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Mehr als der Mann von Stefanie Hertel

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Zwei, die sich gut verstehen: Lanny Lanner (links) und Tobias Regner bei ihrem Konzert in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. (Foto: Ortner)

10 Jahre hat der gebürtige Österreicher in New York gelebt und gearbeitet. Seit fünf Jahren ist Lanny Lanner wieder in Europa und hat mit seiner Musik unzählige Menschen zwischen Paris und Berlin erfreut. Für seine überaus gelungene Traunstein-Premiere hat sich Lanny die Kulturfabrik NUTS ausgesucht und mit Tobi Regner einen bekannten und beliebten Kollegen als »special guest« eingeladen. Bis in die späte Nacht haben die sympathischen Musiker ihr rundum begeistertes Publikum vortrefflich unterhalten.


Zunächst betritt Tobias Regner alleine die Bühne. Seine »Band«, das sind die Gitarre und sein neues Perkussions-Spielzeug, eine kleine Stompbox, die aber mächtig reinhaut, wenn’s darauf ankommt. Neben seinem bekanntesten Song »Mal Kurz Unsterblich«, den viele Fans spontan mitsingen, präsentiert Regner fünf neue Stücke, die es bislang noch nicht auf Konserve gibt. Darin geht es etwas rockiger zur Sache, Tobi »schrubbt« seine Akustikgitarre gelegentlich ganz schön her, wie man es eigentlich mehr von den Stromgitarren gewohnt ist. Die Power tut gut und passt auch gut zu den Texten über Liebe, Beziehung, Karriere und Leben, die ungeschminkte Blicke in die Vergangenheit und gleichzeitig auch Pläne und Wünsche für die Zukunft sind. Getreu dem Motto: »Die Vergangenheit war nur der Vorspann …«

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Dann kommt Lanny dazu und man merkt gleich: Da haben sich vor rund einem Jahr zwei kennengelernt und gefunden, die sich blendend verstehen. Gemeinsam singen und spielen sie »Nur Mit Dir« von Tobias Regner, Lannys erfolgreiche Radio-Single »Kopf Oder Zahl« und die Mutter aller männlichen Pracht-Duette »Mrs. Robinson« von Simon & Garfunkel. Die etwas rauere regnersche Rockröhre harmoniert sehr gut mit Lannys etwas sanfterer, aber nicht weniger kraftvollen Stimme. Auch das Publikum hat Riesenspaß und erweist sich erneut als talentiert und lernfreudig, was das gelungene Mitsingen von Refrains betrifft.

Er sieht ein bisschen aus wie Johnny Depp und ist der Mann von Schlagersängerin Stefanie Hertel. Aber Lanny Lanner ist sehr, sehr viel mehr: Ein eigenständiger, talentierter, sympathischer Musiker, der mit großer Hingabe und Geschick seinen eigenen Weg zwischen Rockmusik und LiedermacherWelt geht. Lanny singt eigene Songs auf Englisch, Deutsch und in österreichischem Dialekt. Zur Begrüßung hatte er noch verschmitzt angekündigt, das Verbot zu singen, tanzen und Feuerzeuge zu schwenken sei für diesen Abend aufgehoben – und die Fans machten reichlich Gebrauch davon. Es ist unüberseh- und -hörbar: Lanny lebt und liebt Musik über alles. Seine Freude und Begeisterung sind ansteckend, er reißt das Publikum mit.

Country sei die am meisten missverstandene Musik der Welt, bricht Lanny eine Lanze für die Volksmusik seiner langjährigen Wahlheimat, und sehr viel mehr als Johnny Cash und Banjo. Als Beispiel führt er er »Ho Hey« von The Lumineers an. Der Song spielt zudem an einer etwas speziellen Kreuzung in New Yorks Chinatown, die Lanny nicht von einem Fotoshooting kennt. Als »größte Lüge« seines Lebens bezeichnet er seine Hommage an den größten Liedermacher seines Heimatlandes, Udo Jürgens, und singt bestens aufgelegt und tatkräftig unterstützt: »Ich war noch niemals in Ney York«. Als großer, bekennender Fan des Austro-Pop zelebriert Lanny auch zwei bekannte Stücke des beliebten Sängers Rainhard Fendrich.

An diese Tradition des beliebten Mundart-Pop seines Heimatlandes mit seinen nachdenklichen, ernsthaften, aber auch von reichlich Humor und reichlicher Schalkhaftigkeit durchsetzten Texten möchte Lanny mit einigen eigenen Kompositionen anknüpfen. Mit »I trag di haam«, das vom Vertrauen in die Familie erzählt, die einen auffängt, wenn mal etwas schiefgeht und einem nachdenklichen, liebevollen Stück, in der er appelliert, nie die Liebe und den Respekt zu verlieren, gelingt ihm das sehr gut. »Respekt ist ein wichtiger Leitfaden, der der Welt immer sehr gut getan hat. Und die Welt ist doch ein sehr cooler Platz!« Maria Ortner