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Martin vor Zeitfahren bei Rad-WM optimistisch

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Tony Martin erklärte :«Alle Erwartungen unterhalb von Gold sind fehl am Platz». Foto: Friso Gentsch Foto: dpa

Valkenburg (dpa) - Der Kreis der potenziellen Konkurrenten schrumpft immer mehr - die Chancen für Tony Martin steigen im gleichen Verhältnis. Die Zeichen für den Zeitfahr-Weltmeister stehen auf erfolgreiche Titelverteidigung.


Nach dem Triumph im Teamzeitfahren mit Omega Quick-Step winkt ihm am Mittwoch im niederländischen Valkenburg die zweite Goldmedaille. Der vierfache Weltmeister Fabian Cancellara, Tour- und Zeitfahr-Olympiasieger Bradley Wiggins und sein Kronprinz Christopher Froome sind nicht am Start.

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«Alle Erwartungen unterhalb von Gold sind fehl am Platz», erklärte der 27-jährige Optimist Martin, der in dem umstrittenen Vuelta-Sieger Alberto Contador den mutmaßlich härtesten Konkurrenten haben könnte. «Viele andere Namen fallen mir auch nicht ein», sagte Martin bei der Abfrage der aussichtsreichsten Widersacher.

Vor der WM fand Martin in einem Interview des Internetportals traingsworld.com. kritische Worte, die sich nicht auf den Spanier im Speziellen bezogen, ihn aber betreffen: «Generell finde ich es fragwürdig, wenn gedopte Fahrer irgendwann zurückkehren und dann große Ergebnisse einfahren. Das ist schade für den Sport und da wird leider zurecht auch ein Schatten auf den Radsport geworfen.»

Der im August aus einer defakto nur sechsmonatigen Sperre zurückgekehrte Contador sei für Martin - nicht nur vor dem 46,3 Kilometer langen WM-Zeitfahren - ein «großes Fragezeichen». Der Doping-Prozess wegen der nachgewiesenen Einnahme des Kälbermastmittels Clenbuterol gegen den zweifachen Toursieger hätte «zu lange gedauert und sei dubios», sagte Martin in Valkenburg.

Auch zum Fall Lance Armstrong, dem die Aberkennung seiner sieben Tour-de-France-Gewinne durch den Weltverband UCI droht, meldete er sich zu Wort. «Wenn ihm nachgewiesen wird, dass er illegale Mittelchen genommen hat, müssen ihm die Siege aberkannt werden. Da stellt sich gar keine Frage», erklärte der Olympiazweite von London.

Der Fall des einst unantastbaren Texaners wird die zuständigen Institutionen noch mehrere Monate beschäftigen. Erst in «einigen Wochen nach weiteren Prüfungen» will die US-Anti-Doping-Behörde USADA die Unterlagen des Falles an den Weltverband UCI und die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA senden. Das erklärte USADA-Sprecherin Annie Skinner am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Die Urteilsbegründung - die USADA hatte Armstrong lebenslang gesperrt und ihm seine sieben Tour-Siege aberkannt - ist nötig, damit die UCI aktiv werden kann.

Auch die vom Dachverband angekündigte Amnestie für Doping-Geständige der Ära Armstrong dürfte frühestens 2013 umgesetzt werden. Entsprechend hatte sich bei der Straßen-WM UCI-Sprecher Enrico Carpani geäußert. «Wir werden am Mittwoch und Donnerstag im Präsidium darüber sprechen, aber mit Beschlüssen ist nicht zu rechnen», erklärte der Schweizer. Martin hält im Moment nichts von der angekündigten Straffreiheit: «Das hört sich absurd an. Soll das heißen, ich gehe hin und sage, ich habe vor drei Wochen gedopt und werde dann nicht bestraft?» Fristen und genaue Umstände müssten geklärt werden.

Sportlich deutet in Valkenburg für Martin alles auf ein versöhnliches Ende der an massiven Rückschlägen so reichen Saison hin. «Regen am Mittwoch» sei das einzige, wovor Martin ein wenig Angst hat. Seine bei der Tour vor zwei Monaten gebrochene Hand bereitet ihm auf der Zeitfahrmaschine keine Probleme mehr. Dennoch steht nach der Peking-Rundfahrt im Oktober eine Operation im Raum.

«Eine Fehlstellung in der Hand will ich nicht. Wenn ein Röntgenbild für eine OP spricht, wird sie vorgenommen», sagte Martin, der den WM-Parcours quasi auswendig gelernt hat: «Ich habe ihn auf Video studiert und ihn siebenmal abgefahren. Ich bin 100 Prozent bereit.»