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Markus Eisenbichler: »Ein Weltcupsieg wäre großartig«

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Der Siegsdorfer Skispringer Markus Eisenbichler gehört im deutschen Team zu den Leistungsträgern. Auch in dieser Saison möchte der 27-Jährige vorne mitmischen – unter anderem möchte er bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld für Furore sorgen und seine Leistungen von Lahti bestätigen. 2017 holte er in Finnland von der Normalschanze Bronze und Gold mit der Mixed-Mannschaft. (Foto: Winkler)

An diesem Wochenende starten die Skispringer im polnischen Wisla in die neue Weltcup-Saison. Der Siegsdorfer Markus Eisenbichler ist dabei wieder einer der Leistungsträger im deutschen Team. Der 27-Jährige spricht im Interview mit unserer Zeitung über seine Vorbereitung und seine Ziele für die neue Saison. Er blickt aber auch auf den Olympia-Winter zurück.


Der Auftakt in die neue Weltcup-Saison steht am Samstag und Sonntag in Wisla bevor. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Vorbereitung, Herr Eisenbichler?

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Markus Eisenbichler: Ich bin sehr zufrieden damit. Es gab nur ein paar Kleinigkeiten, die speziell jetzt zum Schluss raus nicht so gepasst haben.

Verraten Sie, was Sie für Probleme hatten?

Ich hatte eine muskuläre Verletzung. Ich durfte deshalb ein paar Tage nicht mehr so viel trainieren. Die kleine Pause hat mir auch ganz gut getan. Aktuell habe ich auch keine Probleme mehr.

Beim Sommer-Grand-Prix haben Sie in diesem Jahr nur einige der elf Wettbewerbe absolviert. Hat das diesmal nicht in Ihr Trainingskonzept gepasst?

Erstens das und zweitens habe ich im Sommer mein Hauptaugenmerk auf meine Polizei-Ausbildung gelegt. Ich habe erfolgreich meinen Abschluss gemacht. Und wir haben im Winter wieder so viele Wettkämpfe, da brauche ich mich im Sommer nicht noch zusätzlich mit Wettkämpfen und Reisen belasten.

Sie sind jetzt ja Polizeimeister. Wie wichtig ist es für Sie, dass Sie ab sofort auch ein zweites Standbein haben?

Für mich ist das extrem wichtig. Jetzt bin ich viel beruhigter und gelassener. Irgendwann ist das Skispringen vorbei, jetzt weiß ich aber, dass ich einen Beruf habe, der mir extrem viel Spaß macht.

Haben Sie denn schon konkrete Pläne für Ihre berufliche Zukunft nach der sportlichen Karriere?

Ich könnte mir vorstellen, dass ich einen Trainerposten bei der Bundespolizei übernehmen werde. Ich möchte dann einfach einen normalen Berufsalltag haben und nicht die ganze Zeit rumreisen müssen. Unsere Gegend ist nämlich wunderschön. Aber die nächsten Jahre liegt der Fokus ganz klar noch auf dem Skispringen.

Gutes Stichwort. Blicken wir nochmals kurz auf die vergangene Olympia-Saison zurück. Sie wurden bei Ihren ersten Olympischen Winterspielen in Pyeongchang Achter von der Normalschanze und Vierzehnter von der Großschanze. Sie hatten sich insgeheim wohl mehr erhofft…

In erster Linie wollte ich einmal bei Olympischen Spielen dabei sein, das habe ich geschafft. Ich bin auch nicht so schlecht gesprungen, bin aber nicht auf einem Top-Niveau gewesen.

Für den Mannschaftswettbewerb wurden Sie in Südkorea nicht nominiert. Die deutsche Mannschaft holte ohne Sie Silber. Nagt das noch an Ihnen?

Nein, überhaupt nicht. Im ersten Moment habe ich mich natürlich wahnsinnig geärgert. Aber ich habe die Entscheidung hinnehmen müssen und habe meinen Blick schnell wieder nach vorne gerichtet.

Wie weit nach vorne geht der denn? Die nächsten Olympischen Winterspiele sind 2022 in der chinesischen Hauptstadt Peking. Sind Sie da nochmals dabei?

Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, aber drei Jahre möchte ich schon noch ganz gern springen. Also die WM 2021 in Oberstdorf ist auf jeden Fall noch ein Ziel. Dann muss man einfach sehen, wie es weitergeht.

Nochmals zurück nach Pyeongchang. Sie haben dort auch viel Größe gezeigt, als Sie zusammen mit der Mannschaft deren Medaille im Deutschen Haus mit einem Schuhplattler gefeiert haben. Sind Sie ein echter Teamplayer?

