Mario Basler attackiert Wacker Burghausen

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Ex-Nationalspieler Mario Basler stand Karlheinz Kas Rede und Antwort.

90 Minuten lang stand Ex-Nationalspieler und Ex-Bayernprofi Mario Basler (52) bei einem Fanclub-Besuch am Sonntag in Kirchweidach den Mitgliedern Rede und Antwort. Er sprach Klartext, wie man ihn kennt, und er nahm auf nichts und niemanden Rücksicht. Der Europameister von 1996 plauderte nicht nur über seine Laufbahn als Spieler und Trainer, sondern auch über Privates und Fernsehauftritte und er teilte aus – auch Richtung SV Wacker Burghausen.


Die wichtigsten Passagen seines Auftritts hat unsere Sportredaktion festgehalten:

Bestens in Erinnerung sind Ihre Tore aus Standards. Auch viele Ecken-Tore haben Sie erzielt. Das haben Sie wo gelernt?

Ich hatte das Glück, in Neustadt an der Weinstraße, wo ich groß geworden bin, mit Hans Günther Neues einen Trainer gehabt zu haben, mit dem ich das intensiv trainiert habe. Da war mir klar, wenn man den Ball an einem gewissen Punkt trifft, wird es für den Torwart schwer. Ich war damals 14 oder 15 Jahre. Wir hatten früher Bälle, die waren so schwer wie Steine. Heute geht es leichter, man hat ja richtige Bälle. Deshalb verstehe ich nicht, dass die Spieler heute nicht öfter aus der Distanz schießen und die Bälle ins Tor tragen wollen.

Könnten Sie sich vorstellen, heute einen Verein zu führen?

Ja, aber nur einen Verein, bei dem ich alle Leute entlassen kann. (lacht)

Zum Beispiel wie Oliver Kahn als Rummenigge-Nachfolger beim FC Bayern?

Der FC Bayern ist gut aufgestellt, aber Kahn war in der Kabine knapp drei Jahre direkt neben mir gesessen. Den hab ich nicht einmal lachen sehen.

Gibt es heute noch Kontakt zum FC Bayern?

Ja, zu Thomas Helmer zum Beispiel beim Fan-Talk und Doppelpass bei Sport1 oder zu Uli Hoeneß, mit dem ich erst kürzlich telefoniert habe. Aber ansonsten gibt es keine Freunde nach dem Fußball. Nicht bei mir. Man darf nicht vergessen, dass mich viele Mitspieler gehasst haben. Denen bin ich vielleicht zu wenig gelaufen.

Ihre größte Niederlage?

Es war ganz klar das Champions-League-Finale 1999 in Barcelona. Nach meinem Tor zum 1:0 wurde ich in der 89. Minute ausgewechselt, dann verlieren wir noch mit 1:2. Ich bin eigentlich Champions-League-Sieger, hatte mich damals schon auf eine Zigarette gefreut. Thorsten Fink wird sich heute noch fragen, warum er den Ball vor dem 1:1 nur vier Meter weit weggeschossen hat und nicht aus dem Stadion. Nichts aber auch gar nichts hatte auf einen Sieg von Manchester United hingedeutet. Unser Zeugwart war ja schon auf dem Weg, um Getränke zu besorgen. Aber nach dem 1:1 war mir klar, dass wir nicht mehr gewinnen konnten.

Wird Bayern heuer wieder Meister?

Ja, aber nur weil die anderen zu blöd sind.

Passt die Einkaufspolitik bei Bayern?

Ja, aber auf Dauer hat Bayern nur eine Chance mit Manchester, Paris und all den anderen mitzuhalten, wenn die 50+1-Regel in Deutschland fällt. Diese Regel muss fallen und wird fallen, sonst wird Bayern abgehängt.

Leroy Sané wurde jüngst von den eigenen Fans ausgepfiffen. Bitter oder?

