. Charakteristisch dafür ist eine Reduktion der Motive auf Alltägliches, aber Kunstfernes, in leuchtenden Farb-Kontrasten oder in Schwarz- Weiß, das die Nähe zur Fotografie seiner Frau Heide Stolz verrät. Die politische und provokante Ausrichtung einiger Themen war angeregt vom gesellschaftlichen Klima der 68er Jahre.

Uwe Lausen, der 1970 nach nur kurzer Schaffenszeit im Alter von 29 Jahren den Freitod wählte, zählt heute zu den Pionieren und wichtigsten Vertretern der deutschen Pop Art. Heiner Friedrichs Münchner Galerie Friedrich & Dahlem hatte Lausens Arbeiten bereits 1964 und 1966 gezeigt. Hier begegnete der junge Autodidakt auch den Werken britischer Künstler, die für seine künstlerische Entwicklung von Bedeutung waren. Mit Francis Bacon zum Beispiel verband ihn in seinen frühen Bildern die Empfindung des Körpers als Torso oder Wucherung und mit Allen Jones das Umschlagen dieser Körperlichkeit in eine eigenwillige Mischung aus Pop Art, Surrealismus und psychedelisch-ornamentaler Ästhetik.

Die beiden Vorstände des Freundeskreises, Dr. Robert Anzeneder und Dr. Peter Lämmerhirdt, möchten das Portfolio offiziell im Rahmen der Mitgliederversammlung im Sommer an die Sammlung des Museums übergeben und baldmöglichst dort zeigen. fb

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