weather-image
27°

Marienmystik in einmaliger Intensität

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Die nur 13 Sängerinnen und Sänger sowie ein kleines Orchester unter Leitung von Albert Hartinger erfüllten die ganze Pfarrkirche St. Michael. (Foto: Mergenthal)

Ein Konzert der Salzburger Bachgesellschaft ist immer ein besonderes Erlebnis. Beim Musiksommer-Konzert in der Pfarrkirche St. Michael Inzell kamen noch weitere spannende Faktoren hinzu: Am Geburtsort des Komponisten wurden vier Werke von Anton Cajetan Adlgasser aufgeführt, von denen zwei bisher nicht veröffentlicht waren.


Eine dritte Komposition des Inzellers, ein Salve Regina, erlebte seine erste »Wieder-Uraufführung« seit der Entstehungszeit. Das Forschungsinstitut für Salzburger Musikgeschichte hatte die Noten dazu in einen modernen Computersatz übertragen. Unter Leitung von Albert Hartinger beeindruckten Sänger und Musiker die etwa 130 Zuhörer mit einer Interpretation voller Konzentration und Intensität.

Anzeige

Wie Hartinger berichtete, erhielt er bereits vor gut 35 Jahren vom Adlgasser-Forscher, Hofrat Dr. Werner Rainer, handgeschriebene Abschriften von Adlgasser-Partituren, die er immer wieder aufführte. Nun war er auf der Suche nach neuen Adlgasser-Werken und fand sie in den marianischen Antiphonen. Ursprünglich wollte er alle vier Antiphonen, die im Laufe des Kirchenjahres wechseln, neu einstudieren, doch dafür reichte die Zeit nicht. Daher nahm er das »Regina coeli« von Pater Udalricus Endholzer, einem Adlgasser-Zeitgenossen aus Mülln, wo das Emsemble oft probt und konzertiert. Mit festlichen Klängen von Johann Ernst Eberlin – die Toccata VII – an der klangschönen Metzler-Orgel eröffnete Gottfried Holzer-Graf, der später an die Truhenorgel wechselte, das Konzert.

Mit der flehend und innig dargebotenen, vielgestaltigen »Lauretanischen Litanei« in F-Dur von Leopold Mozart stimmten die 13 Sänger – sechs Männer und sieben Frauen – des »Collegium Vocale« der Bachgesellschaft und das Salzburger Barockensemble auf die Marien-Thematik ein. Reizvoll war das Spiel mit diversen Besetzungen und der Wechsel zwischen Soli und Tutti. Von Marienantiphon zu Marienantiphon wurde die Besetzung immer reichhaltiger: Sang in Adlgassers »Alma Redemptoris Mater« Bassist Thomas Schneider allein das Solo, so boten in »Ave Regina coelorum« Marcia Sacha mit ihrem strahlenden Sopran und Virgil Hartinger, der mit voller Stimme alle Tenorpartien sang, ein ergreifendes Duett. Der Himmelskönigin huldigte anschließend Marcia Sacha mit Birgit Kuchlmeier in der warm fließenden zweiten Stimme. Die anfangs langen Haltetöne der Frauen umtänzelte Bassist Erich Hehenberger in virtuosen Sechzehnteln.

Das Salve Regina schließlich, ein altes Mariengebet zur »Mutter der Barmherzigkeit«, erfüllten vier Solisten, die Adlgasser ganz unterschiedlich kombinierte, und das gefühlvoll musizierende Salzburger Barockensemble mit spiritueller Tiefe. Tonwiederholungen der Geigen, auf einmalige, schwingende Weise von Daniela und Florian Beer gestrichen, verstärkten den bittenden Charakter.

Wolfgang Amadeus Mozarts bekannte »Orgelsolo-Messe« setzte noch eins drauf: Dem temperamentvollen Kyrie folgte ein luftig-leichtes Gloria und als Graduale eine zärtlich-verspielte Kirchensonate von Mozart. Viel Dramatik legten die Musiker und Sänger, die ganz eins mit ihrem Dirigenten waren, ins straff und dicht komponierte Credo. Beim ebenfalls marianischen Offertorium »Sub tuum praesidium« (Unter deinen Schutz und Schirm) von Adlgasser schwangen die Stimmen von Marcia Sacha und Birgit Kuchlmeier mit herrlich offenem Stimmansatz auf einmalige Weise ineinander. In der Messe überzeugten als weitere Solisten Altistin Mary Wiesinger mit samtener, dunkler Klangfarbe, Tenor Virgil Hartinger und Bassist Christoph Schöffmann

Feierlich und im zweiten Teil unbeschwert kam das Sanctus daher, voller Poesie das Benediktus, mit einem meisterhaften Gottfried Holzer-Graf im Orgel-Solopart. Der erste Teil des Agnus Dei wirkte durch das Pizzicato der zweiten Geige und des Basses, das sich reizvoll mit der gestrichenen ersten Geige verband, wie eine Serenade. Strahlende Violinen, zwei kraftvolle Barocktrompeten und die Pauke ließen die Messe beschwingt und festlich ausklingen.

Bei der Zugabe, Mozarts »Ave verum corpus«, konnten die begeisterten Zuhörer nochmal das unendliche Fließen von Gesang und Musik, das die Bachgesellschaft auszeichnet, bewundern. Veronika Mergenthal