Nein, er wurde zurecht ausgepfiffen. Er bringt halt keine Leistung. Der läuft zwölf Kilometer und schießt dann den Ball aus dem Stadion. Bei der EM, als wir das erste Spiel gegen Frankreich verloren hatten, ging er nach dem Spiel zu seinen Kumpels zur Tribüne und lachte mit denen. Was ist das für eine Einstellung? Wenn ich Trainer gewesen wäre, hätte ich ihm in der Kabine die Haare geschnitten. Für mich ist Sané größenwahnsinnig.

Und der Fußball allgemein?

Langweilig! Manuel Neuer hat heute mehr Ballkontakte als Lewandowski oder Müller. Was soll das? Schöner Fußball sieht anders aus, es macht nicht mehr Spaß. Da laufen einige pro Spiel 14 Kilometer, das habe ich in zwölf Spielen nicht geschafft. Ich empfehle meinen Kindern, nicht ins Stadion zu gehen und die hohen Eintrittspreise zu zahlen.

Aber es war doch eine schöne Zeit, vor allem bei Bayern. Auch mit allem Drum und Dran.

Ja, zum Beispiel das Oktoberfest. Wir waren dreimal dort, zweimal habe ich meine Lederhose dort verloren.

Ein Musterprofi waren Sie nie.

Richtig! Aber ich würde wieder alles so machen. Bier und Zigaretten gehören dazu. Ich würde nie meine Lebenseinstellung verändern. Sonst hätte ich keinen Spaß. Aber zugegeben: Etwas mehr trainieren hätte ich schon können.

Sie waren ja auch Trainer, zum Beispiel bei Wacker Burghausen. Es ging gar nicht gut, was ist da falsch gelaufen?

Alles ist dort falsch gelaufen! Mit dem Präsidenten Hans Steindl, der ja auch Bürgermeister war, konnte man gar nicht zusammenarbeiten. Der entscheidet alles allein, der wusste alles, erfuhr alles. Der macht Daumen rauf und Daumen runter, da ist es für einen Trainer sehr schwierig. Ich hatte mich auf Burghausen gefreut, merkte dann aber bald, dass die Stadt kurz vor Russland liegt. Du brauchtest dort immer einen Reisepass.

Sie haben immer schon verbal ausgeteilt. Haben Sie den ein oder anderen Spruch bereut und sich entschuldigt?

Das Schlimmste ist immer, wenn ich jemanden angreife und muss hinterher hingehen und mich entschuldigen. Wenn ich etwas sage, dann meine ich das so und stehe auch dazu.

Und warum sind Sie bei Bayern rausgeflogen?

Das war wegen einer Schlägerei. Wir waren zu einem 50. Geburtstag eingeladen und ich war mit Sven Scheuer dort. Da kam eine wilde Horde, alle völlig besoffen. Sie haben uns blöd angemacht. Scheuer hat einen niedergestreckt, nicht ich. Das ist Tatsache. Der Betreffende wollte uns dann erpressen, ist dann zum FC Bayern gegangen und ich sollte 50 000 Mark Strafe zahlen. Uli Hoeneß war damals angepisst, weil ich noch ein paar Wochen vorher meinen Vertrag nicht verlängert habe. Ich habe nicht bezahlt, weil ich es nicht einsah und dann bin ich eben rausgeflogen.

Sie sind im Fernsehen noch sehr präsent. Sie waren bei Promi Big Brother.

Ja, da war ich fünf Tage im Keller eingesperrt, habe nichts zu essen gekriegt, nur Wasser. Aber es war eines meiner schönsten Erlebnisse, es hat dafür 200.000 Euro Gage gegeben.

Wird man Sie mal im Dschungelcamp bei RTL sehen?

Ich hatte mehrere Angebote. Vor vier Jahren wurden mir 500.000 Euro geboten, wenn ich da reingehe. Und wenn ich in so eine Prüfung gewählt werde, könnte ich ablehnen. Ich habe abgesagt, der Sender soll sparen, bis er mir eine Million bieten kann. (lacht).

Karlheinz Kas