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Mehr als nur Folksongs

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Mutter und Tochter im Duett: Resi und Ramona Mühlbacher trugen beim Benefizkonzert in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS einige Lieder gemeinsam vor, an der Gitarre begleitet von Michael Schankweiler. (Foto: Heel)

Bekannte Folk- und Popsongs sowie eigene Lieder stehen auf dem Programm, wenn Resi Mühlbacher aus St. Leonhard und Michael Schankweiler aus Grabenstätt auftreten – meistens für soziale Zwecke, so wie kürzlich in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS, wo sie ein Benefizkonzert zugunsten des Orts- und Kreisverbands Traunstein e. V. des Deutschen Kinderschutzbundes gaben.


In ihrer kurzen Vorrede bedankte sich Barbara Kaulfuß, die Geschäftsführerin des Verbandes, für dieses Engagement und verwies auf die finanziellen Nöte des Verbands bzw. »die stark eingebrochenen Zuweisungen«, die u. a. zur Folge hätten, dass das Traunsteiner Büro demnächst geschlossen und sie ihre Tätigkeit von einem »Home-Office« aus weiterführen werde.

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Mit dem irischen Volkslied »Whiskey In The Jar« eröffneten Resi Mühlbacher und Michael Schankweiler dann ihr gut zweistündiges Konzertprogramm, in dem vieles Platz finden sollte, so kurzweilig wie anspruchsvoll präsentiert und von erstaunlicher Vielfalt. Als Moderator fungierte dabei hauptsächlich Michael Schankweiler, von dem nicht nur die Arrangements stammten, sondern auch viele eigene Lieder. So sprach er mit der Eigenkomposition »Dankeschön« seinen Dank an all die Menschen aus, die ihm stets zur Seite stehen, erzählte mit »Wieder hier am Niederrhein« von seiner ehemaligen Heimatgegend, und fragte sich mit der »Neuzeit« – so der Titel einer weiteren Eigenkomposition – wie das wohl früher war, ohne Handys und Navis.

Und auch Resi Mühlbacher machte sich so ihre (musikalischen) Gedanken, etwa mit ihrem selbst geschriebenen Lied über Freundschaft: »Freunde sind wie Sterne am Himmel«. Den Großteil des Konzerts aber nahmen Songs ein, die Resi Mühlbacher und Michael Schankweiler auf ganz eigene Weise interpretierten, schwungvoll, souverän und perfekt aufeinander abgestimmt. Wobei sie neben Größen wie Bob Dylan (»Joey«) oder Eric Clapton (»San Francisco Bay Blues«) auch deutsche Liedermacher wie Marius Müller-Westernhagen (»Johnny Walker«), Fredl Fesl (»Nieder mit dem Freibier«) oder Andreas Gabalier (»Amoi seg’ma uns wieder«) zu Gehör brachten. Musikalische Höhepunkte des Abends aber waren die Lieder, bei denen sich als Dritte im Bunde Resi Mühlbachers Tochter Ramona, 22 Jahre jung, dazu gesellte. Eine schöne, bereits sehr kraftvolle Stimme, die im Duett mit ihrer Mutter, etwa bei »The Circle Game« von Joni Mitchell, vielversprechend funkelte.

Als Überraschungsgast des Abends trat der Poet und Sänger Günter Ermann aus Nürnberg auf, der vergangenes Jahr beim »Deutschen Rock und Pop Preis 2016« in Siegen gleich zwei erste Preise erhalten hat, und zwar für »Bitt’re Welt« in der Sonderkategorie »Bester Folkrock-Song 2016«, und für »Aching Heart« in der Sonderkategorie »Bester Country-Song 2016«. Zwar nur ein Kurzauftritt, bei dem Ermann außer »Bitt’re Welt« nichts vortrug. Es ist ein schwermütiges Lied, das davon erzählt, wie man weiter allein in einer manchmal bitteren Welt leben muss.

Zwei Zugaben rundeten das herausragende Konzert ab: Auch wenn man Hubert von Goisern nicht wirklich nachsingen kann, so gelang es Resi und Ramona Mühlbacher mit »Weit weit weg« doch, dem melodischen Zauber und der Gefühlstiefe dieses Lieds gerecht zu werden. Und mit »Comes The Time« verbeugte sich Michael Schankweiler noch gekonnt und mit durchaus eigener Note vor seinem großen Vorbild Neil Young. Wolfgang Schweiger

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