Ich denke schon. Ich würde alles fürs Team tun. Ich gönne wirklich jedem in der Mannschaft den Erfolg. Wir sind gute Freunde. Das macht vielleicht auch unseren Erfolg aus, denn mit Freunde trainiert und reist es sich eben leichter. Es ist auch sehr schön, wie sich das bei uns entwickelt hat.

Mit Andreas Wellinger haben Sie zudem einen Springer in der Mannschaft, der aus der gleichen Region kommt. Macht es das auch einfacher für Sie?

Das ist natürlich schön, zumal wir uns schon lange kennen. Andreas ist auch nach seinen Erfolgen immer noch der Gleiche geblieben.

Wie wichtig ist es für die deutsche Mannschaft, dass Severin Freund in dieser Saison zurückkehrt? Er war ja bis vor seiner Verletzung der Teamleader...

Es hat sich viel bei uns in der Mannschaft getan. Wir sind jetzt wesentlich breiter aufgestellt. Ich persönlich freue mich aber sehr, dass Severin wieder zurück ist. Wir waren ja zusammen schon im Internat und er hat viel für die deutsche Mannschaft geleistet. Er passt perfekt in unser Team und ich hoffe, dass er wieder gut in den Weltcup reinkommt.

Welche Ziele haben Sie sich persönlich für die neue Saison gesteckt?

Ich möchte einfach so gut wie möglich bei allen Wettkämpfen abschneiden und das Optimum für mich herausholen. Mit der WM, der Vierschanzentournee, dem Weltcup und der Raw-Air-Tour gibt es ja auch wieder viele Möglichkeiten für uns Skispringer. In erster Linie will ich das Skispringen aber auch genießen können.

In der vergangenen Saison gelang Ihnen im März beim Springen in Lahti auch Ihre bisher beste Platzierung in einem Weltcup-Springen. Sie wurden damals Zweiter. Folgt in dieser Saison nun der Angriff auf den obersten Podestplatz?

Ich möchte natürlich sehr gerne einen Weltcup gewinnen. Das wäre großartig. Und es wäre auch ein Traum von mir, dass ich einmal den Gesamt-Weltcup hole. Das ist das Nonplusultra. Dann war man wirklich die gesamte Saison über der beste Skispringer. Aber dafür muss sehr viel zusammenspielen.

Gibt es einen Wettbewerb in der Saison, auf den Sie sich besonders freuen?

Ja, auf die Skifliegen freue ich mich immer extrem. Das ist meine Leidenschaft, da geht mein Herz auf. Leider gibt es da nur sehr wenige Wettkämpfe.

Ein Höhepunkt bei den Skispringern ist ja auch immer die Vierschanzentournee. Sie wurden bei der Tournee die vergangenen beiden Jahre jeweils Gesamtsiebter. Was nehmen Sie sich diesmal vor?

Ich möchte diesmal noch eine Schippe drauflegen. Wir haben im Sommer auch viel auf den vier Schanzen trainiert. Ich hoffe, dass ich diesmal mehr Glück haben werde – vor allem in Innsbruck. Die Springen dort haben die letzten beide Male immer nicht funktioniert. Dabei ist Innsbruck eine schöne Schanze, das war schon ein wenig frustrierend. Die Tournee ist ein wunderschöner Bewerb, da werde ich auf jeden Fall angreifen.

Und eine WM steht ja auch wieder vor der Tür. In Seefeld gilt es, die guten Leistungen von Lahti zu bestätigen, oder? Von der Normalschanze gab's 2017 in Finnland Bronze für Sie und Gold mit der Mixed-Mannschaft.

In erster Linie möchte ich wieder mitfahren zur WM. Dazu muss ich mich ja erst einmal intern durchsetzen.

Wie schätzen Sie die Konkurrenz ein, auf wen muss man in dieser Saison besonders achten?

Da gibt es einige. Kamil Stoch, der vergangene Saison extrem dominant war, darf man nie außer Acht lassen. Bei den Österreichern rechne ich wieder mit Stefan Kraft. Bei den Norwegern gibt es gleich mehrere Optionen. Und bei uns werden Richard Freitag und Andreas Wellinger sicherlich wieder ganz weit vorne mitmischen – und vielleicht ja auch ich. Ich bin so stabil wie lange nicht mehr. Aber mir ist es lieber, wenn die anderen die Favoriten sind. Ich bleibe lieber im Hintergrund.

Das Interview führte: Stephanie Brenninger