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»Marokko« - ein Tagebuch von farbensprühenden Bildern

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»Achmed« von Hildegard Bauer-Lagally. (Foto: Giesen)

Eine schöne, faszinierende Ausstellung ist noch bis einschließlich Sonntag unter dem Titel »Marokko« im Kulturzentrum in Traunstein zu sehen.


Die Künstlerin Hildegard Bauer-Lagally erlebte mit ihrem Mann von 1970 bis 1980 glückliche, erlebnisreiche Jahre in Marokko zwischen Atlantik, Mittelmeer und Wüste. Die Familie besaß ein kleines orientalisches Haus mit üppigem Garten und exotischer Vegetation, wodurch die Künstlerin auch mit der Bevölkerung vielfach in Kontakt kam. Das Eintauchen in die fremde, faszinierende Kultur und die Begegnung mit Menschen und Landschaften manifestierte sich bei intensiver Malerei in vielen ihrer Gemälden, überwiegend in Öl und Aquarell, wovon eine Auswahl von 49 Bildern in dieser Ausstellung zu bewundern ist.

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Die starken Eindrücke islamischer Kunst, die Farben und Formen der dortigen Welt regten HBL (ihr Kürzel, mit dem sie signiert) an und geben ihr bis heute starke Impulse für ihre Malerei. Besonders regten sie auch die marokkanischen Ornamente an, denn kein Volk des Mittelalters war so begabt in der ornamentalen Kunst wie die Mauren. HBL begnügt sich in ihrer rund 70 Jahre andauernden künstlerischen Arbeit nie mit einmal gefundenen Mitteln und Methoden, sie nimmt, wie hier, die Anregungen der islamischen Kunst auf, bringt die abstrahierende Ornamentik in ihrem Schaffen ein und verändert sie.

Bei der gut besuchten Vernissage im Kulturzentrum sprach Hildegard Bauer-Lagally selbst über die lange Geschichte und historische Bedeutung Marokkos und der uralten Stadt Tanger, die um 2000 vor Christus von Phöniziern und Karthagern, später Griechen und Römern bewohnt wurde. Erst 680 nach Christus erreichten Araber die Küste, setzten nach Spanien über und blieben dort, bis sie um 1200 sie von dort vertrieben wurden. Spanische Handwerker, die zum Islam übergetreten waren, kamen so nach Nordafrika und brachten ihre Kunstfertigkeit ins Land. 1970 hatte Tanger noch 100 000 Einwohner, heute eine Million. »Die Farben sind von der Sonne gereift und von der Meeresluft gesättigt«, erklärte HBL ihre Faszination des Landes und »der Künstler sieht sich einer Welt gegenüber, die ihn in ihrer Fülle überwältigt«.

Eine einfühlsame Einführung in die Marokko-Bilder der Künstlerin gab Sigrid Ackermann, Vorsitzende der Kulturfördervereinigung ARTS in Traunstein. Sie sprach von dem »Leuchten lassen der Wahrnehmungen in visuellen Tagebüchern einer tiefempfundenen Reise, ein leidenschaftliches Resümee künstlerischen Schaffens über ein vergangenes, reiches Jahrzehnt«.

In jungen Jahren studierte HBL, 1921 in Cham geboren, erst an der Malschule von Hein König in München und dann an der Münchner Kunstakademie bei Professor Constantin Gerhardinger. Bald stand die Landschafts- und Naturmalerei im Mittelpunkt ihres Schaffens. Dabei inspirierte sie immer wieder die üppige Vegetation im Chiemgau so wie später die in Marokko. Ihre Landschaftsbilder und Blumenbilder haben eine erfrischende Farbigkeit und verströmen eine wunderbar lebensbejahende Atmosphäre.

Beim Gang durch die Ausstellung fällt sogleich ins Auge, über welch differenzierte Farbpalette die Künstlerin verfügt, die sie mit breiten, pastosen Pinselstrichen, manchmal auch pastellig weich und skizzenhaft, gezielt einsetzt und variiert. HBL klebt nicht am Abbild, sondern lässt sich von dem Gesehenen inspirieren, um es frei nachzuempfinden und sogleich die Atmosphäre einzufangen. Bei all ihren Werken überzeugt ihre völlig sichere, harmonische Bildkomposition, bei der man eine starke innere Ausgeglichenheit und die konsequente Verfolgung eines künstlerischen Weges spürt. Vielfach sind es auch narrative Bilder, hinter denen eine kleine Geschichte steckt.

In ihrem langen Malerleben ist Hildegard Bauer-Lagally bis heute niemals auf einem Punkt stehen geblieben. Immer wieder probiert sie Neues aus und ist stets bereit Neues aufzunehmen. Die Ausstellung im Kulturzentrum ist eine retrospektive Reise in Bildern, die noch bis Sonntag täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet ist. Christiane Giesen

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