»Maximal bitter«: Hummels-Rot empört den BVB

Borussia Dortmund - Ajax Amsterdam
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Dortmunds Axel Witsel (l-r), Dortmunds Julian Brandt, Dortmunds Felix Passlack und Dortmunds Manuel Akanji nach dem Spiel. Foto: Bernd Thissen/dpa Foto: dpa

Beim Versuch, sich für das 0:4 in Amsterdam zu revanchieren, bleibt der BVB erfolglos. Doch diesmal sorgt nicht die eigene Leistung, sondern der Schiedsrichter für Diskussionen.


Dortmund (dpa) - Unmittelbar nach dem Schlusspfiff entlud sich bei den Verlierern die Wut. Gestenreich und empört redeten Rot-Sünder Mats Hummels und Trainer Marco Rose auf Schiedsrichter Michael Oliver ein.

Auch in den Interviews im Anschluss an das 1:3 (1:0) gegen Ajax Amsterdam machten die Dortmunder aus ihrer Verärgerung über den umstrittenen Platzverweis keinen Hehl. Abwehrchef Hummels sprach von einer »absurden Fehlentscheidung«, Trainer Marco Rose empfand den Abend als »maximal bitter«. Regisseur Julian Brandt wirkte gar noch niedergeschlagener als nach dem 0:4 in Amsterdam: »Das tut mehr weh als vor zwei Wochen. Zu Elft hätten wir das Spiel gewonnen.«

Beim Versuch, sich für die bisher höchste Champions-League-Niederlage der Vereinsgeschichte zu revanchieren, schien der BVB auf gutem Weg, wurde aber durch den englischen Referee bereits in der 29. Minute ausgebremst. Denn dessen Entscheidung, Hummels für das nur auf den ersten Blick rüde Foul an Ajax-Juwel Antony mit Rot zu bestrafen, erwies sich nach Meinung der Dortmunder beim Blick auf die TV-Bilder als falsch.

Rose: »Für mich schwer nachvollziehbar«

Dass eine Korrektur aus dem Videokeller dennoch ausblieb und der Unparteiische zudem darauf verzichtete, seine Entscheidung via TV zu überprüfen, brachte Rose in Wallung: »Er ist so ein erfahrener Schiedsrichter und hat die Möglichkeit, eine erste Wahrnehmung zu kontrollieren über Leute, die im Warmen sitzen«, klagte der Coach bei DAZN. Wenig später legte er nach: »Wenn man in der heutigen Zeit die Möglichkeit hat, Fehler zu korrigieren, und wenn das aus unerklärlicher Art und Weise vertan wird, dann ist das für mich schwer nachvollziehbar. Dann läuft irgendwas falsch im Fußball.«

Auch Hummels war mächtig geladen: »Wie man als Schiedsrichter auf Champions-League-Niveau auf diese Idee kommen kann. Das Spiel hat er heute entschieden. Ich glaube, er weiß es.« Der 32 Jahre alte Routinier ärgerte sich nicht nur über den Unparteiischen, sondern auch über den gefoulten Antony. »Die Schauspielerei meines Gegenspielers sollte man nicht außer Acht lassen. Das ist grob unsportlich. Er kommt zu mir und sagt selbst, dass es keine Rote Karte war«, verriet der Weltmeister von 2014. »Das ist eine Farce, das ist lächerlich. Er ist ein super Fußballer, jetzt muss er noch lernen, Sportler zu werden.«

BVB prüft Einspruch gegen den Platzverweis

Der BVB will den Platzverweis für Hummels nicht hinnehmen und prüft einen Einspruch. »Der Schiedsrichter, das muss man deutlich so sagen, hat den Verlauf maßgeblich beeinflusst. Wir prüfen die rechtliche Lage, weil es sich aus unserer Sicht um eine klare Fehlentscheidung handelt«, sagte BVB-Lizenzspielerchef Sebastian Kehl einen Tag nach dem Spiel den »Ruhr Nachrichten«.

Die Hoffnung auf ein Happy End, die bei den Dortmundern nach dem Elfmetertreffer von Marco Reus (37.) trotz der Unterzahl aufkam, war von nur kurzer Dauer. Dusan Tadic (72.), der ehemalige Frankfurter Sebastien Haller (83.) und der frühere Bremer Davy Klaassen (90.+3) nutzten die Gunst der Stunde und sicherten sich gegen den leidenschaftlich kämpfenden Gegner vorzeitig den Gruppensieg.

BVB und Sporting kämpfen um Platz zwei

Dagegen muss der BVB um den Einzug in das Achtelfinale nun bangen. Das fünfte Vorrundenspiel beim punktgleichen Konkurrenten Sporting Lissabon am 24. November dürfte im Kampf um Rang zwei und Zusatzeinnahmen in Höhe von mindestens zehn Millionen Euro vorentscheidend sein. »Da geht es um die Wurst, das wird ein Endspiel«, sagte Julian Brandt.

Doch auch die kommende Aufgabe in der Bundesliga hat es in sich. Schließlich wird der BVB am Samstag (18.30 Uhr) beim Zweiten der vergangenen Bundesliga-Saison aus Leipzig erneut schwer geprüft. Dass die ohnehin stattliche Verletztenliste durch die Auswechslung von Marius Wolf wegen einer Muskelblessur noch länger wurde, passte ins Bild eines unglücklichen Fußballabends. »Wir haben im Moment einfach ein zu großes Lazarett und spielen alle drei Tage fast mit der gleichen Mannschaft«, klagte Brandt, »einige Jungs brauchen dringend eine Pause.«

Für Rose ist das kein Grund für Trübsal. Der in Leipzig geborene Trainer hofft, dass sein Team auch nach der zweiten Niederlage gegen Amsterdam eine positive Reaktion zeigt: »Ich glaube nicht, dass es für uns einen Knacks gibt. Wir werden auch in Leipzig elf Jungs auf das Feld schicken, die sich reinhauen.« Auch Brandt sprach sich und seinen Mitstreitern Mut zu. »Ich glaube nicht, dass wir jetzt in einen Burnout verfallen und in Leipzig mentale Probleme haben. Wir werden wieder zur Stelle sein.«

© dpa-infocom, dpa:211104-99-858722/5

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